Die Baustellen von Renault

Seit England das viertbeste Auto

Carlos Sainz - GP Abu Dhabi 2017 Foto: Wilhelm 42 Bilder

Platz 5 in der Teamwertung war das Saisonziel von Renault. Es wäre machbar gewesen, wäre das Werksteam nicht über 12 Defekte und schwache Boxenstopps gestolpert. Teamchef Cyril Abiteboul verspricht, die Mängel bis 2018 abzustellen.

Als Nico Hülkenberg in Abu Dhabi als Sechster die Ziellinie überquerte, da brach am Kommandostand von Renault Jubel aus, als hätte das Team gerade die Weltmeisterschaft gewonnen. Sportdirektor Jérôme Stoll, Teamchef Cyril Abiteboul und Markenbotschafter Alain Prost ließen ihren deutschen Fahrer hochleben.

Hülkenberg wunderte sich: „Ich habe doch nur meinen Job gemacht.“ Der Grund für die Erleichterung im gelbschwarzen Lager lag auf der Hand. Der 6. Platz in der Konstrukteurs-WM war Schadensbegrenzung. Eigentlich wollte man Fünfter werden.

Einsatzleiter Alan Permane ist überzeugt: „Wir wären auch Fünfter geworden, hätten wir uns nicht selbst so oft im Weg gestanden. Nico wäre in Singapur Vierter geworden, hätte ihn nicht ein Ölleck gestoppt. Allein mit dem Ergebnis wären wir näher an Williams dran gewesen. Dann wäre vieles leichter geworden.“

Am Ende fehlten 26 Punkte. Das Team aus Entstone und Viry-Chatillon könnte insgesamt 12 Technikpannen aufzählen. Viele von ihnen haben WM-Punkte gekostet.

Problem mit Radmuttern und Sicherungsstiften

Carlos Sainz - GP Abu Dhabi 2017 Foto: Wilhelm
Carlos Sainz musste sein Auto in Abu Dhabi vorzeitig abstellen.

Auch in Abu Dhabi legte ein Renault-Fahrer leere Kilometer zurück. Carlos Sainz parkte seinen Renault nach 31 Runden mit losem linken Vorderrad. Auf dem Weg aus der Boxengasse hatte sich vorne links die Radmutter gelöst. Wo genau, wusste Renault drei Stunden nach dem Rennen immer noch nicht. „Wir müssen das verdammte Ding finden, weil wir nur so herausfinden können, was wirklich passiert ist“, forderte Permane.

Klar ist nur: Der Mechaniker am vorderen rechten Rad war sich zunächst sicher, dass er die Radmutter ordnungsgemäß arretiert hatte. Doch als Sainz anfuhr, kamen ihm Zweifel. „Er hat gemerkt, dass etwas nicht stimmt, aber es war zu spät, Carlos noch aufzuhalten.“ Renault bezahlte für die Freigabe des Autos im unsicheren Zustand 5.000 Euro in die FIA-Kasse.

Auch Nico Hülkenbergs Boxenstopp lief nicht rund. Rechts hinten musste der Mechaniker drei Mal ansetzen, um die Radmutter zu lösen. Permane bestätigt: „Das hat mit dem Design unserer Radmuttern und der Sicherungsstifte zu tun.“ Abiteboul stöhnt: „Die Radmuttern sind ein Alptraum.“

Nur Sauber mit schlechteren Stopps

Renault liegt in der DHL-Boxenstopp-Statistik auf vorletzten Platz. Die Werkstruppe kam nur vier Mal in die Top Ten. HaasF1 zum Beispiel schaffte das 21 Mal, und die Amerikaner sind noch relativ neu in den Geschäft. Boxenstopp-König Mercedes wickelte seine 51 Reifenwechsel im Schnitt in 2,1 Sekunden ab. Renault braucht durchschnittlich 2,4 Sekunden. Das ist eine Welt.

Das eigentlich Problem ist der Sicherungsstift. Es kommt immer wieder vor, dass er das Rad arretiert, wenn die Radmutter schon abgezogen ist. Oder dass die Radmutter klemmt. „Die anderen Teams ziehen die Radmutter und das Rad in einem Zug ab“, bedauern die Ingenieure.

Abiteboul beruhigt: „Radmuttern sind keine Raketenwissenschaft. Wir räumen auf dieser Baustelle auf, genauso wie bei der Zuverlässigkeit. Unsere Mannschaft hat bei der Aerodynamik gezeigt, dass sie Probleme lösen kann.“

Der Teamchef spricht darauf an, dass der Renault R.S.17 zu Saisonbeginn zwar viel Abtrieb in der Spitze hatte, ihn aber nicht in allen Fahrzuständen stabil halten konnte. Eine Reihe von Aero-Upgrades und Fahrwerksmodifikationen schaffte das Problem aus der Welt. „Ab Silverstone waren wir auf jeder Strecke in der Lage, aus eigener Kraft in die Punkte zu fahren“, lobt Hülkenberg.

Permane sagt sogar: „Wir hatten in der zweiten Saisonhälfte im Schnitt das viertschnellste Auto.“ Abiteboul schränkt ein: „Zumindest dort, wo maximaler Abtrieb gefragt war.“ So wie in Abu Dhabi. Da nahm Renault dem WM-Vierten Force India im dritten Sektor eine halbe Sekunde ab.

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