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Bleibt Renault in der Formel 1?: Renault fordert Verhaltenskodex

Bleibt Renault in der Formel 1? Renault fordert Verhaltenskodex

Renault legt Wert auf die Feststellung, dass sein Bremssystem legal ist. Und dass man über den Begriff Fahrhilfe streiten könnte. Für die Zukunft wünscht sich Teamchef Cyril Abiteboul einen neuen Verhaltenskodex und eindeutigere Regeln.

In die Affäre um das Bremssystem von Renault kehrt keine Ruhe ein. Renault legt weiter Wert auf die Feststellung, dass ihr Bremssystem technisch den Regeln entsprach. Teamchef Cyril Abiteboul räumt ein: „Das allein genügt heute aber nicht mehr, weil das Regelwerk extrem komplex ist. Es muss auch die Anforderungen des Sportgesetzes erfüllen. Einige Technik-Regeln stehen im Widerspruch zu dem Artikel 27.1., über den wir gestolpert sind.“

Renault ist auch wichtig zu betonen, dass die von den Sportkommissaren beanstandete Fahrhilfe das Auto nicht schneller gemacht hat. „Sie hat den Fahrern höchstens ihre Arbeit erleichtert.“ Renault fährt mit besagter Bremsbalance-Kontrolle mindestens seit letzten Jahr.

Abiteboul beteuert: „Wir hatten zu keiner Zeit das Gefühl, dass es nicht legal sein könnte.“ Deshalb hat man die Zahlen auf dem Display, die sich auf die Bremskraftverteilung bezogen, auch nicht codiert sondern mit offenen Karten gespielt. Hätte man etwas verbergen wollen, wären die Anzeigen auf dem Lenkrad nicht so eindeutig gewesen.

Bei Renault ärgert man sich über die Vorgehensweise von Racing Point. „Hätten sie ihre Zweifel bei uns und der FIA vorgebracht, hätten wir es erklären können. Es gab auch nie eine technische Direktive dazu.“ Die FIA hätte dann für Klarheit sorgen können.

„Wir wurden aber ohne Vorwarnung in Suzuka vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Ein unabhängiger Teamchef meinte: „Racing Point hat sich mit dem Protest keinen Gefallen getan. Das ging klar gegen ein ungeschriebenes Gesetz, die Dinge erst einmal intern zu klären. Außerdem kommt so etwas immer zurück.“

Cyril Abiteboul - GP Japan 2019
xpb
Cyril Abiteboul ist nicht glücklich über die Art, wie Racing Point mit dem Protest vorgeprescht ist.

Angst vor Technologie-Transfer

Abiteboul fordert deshalb für die Zukunft für solche Fälle einen neuen Verhaltenskodex zwischen den Teams und der FIA. Und eindeutige Regeln. „Das Reglement ist jetzt schon kompliziert genug. 2021 kommen zum Sportgesetz und zu den Technischen Regeln noch die finanziellen Rahmenbedingungen. Wir müssen hier mehr Klarheit schaffen. Das was uns passiert ist, kann jedem passieren. Weil es so viele Fallstricke gibt“, klagt Abiteboul.

Unter Verhaltenskodex versteht der Renault-Teamchef ein Abkommen unter den Teams, sich in Interpretationsfragen erst einmal untereinander zu verständigen, bevor man die Keule eines Protestes auspackt.

Abiteboul befürchtet, dass sonst die Praxis von Racing Point Schule macht. „Da wechseln Leute das Team und schwärzen ihren alten Rennstall an, ohne genaue Details zu kennen. Das sorgt nicht nur für unnötige Schwierigkeiten, es ist auch ein Weg, um an fremde Technologien heranzukommen. Wenn ich will, könnte ich wahrscheinlich gegen jedes Team im Fahrerlager etwas vorbringen, das im Zweifel steht. Deshalb verlangen wir, dass die Spielregeln neu geschrieben werden.“

Renault hält an seiner Mutmaßung fest, eine übergelaufene Ingenieurin hätte Racing Point erst dazu gebracht, gegen Renault vorzugehen. Racing Point bestreitet das vehement. Man will ausschließlich anhand von Aufnahmen der Bordkamera vom Display Verdacht geschöpft haben.

Daniel Ricciardo - Renault - Formel 1 - GP Mexiko - 25. Oktober 2019
Jerry André
Die Affäre um das Bremssystem hat keinen Einfluss auf die Zukunft des Rennstalls.

Kein Einfluss auf Motorsport-Strategie

Auf eine Berufung verzichtete Renault. „Dann hätten wir noch mehr technische Details offenlegen müssen zum Nutzen anderer Teams.“ Und der Fall hätte weiter in der Öffentlichkeit geschwelt. Jetzt ist das Kapitel abgeschlossen und aus Sicht von Renault hoffentlich bald wieder vergessen.

Experten glauben, dass Renaults Chancen bei einer Berufung gar nicht so schlecht gestanden hätten. Sie hätten zumindest eine öffentliche Diskussion zum Thema Fahrhilfen entfacht. Und da das Berufungsgericht aus motorsportlichen Laien besteht, hätte sie Renault womöglich davon überzeugen können, dass ihr Bremssystem nicht mehr als Fahrhilfe eingestuft werden kann als das Brake-by-wire System, die Information über Reifentemperaturen oder die Drehzahllampen im Cockpit, die jeder hat.

Nach der Erfahrung von Suzuka warnt Abiteboul die FIA und die Rechteinhaber davor, seine Forderungen zu unterschätzen: „Wir unterstützen die für 2021 geplanten Regeln. Sie gehen alle in die richtige Richtung. Du hast zu vertretbaren Kosten eine bessere Chance, gute Ergebnisse zu erzielen. Aber unsere Entscheidung, ob wir den neuen Formel 1-Vertrag bis 2025 unterschreiben, wird auch davon abhängen, wie klar diese Regeln geschrieben sind und wie wir in Zukunft miteinander umgehen.“

Renault hat besagten Vertrag seit Ende letzter Woche vorliegen. Er wird jetzt geprüft. „Es kann ein paar Wochen, vielleicht Monate dauern, bis wir eine Entscheidung treffen.“

Abiteboul macht klar, dass die Suzuka-Episode selbst die Motorsport-Strategie von Renault nicht beeinflussen wird. Die Ankündigung der neuen Firmenchefin Clotilde Delbos, alles im Konzern auf den Prüfstand zu stellen, auch die Formel 1, sieht Abiteboul nicht als Misstrauensantrag. „Das Führungstrio im Vorstand sitzt schon lange in diesem Gremium und hat frühere Entscheidungen zur Formel 1 mitgetragen.“

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