Daniel Ricciardo - Renault - F1-Test - Barcelona - 28. Februar 2020 xpb
Renault R.S.20 - F1-Auto 2020
Renault R.S.20 - F1-Auto 2020
Renault R.S.20 - F1-Auto 2020
Renault R.S.20 - F1-Auto 2020 33 Bilder

Renault mit aggressiver Entwicklung

Ricciardo bleibt voll eingebunden

Renault reist mit einem großen Upgrade nach Spielberg. Der französische Werksrennstall will 2020 eine aggressive Entwicklungsstrategie verfolgen. Daniel Ricciardo soll voll mit einbezogen bleiben – obwohl der Australier nach der Saison zu McLaren wechselt.

Noch wissen die Teams nicht, wo genau sie stehen. Es gibt Anhaltspunkte, aber keine Gewissheit. Bislang haben sich die zehn Teams nur in Barcelona bei den Wintertestfahrten getroffen. Mit den Erfahrungen aus der Vergangenheit, GPS und den Strategieprogrammen konnten sie sich in etwa ausrechnen, wie die Reihenfolge aussieht.

Doch seither sind vier Monate vergangen. Vier Monate, in denen teilweise Weiterentwicklung betrieben werden konnte. Teilweise, weil alle gezwungen waren, ihre Chassis-Fabriken für 63 Tage zuzusperren. Der Corona-Lockdown zwang sie in eine vorgezogene und verlängerte Sommerpause.

Drei Stufen in einem Paket

Renault hatte sein Werk in Enstone für neun Wochen geschlossen. Die Motorenfabrik in Viry-Châtillon war für sieben Wochen außer Betrieb. Doch zwischen Wintertests und Werksschließung und nach Wiedereröffnung betrieb der Werksrennstall intensive Entwicklungsarbeit – soweit es mit den Gegebenheiten möglich war.

Teamchef Cyril Abiteboul lobt seine Mannschaft. "Die Produktion hat große Anstrengungen unternommen, damit wir zum Auftakt in Österreich ein neues Paket ans Auto bringen können. Es ging nicht nur um die Qualität, sondern auch die Quantität. Wir brauchen ausreichend Ersatzteile, um durch den straffen Zeitplan zu kommen. Und wir wissen aus der Vergangenheit, wie leicht man sich in Österreich an einem Randstein mal ein Teil kaputt fahren kann."

Der WM-Fünfte des Vorjahres kündigt für Spielberg eine Reihe von Entwicklungsschritten an, die eigentlich nach und nach hätten ans Auto kommen sollen, jetzt aber gebündelt werden. "Es sind die Upgrades, die wir für Vietnam, Zandvoort und Barcelona eingeplant hatten. Wir werden sie in Österreich am Auto haben." Die Fahrer stellen sich auf ein straffes Trainingsprogramm ein. "Wir werden viele neue Teile haben, die wir ausprobieren und bewerten müssen. Wir werden viele Daten sammeln müssen", sagt Esteban Ocon.

Renault R.S.20 - F1-Auto 2020
Renault
Renault will mit dem R.S.20 den vierten Platz in der Team-WM zurückerobern.

Vertrauen auf Werkzeuge

Die Upgrades konnte Renault wegen der Corona-Beschränkungen nur in Windkanal und CFD testen. Man verlässt sich auf die Treffsicherheit der Werkzeuge. Im Training wird man herausfinden, ob die Ergebnisse auf dem Papier auch tatsächlich die Wirklichkeit auf der Rennstrecke widerspiegeln.

Die aggressive Entwicklungspolitik, die Renault bereits bei den Wintertests angekündigt hatte, will man trotz der geänderten Rahmenbedingungen und trotz des geänderten Rennkalenders beibehalten. "Wir mussten schwierige Entscheidungen fällen. Aber wir werden an diesem Plan festhalten und ihn ausführen", sagt der Teamchef.

Grenzen setzt das Reglement. Um Kosten zu sparen, hat die Formel 1 ein System eingeführt, um gewisse Komponenten zu homologieren. Das betrifft hauptsächlich die mechanischen Teile wie Aufhängungen, Crashstrukturen, Getriebe und Bremsen. Im Technischen Reglement sind sie auf den Seiten 100 bis 102 in 13 Kategorien und 40 Unterpunkte zusammengefasst.

Die FIA schreibt zwei Zeitpunkte aus, an denen die jeweiligen Teile für 2020 eingefroren werden. Das sind mit dem neuen Rennkalender der erste Trainingstag in Spielberg sowie das erste Training beim achten Rennen. Das ist in diesem Fall Monza Anfang September. Jedes Team hat zwei Token verfügbar, um in diesen Bereichen auch nach der Homologation weiterzuentwickeln. Die Aerodynamikentwicklung ist von den Einschränkungen weitestgehend ausgenommen.

Haas - Barcelona F1 Test 2020
Aktuell

Keine Geheimnisse an McLaren

Daniel Ricciardo soll trotz seines Abgangs zu McLaren voll in die Entwicklung des 2020er Autos miteinbezogen werden. Renault macht sich keine Sorgen, dass der Australier für 2021 Geheimnisse von Enstone nach Woking trägt. Der Grund: McLaren seien bei der Entwicklung ohnehin stark die Hände gebunden. Und 2022 kommen sowieso komplett neue Autos.

"McLaren muss seine beiden Entwicklungstoken verbraten, um vom Renault- auf den Mercedes-Motor zu wechseln. Deshalb müssen wir uns für 2021 nicht sorgen", erläutert Abiteboul. "Wir haben eine Mission und die gehen wir weiter gemeinsam an. Letztes Jahr hatten wir ein schlechtes Auto. Jetzt glauben wir eines zu haben, mit dem wir es viel besser machen können." Ocon sieht es ganz pragmatisch: "Bei uns gibt es keine Nummer eins oder eine Nummer zwei."

Eine kleine Einschränkung gibt es wohl. Renault wird sich wie die anderen Teams bereits 2020 intensiv mit den neuen Unterboden-Regeln für das kommende Jahr beschäftigen müssen. Das wird ein großer Einschnitt, der die Aerodynamik betrifft. Hier dürfte man Ricciardo aus den Überlegungen heraushalten.

Im Mittelfeld rechnet Renault mit einem heißen Tanz: "Unser Auto wird in Österreich ein anderes sein. Wer weiß, was die anderen in der Zwischenzeit gemacht haben und wo wir dann mit unserem Paket stehen. Ich rechne nur fest damit, dass sich das Mittelfeld der Spitze nähern wird und sich das Feld insgesamt stärker zusammenschiebt", sagt Ricciardo.

Mehr zum Thema Renault F1 Team
Sergio Perez - Racing Point - Formel 1 - GP Portugal - Portimao - 24. Oktober 2020
Aktuell
Fernando Alonso - Filmtag - Renault R.S.20 - Barcelona - 2020
Aktuell
Alexander Albon - Red Bull - GP Russland 2020 - Sotschi
Aktuell