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Ferrari in der Reifenmisere

Antworten erst Mitte der Woche

Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1 - GP England - 16. Juli 2017 Foto: sutton-images.com 63 Bilder

Ferraris Reifenschäden waren der Aufreger des GP England. Warum hat ausgerechnet Ferrari Probleme, die sonst so schonend mit den Reifen umgehen? Pirelli hat noch keine Antworten. Es gibt nur Indizien.

16.07.2017 Michael Schmidt 9 Kommentare

Drei Runden vor Schluss hatte Ferrari noch 30 Punkte auf dem Konto. Fünf Minuten später war das Guthaben auf 21 Zähler geschrumpft. Dazwischen lagen zwei mysteriöse Reifenschäden und zwei Boxenstopps. Kimi Räikkönen fiel vom zweiten auf den vierten Platz, Sebastian Vettel von Platz 4 auf Rang 7. „Es war Glück, dass ich überhaupt die Zielflagge gesehen habe“, berichtete Vettel.

Der Deutsche musste eine Dreiviertelrunde auf drei Rädern an die Boxen zurückhumpeln und verlor inklusive Boxenstopp 65 Sekunden. Räikkönen lag vor dem Reifenproblem 4,3 Sekunden vor Valtteri Bottas. „Auf normalem Weg hätten wir Kimi nicht mehr gekriegt“, gaben die Mercedes-Ingenieure zu. Doch dann schlug der Reifenteufel zu. Zuerst bei Räikkönen, dann bei Vettel. Beide Male links vorne. Beide mit der Mischung Soft. Alles nur Zufall?

Bei Vettel starke Anzeichen von Abnutzung

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP England - 16. Juli 2017 Foto: sutton-images.com
Sebastian Vettel rollte nach dem Reifenschaden durch die Wiese.

Räikkönens Reifen war 25 Runden alt, als der linke Vorderreifen nahe der Außenschulter delaminierte. Deutlich sichtbar lösten sich Reifenfetzen von der Lauffläche. Pirelli-Ingenieure berichten, dass bei der Inspektion des Reifens bereits die Karkasse durchschimmerte. Der Unterbau war jedoch noch intakt. Räikkönens Reifen hielt die Luft. Der Finne berichtete: „Es ist auf der Geraden kurz vor Kurve 6 passiert. Ich kann mich nicht erinnern, vorher etwas getroffen zu haben. Bis zu dem Moment fühlte sich alles normal an.“

Die Rundenzeiten vor dem Schaden bestätigten Räikkönens Aussage: 1.31,935 min – 1.31,656 min- 1.31,841 min – 1.32,118 min. Mercedes-Teammanager Ron Meadows räumte ein: „Es gab leise Anzeichen von Abnutzung. In den letzten zwei Runden verlor er drei Zehntel pro Runde.“

Bei Sebastian Vettel lag der Fall anders. Das bestätigte auch Pirelli-Technikchef Mario Isola: „Es waren zwei unterschiedliche Schadensbilder. Kimis Reifen hat keine Luft verloren, Sebastians Reifen schon.“ Bei Vettel war der Reifensatz bereits stark abgefahren. Er hatte zum Zeitpunkt des Schadens bereits 32 Runden auf der Lauffläche.

Vettels letzte Rundenzeiten vor dem Platzer zeigen, dass entweder die Gummischicht zu dünn war, um genug Hitze und Grip zu entwickeln oder das Gegenteil passierte und die Lauffläche innen überhitzte: 1.33,398 min- 1.33,862 min – 1.34,390 min – 1.35,029 min. Das sind klare Indizien von starkem Abbau. Mitten im Rennen hätte Ferrari seinen Fahrer vermutlich an die Box geholt. So wollte Vettel einfach die letzten zwei Runden überleben. Es war ihm nicht vergönnt.

War bei Ferrari das Setup schuld?

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP England - 16. Juli 2017 Reifenplatzer ruiniert Vettel “Kann es mir nicht erklären”

Der linke Vorderreifen gab zuerst nahe der Innenschulter nach. Auch der linke Hinterreifen zeigte auf der Innenseite bereits deutliche Spuren von Blasenbildung. Dazu noch der rechte Vorderreifen. Der allerdings eher auf dem äußeren Drittel des Reifens.

Pirelli begann gleich nach dem Rennen mit der Untersuchung des Reifens. Die Schnellanalyse führt zu keinem Ergebnis. „Wir können nicht mit Bestimmtheit sagen, was die Probleme ausgelöst hat. Sicher ist nur: Es war weder Verschleiß, noch Ermüdung“, berichtete Isola. „Die Reifen werden nach Mailand geschickt und weiter untersucht. Wir nehmen auch Vergleichsproben von Reifen an Autos, die ähnlich schnell gefahren sind. Außerdem brauchen wir noch die Setup-Daten von den Teams.“

Niki Lauda hatte vermutet, dass Ferrari bei der Abstimmung des Autos vielleicht eine Spur zu weit gegangen ist. Ferrari bestritt das. Es ist ungewöhnlich, dass ausgerechnet eines der reifenschonendsten Autos in diese Schwierigkeiten gerät. Mercedes zum Beispiel hat den maximal erlaubten Sturz an der Vorderachse von 3,5 Grad gar nicht ausgeschöpft. Und notierte trotzdem leichte Blasenbildung auf den Vorderreifen. Von Ferrari gab es keine Daten. „Die können wir natürlich nicht verraten“, wehrte Isola ab.

Mehr Radsturz wäre eine mögliche Erklärung für Schäden an der Innenschulter. Ferrari ist vermutlich auch mehr Abtrieb als Mercedes gefahren. Das Topspeed-Defizit lag zwar nur bei 3 km/h, doch Vettel gab zu bedenken: „In Copse Corner waren wir 10 km/h schneller als Mercedes.“ Möglicherweise verlagerte Ferrari die Aero-Balance mehr nach vorne, um Untersteuern zu vermeiden. Erst Pirellis Analyse wird es ans Tageslicht bringen.

Um 5 Sekunden schneller als im Vorjahr

Pirelli gibt zu bedenken, dass die Autos in diesem Jahr deutlich schneller in Silverstone unterwegs waren. Die schnellste Rennrunde lag um 5,1 Sekunden unter Vorjahr. „Auch im Durchschnitt waren die Rundenzeiten viel schneller. Gerade die Ferrari haben im zweiten Stint unheimlich Druck gemacht.“ Die hohen Fliehkräfte stressen natürlich die Reifen.

Valtteri Bottas fuhr mit einer angefahrenen Garnitur Soft zu Beginn des Rennen 32 Runden am Stück. Vettel schaffte bis zum Reifenplatzer die gleiche Distanz, allerdings mit einem leichteren Auto. Auch wenn es unlogisch klingt: Die Reifen an Vettels Ferrari hatten ein härteres Rennen als die am Mercedes von Bottas. Schnellere Rundenzeiten verlangen den Reifen mehr ab als höheres Benzingewicht. Die Reifenmischung könnte eine Rolle gespielt haben. Mercedes-Ingenieure berichten: „Der Supersoft-Reifen war weniger anfällig Blasen zu werfen als die Mischung soft. Das haben wir schon am Freitag gesehen.“

Max Verstappen wurde nach Räikkönens Problem vorsorglich an die Boxen geholt. Eine Vorsichtsmaßnahme. Der Holländer hatte einige Runden zuvor über starken Gripverlust an der Vorderachse geklagt. Ferrari war also nicht ganz allein mit seinen Problemen. Pirelli erwartet bis Mitte der Woche erste Ergebnisse.

Neuester Kommentar

Unterscheid bei Lewis war, dass er direkt vor den beiden langsamsten Runden noch die schnellste Rennrunde fuhr. Bei ihm gab es noch keinen in den Zeiten sichtbaren Abbau, auch wenn er Blasenbildung hatte.

Wenn man so viel Vorsprung hat, kann man sicherheitshalber auch mal 9 Sekunden liegen lassen. Better safe than sorry...

OmniousGuy 17. Juli 2017, 14:40 Uhr
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