Fernando Alonso - McLaren Wilhelm
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Renault holt Alonso zurück

Alonso-Comeback in der Formel 1

Renault reagiert auf den Abgang von Daniel Ricciardo und deckt sich ab 2021 mit Fernando Alonso neben Esteban Ocon ein. Nach zwei Jahren Pause wird der zweifache Weltmeister in die Königsklasse zurückkehren. Alonso spekuliert auf den Reglementwechsel 2022.

Es war nur kurz leise auf dem Transfermarkt der Formel 1. Drei Tage nach dem ersten Grand Prix des Jahres ist die nächste Bombe geplatzt. Fernando Alonso kehrt 2021 zurück in die Formel 1 zu dem Rennstall, mit dem er seine beiden Weltmeistertitel feierte. Der Spanier unterschreibt einen Vertrag bei Renault. Zur Laufzeit geben beide Parteien keine genaue Auskunft. Man spricht von mehreren Saisons. Sicher ist: Renault und Alonso setzen nicht auf die nächste Saison, sondern blicken bereits auf 2022. Unter den neuen Regeln will man zusammen um Siege und Titel fahren. Das spricht für einen Zweijahres-Vertrag – mit Optionen auf eine Verlängerung.

Das Cockpit wurde frei, nachdem im Mai weit vor dem Saisonstart die ersten Puzzlesteine verrückt wurden. Ferrari setzte Sebastian Vettel vor die Tür. Der Heppenheimer bekam für 2021 noch nicht einmal ein Vertragsangebot. Stattdessen bauen die Italiener ab der kommenden Saison auf Carlos Sainz neben Zukunftshoffnung Charles Leclerc.

Renault reagiert schnell

Im Gegenzug angelte sich McLaren Daniel Ricciardo, an dem man bereits 2018 gebaggert hatte und weiter losen Kontakt hielt. Als sich die Chance bot, schlug McLaren zu und verpflichtete den Australier. Das brachte Renault in die Situation, sich nach einem neuen Fahrer umzuschauen.

Dafür wollte sich die Teamführung um Cyril Abiteboul nach eigenen Aussagen Zeit lassen. Jetzt ging es plötzlich doch ganz schnell. Da hat Alonso offenbar gedrängt. Renault hätte sich im Prinzip Zeit lassen können. Alonsos Optionen auf eine F1-Rückkehr waren beschränkt. Die Topteams sind zu.

Nach zwei Jahren ohne Formel 1, nach erfolgreichen Ausflügen nach Le Mans und Teilnahmen am Indy500 und der Rallye Dakar, zieht es den Doppelweltmeister von 2005 und 2006 zurück in die Formel 1. In diesem Jahr hat Alonso noch eine Chance, den Sieg beim Indy500 zu erringen. Dann wird er sich voll auf die neue Aufgabe bei Renault konzentrieren.

Alonso - Buemi - Nakajima - Toyota - 24h-Rennen Le Mans 2019
Motorsport Images
In Le Mans holte Alonso mit Toyota zwei Gesamtsiege.

Fokus auf neue Regeln 2022

Der französische Werksrennstall setzt auf Alonsos Erfahrung. Beide Parteien spekulieren, 2022 unter dem Budgetcap und den völlig neuen Regeln an die Formel-1-Spitze vorzudringen. Renault muss dann endlich liefern. Man sollte als Hersteller alle Mittel haben, um ein konkurrenzfähiges Auto zu bauen. Alonso will es noch einmal allen beweisen.

Bis 2022 allerdings werden sich Team und Fahrer gedulden müssen. Renault zeigte in Spielberg zwar, dass man verglichen mit dem Vorjahr einen Schritt nach vorn gemacht hat. Doch Racing Point und McLaren sind schneller. Der Weg an die Spitze ist für dieses und nächstes Jahr verbaut. Erstens, weil das Reglement stabil bleibt. Zweitens, weil die Autos und Motoren größtenteils eingefroren werden. Da wird schon der Weg an die Spitze des Mittelfeldes kein einfacher.

Alonso wird 2021 also nicht im Umfeld von Podestplätzen fahren können. Er wird mitschwimmen, statt glänzen zu können. Etwas, was seinen Ansprüchen eigentlich nicht genügt. Und etwas, womit er seinen Rückzug Ende 2018 gerechtfertigt hatte. Der Spanier hatte keine Lust mehr, um einstellige Punkte zu kämpfen.

Alonso hält Podestplätze für realistisch

Der zweifache Le Mans-Sieger hatte stets betont, nur zurückzukehren, wenn er das Material habe, an der Spitze zu kämpfen. Wer 32 Siege, 97 Podestplätze und 22 Poles vorzuweisen hat, will nicht hinterherfahren. Doch offenbar war die Lust auf Formel 1 dann doch zu groß. Und die Darlegungen von Renault überzeugend genug, dass Alonso 2022 das richtige Auto in den Händen hat. "Ihre Fortschritte über den Winter verleihen ihren hohen Zielen Glaubwürdigkeit", sagt der 38-Jährige. "Meine Ansprüche sind dieselben wie die des Teams. Ich werde meine ganze Rennerfahrung in das Projekt einbringen und mit den Ingenieuren, Mechanikern und meinem Teamkollegen teilen. Das Team will und hat die Mittel dazu, auf das Podest zurückzukehren – so wie ich."

Bis dahin freut sich eher das Marketing. Mit einem Alonso im Cockpit schreibt man mehr Schlagzeilen als mit einem unbekannten Nachwuchsfahrer wie Renault-Junior Guanyu Zhou oder Christian Lundgaard. Die Verantwortlichen werden alle Hände voll zu tun haben: Der Spanier ist kein Mann mit großer Geduld. Freundlich ausgedrückt könnte man sagen, er war in der Vergangenheit nicht gerade pflegeleicht. Alonso hat häufig verbrannte Erde hinterlassen.

Abiteboul und Markenbotschafter Alain Prost müssen ihn umschmeicheln. "Seine Verpflichtung ist aus sportlicher Sicht und für die Marke Renault herausragend", sagt Abiteboul. "Seine Erfahrung und Entschlossenheit werden es uns ermöglichen, das Beste auseinander herauszuholen, um das Team zu der Exzellenz zu führen, die die moderne Formel 1 verlangt. Er bringt die Sieger-Kultur ins Team, damit wir gemeinsam Hürden überwinden. Neben Esteban wird es seine Aufgabe sein, Renault bestens auf 2022 vorzubereiten."

Nico Hülkenberg - Monaco
xpb
Für Nico Hülkenberg ist ein Comeback bei Renault vom Tisch.

Sieg im hohen Rennfahrer-Alter?

Der Spanier wird bereits Ende diesen Monats 39 Jahre alt. Trotzdem hat Renault Vertrauen in seine Fähigkeiten. Experten trauen Alonso jedenfalls zu, sich schnell wieder in der Formel 1 einzufinden. Wenn einer zurückkommen kann, dann ein Fahrer seines Kalibers. Sollte das Comeback tatsächlich von Erfolg gekrönt sein, wäre es eine große Geschichte.

Die Formel 1-Verantwortlichen reiben sich jetzt schon die Hände. Ein Alonso ist immer gut für Schlagzeilen. Der Teamkollege freut sich bereits: "Wir haben eine großartige Beziehung. Fernando ist der einzige Fahrer, mit dem ich Helme getauscht habe", sagt Esteban Ocon. Dem Franzosen bietet sich eine Chance wie einst Nico Rosberg bei Mercedes als Michael Schumacher zurückkam. Er kann den alten Platzhirsch niederringen, um die eigene Karriere weiter zu beschleunigen.

Alonso begann seine Laufbahn 2001 bei Minardi. Nach einem Jahr auf der Ersatzbank rückte er 2003 ins Stammcockpit bei Renault auf. Nach seinen beiden WM-Titeln verabschiedete sich der Mann aus Oviedo zu McLaren. Dort traf er auf Lewis Hamilton, verpasste den dritten Titel und verkrachte sich mit dem Team. Renault nahm ihn für 2008 und 2009 wieder auf.

Es folgte der Wechsel zu Ferrari, wo Alonso von 2010 bis 2014 vergeblich der dritten Weltmeisterschaft hinterherjagte. Auch der zweite Wechsel zu McLaren war nicht von Erfolg gekrönt. 2021 verbindet sich Alonso ein drittes Mal mit Renault. Beim geplanten Großangriff 2022 wird er bereits 40 Jahre alt sein.

In der Geschichte der Formel 1 gab es nur neun Fahrer, die in diesem hohen Alter überhaupt noch Rennsiege feierten. Luigi Fagioli (damals 53 Jahre), Giuseppe Farina (46), Juan Manuel Fangio (46), Piero Taruffi (45), Sam Hanks (42) und Maurice Trintignant (40) in den 1950er Jahren. Graham Hill mit 40 Jahren in den 1960ern, Jack Brabham mit 43 im Jahr 1970 und zuletzt Nigel Mansell mit 41 Jahren in Adelaide 1994. Im Alter von 39 gab es übrigens vier Rennsieger: Clay Regazzoni, Lee Wallard, Carlos Reutemann und Kimi Räikkönen.

Tür zu für Hülkenberg

Alonsos Comeback ist eine schlechte Nachricht für Nico Hülkenberg. Damit ist für ihn eine Rückkehr zum Werksrennstall vom Tisch. Der Rheinländer macht sich noch Hoffnungen auf einen Platz bei Alfa Romeo. Dort laufen die Verträge von Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi am Saisonende aus. Alfa-Teamchef Frédéric Vasseur kennt Hülkenberg aus gemeinsamen Zeiten in Nachwuchsformeln. Das Team will seine Fahrerentscheidung frühestens im Oktober treffen.

Sebastian Vettel wurde ohnehin kein Interesse am vakanten Renault-Cockpit nachgesagt. Der Heppenheimer will offenbar einzig bei einem Topteam landen. Die Türen bei Mercedes oder Red Bull scheinen aber verriegelt.

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