Wo steht Renault?

Blick nach vorne und nach hinten

Nico Hülkenberg - Renault - F1-Test - 26. Februar 2019 Foto: Stefan Baldauf

Das Ziel von Renault für 2019 lautete, den Rückstand auf die Top 3 zu verkürzen. Das scheint geschafft. Doch das Werksteam spürt gleichzeitig den heißen Atem der Verfolger. Das Mittelfeld ist so eng zusammengerückt wie noch nie.

Nico Hülkenberg und Daniel Ricciardo halten sich mit Prognosen zurück. Isoliert betrachtet ist das Gefühl mit dem neuen Renault R.S.19 gut. Doch wenn man dann sieht, dass Haas, Alfa Romeo, Toro Rosso und McLaren praktisch genauso schnell sind und Racing Point noch ein großes Aero-Paket in der Hinterhand hat, dann relativiert sich der Eindruck schnell wieder.

Das große Saisonziel, näher zur Spitze aufzuschließen, scheint realistisch zu sein. Doch man weiß noch nicht, auf welcher Position man im Verfolgerfeld landet. Und für den Werksrennstall Renault ist der 4. Platz mehr eine Pflicht als für seine Gegner. Und wenn man nur dem neuen Vorstand im Konzern zeigen will, dass es aufwärts geht.

Deshalb war es für das Binnenklima auch so wichtig, dass Hülkenberg am letzten Testtag noch die fünftschnellste Zeit gefahren ist. So als wollte sich Renault selbst beweisen: Ja, wir können es. Der Vorsprung auf die Konkurrenz ist allerdings minimal.

Die Rennsimulationen von Renault lassen ebenfalls Hoffnung aufkommen, doch wenn man dann den Longrun von Kevin Magnussen in den letzten Teststunden sieht, dann wird sich in Enstone und Viry-Chatillon wieder Unruhe breitmachen. Wenn Haas sein Problem mit den weicheren Reifenmischungen in den Griff bekommt, fahren sie auf dem Niveau der Top-Teams.

Dritter nach Test-Kilometern

Renault-Teamchef Cyril Abiteboul weiß noch nicht so recht, was er von der Generalprobe der Formel 1 vor dem Saisonstart in Melbourne halten soll. Er klammert sich deshalb zunächst einmal an die positiven Dinge: „Wir sind Dritter nach Testkilometern. Das ist gut. Am Auto ist nichts fundamental falsch. Wir haben ein gutes Verständnis über die Abstimmung und die Balance des Autos bekommen.“

„Wir sind näher an der Spitze dran als zuvor. Wir hatten keine großen Dramen, dafür ein paar kleine Probleme, wie das mit dem DRS in der ersten Woche und den Bremsen in der zweiten. Am letzten Tag konnten wir noch ein paar Entwicklungsteile testen. Insgesamt können wir mit den Testfahrten zufrieden sein.“

Daniel Ricciardo - Renault - Barcelona - F1-Test - 19. Februar 2019 Foto: Wilhelm
Bis auf den abgerissenen Heckflügel-Flap in der ersten Woche und ein Bremsproblem in der zweiten Woche machte der Renault R.S.19 bei den Testfahrten einen zuverlässigen Eindruck.

Abiteboul räumt aber auch ein: „Nach unserer Einschätzung ist das Feld enger zusammengerückt. Zwischen uns, Toro Rosso, Haas, Alfa Romeo und McLaren liegt praktisch nichts. Red Bull ist uns noch ein Rätsel.“ Erfreulich ist, dass man mit dem Chassis eine gute Plattform gebaut hat. Dass die Korrelation zum Windkanal stimmt.

Andererseits scheint der R.S.19 noch immer gewisse Schwachstellen in sich zu tragen, die schon sein Vorgänger hatte. „In schnellen und mittelschnellen Kurven ändert sich die Balance. Von Untersteuern beim Reinfahren in eine Instabilität des Hecks ab dem Scheitelpunkt.“ Das müsse man diesem Auto noch austreiben, wenn man Ferrari, Mercedes und Red Bull im Visier haben will.

Frontflügel in der goldenen Mitte

Abiteboul glaubt, dass die neuen Regeln allen Verfolgern geholfen haben, den Abstand den drei Topteams zu verkürzen. „Normalerweise bringt Stabilität die Teams näher zusammen. Das sehen wir bei den Motoren. Da gibt es nicht mehr viele Unterschiede. Beim Auto kommt es darauf an, in welche Richtung die Regeländerung geht. Wenn sie wie in diesem Fall von viel Freiheit auf viel Restriktion geht, dann ist das die Chance aufzuholen.“

Der Renault-Teamchef erwartet, dass sich die unterschiedlichen Aerodynamik-Konzepte noch angleichen werden. „Mit den simpleren Frontflügeln gibt es weniger Entwicklungsmöglichkeiten. Im Moment scheint es zwei Entwicklungsrichtungen beim Frontflügel zu geben. Du musst dich entscheiden, ob du rechts oder links gehen willst. 2020 wird jeder das gleiche haben.“

Renault ist sich noch nicht sicher, ob man beim Frontflügel den richtigen Weg gewählt hat. „Wir liegen mit unserem Flügel mittendrin, schauen uns aber das Ferrari-Konzept genau an. Einige Lösungen sind im CFD-Prozess, andere im Windkanal. Wir müssen herausfinden, ob es besser ist konservativ oder extrem zu sein.“

Nico Hülkenberg - Renault - Barcelona - F1-Test - 27. Februar 2019 Foto: xpb
Beim Frontflügel sucht Renault noch nach der richtigen Philsophie. Hier liegt man zwischen den Extremisten Mercedes und Alfa in der Mitte.

Renault findet 40 PS

Im sechsten Jahr der Hybrid-Ära hat es auch beim Motor endlich Klick gemacht. „Der Motor hat die Fortschritte gemacht, die uns der Prüfstand versprach.“ Die fünf Triebwerke, die beim Werksteam und McLaren über die acht Tage zum Einsatz kamen, verrichteten problemlos ihren Dienst. Angeblich soll Renault über den Winter 40 PS gefunden haben. Abiteboul lächelt vielsagend: „Es hängt davon ab wann.“ Das hört sich nach Qualifikationsmodus an.

Renault hat bei der FIA viel Lobbyarbeit betrieben, um auf der Motorseite Grauzonen und Schlupflöcher zu schließen, die vermutlich von den Marktführern Ferrari und Mercedes genutzt wurden. Sei es Öl als Zusatz im Benzin oder Akkumulatoren zwischen dem FIA-Mess-Sensor und der Hochdruckpumpe, mit denen man in der Theorie zumindest zeitweise die Durchflussmengenbegrenzung austricksen kann.

Abiteboul erinnert daran, dass besagte Akkumulatoren vom Reglement erlaubt, jetzt allerdings in ihrem Volumen auf 0,1 Liter beschränkt sind. „Wir haben diese Technik nie eingesetzt. Es gehört seit den 80er Jahren zu Renaults Politik, die Regeln im Wortlaut und im Sinne des Reglements zu respektieren. Die Maßnahmen der FIA gehen in die richtige Richtung, aber es gibt immer noch Möglichkeiten die Regeln in gewissen Bereichen bis ans Limit auszunutzen.“

Renault R.S.19: Der neue Hülkenberg-Renner im Detail

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