Renault R31-Technik: Der Auspuff-Trick

Renaults Auspuffgeheimnis gelöst

Lotus Renault R31 Foto: xpb 19 Bilder

Die Frage ist der Renner in jedem Fanforum. Wo mündet der Auspuff des neuen Renault? Unsere Spione haben es herausgefunden. Am Anfang der Seitenkästen. Der neue McLaren MP4-26, der am Freitag in Berlin präsentiert wird, trägt angeblich den gleichen Trick in sich.

Es ist eine mutige Idee. Ob sie sich auszahlt oder nicht, werden wir erst in einigen Tag wissen. Selbst bei genauerem Hinschauen war am Tag der Präsentation des neuen Renault R31 nicht zu erkennen, wo der Auspuff mündet. Im Heckbereich war keine Auspufföffnung zu sehen.

Sofort kam der Verdacht auf, Renault könnte die Endrohre weiter vorne ins Freie treten lassen. Aber auch da war kein Loch in der Verkleidung und im Boden zu sehen. Renault hatte seinen Auspufftrick sehr gut getarnt. Unsere Technikspione haben ihn am ersten Testtag entdeckt. Er ist hinter einem der senkrechtstehenden Leitbleche in dem Bereich versteckt, wo der Boden in den Seitenkasten übergeht. Also zu Beginn des Seitenkastens!

Gewagte Auspuffführung

Das bedeutet, dass Renault die Auspuffrohre vom Motor zuerst am Tank und am Fahrer vorbei nach vorne leiten muss, um dann einen U-Turn zu machen. Das erschwert den Einbau der Kühler, der Elektronikboxen und der Kers-Elemente, die normalerweise in den Seitenkästen beherbergt sind. Und es könnte Temperaturprobleme mit sich bringen. Der Auspuff wird bis zu 600 Grad heiß. Er muss also gut geschützt am Chassis entlang laufen.

Die Fahrer sollen auch schon Bedenken geäußert haben, dass sie von den Auspuffgasen benebelt werden, wenn der Motor im Stand läuft. Dort, wo sie sitzen treten die Gase ins Freie. Bei voller Fahrt besteht kein Problem. Dann vertreibt der Fahrtwind das Auspuffgas. Doch was passiert in der Startaufstellung, wenn man lange warten muss, bis das Feld aufgereiht ist?

Konkurrenz arbeitet an ähnlicher Technik

Da fragt sich der Laie: Wozu dieser ganze Aufwand? Im Prinzip funktioniert der Auspufftrick wie im Vorjahr. Da hat man die Auspuffgase im Heck in und auf den Doppeldiffusor geblasen, um die Sogwirkung zu unterstützen. Das generiert Abtrieb. Doch der Doppeldiffusor ist 2011 verboten. Also muss man der gekappten Version nachhelfen. Je früher man die Auspuffgase nutzen kann, um die Strömung entlang der Seitenteile zu beschleunigen, umso besser. Zumindest in der Theorie.

"Renault hat in die richtige Richtung gedacht. Wir arbeiten an einer ähnlichen Lösung", verrät Mercedes-Teamchef Ross Brawn. Noch sensationeller soll der neue McLaren MP4-26 sein. Er wird am Freitag in Berlin präsentiert. Der große Herausforderer von Red Bull soll zwei Tricks miteinander kombinieren. ToroRossos Einzug der Seitenkästen über die gesamte Länge und den weit vorne platzierten Auspuff. Die Endrohre sollen beim McLaren exakt in die Mulde blasen, die zwischen dem Bauch des Seitenkastens und dem Unterboden entsteht. Damit wird die Strömung noch besser beschleunigt. Hat Red Bull-Stardesigner Adrian Newey vielleicht doch etwas vergessen? Newey bleibt gelassen: "Unser endgültiges Aerodynamikpaket kommt erst in Bahrain. Wir arbeiten noch daran."
 

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