Nico Hülkenberg - Renault - GP Spanien 2019 xpb

Renault unter Druck

Wo ging der Speed verloren?

Renault hat in Barcelona wieder nicht gepunktet. Zuerst waren die Autos schnell, aber unzuverlässig. Jetzt halten sie, aber es fehlt der Speed. Im Hintergrund baut sich Druck auf, der der Mission der Franzosen schaden könnte.

Renaults Ansprüche waren hoch. Der französische Nationalrennstall wollte mindestens Vierter werden und den Abstand zur Spitze verkürzen. Nach fünf Rennen steht Renault mit 12 Punkten auf Platz 8. Drei Mal gab es überhaupt keine WM-Zähler. Zuletzt zwei Mal in Folge.

Teamchef Cyril Abiteboul bilanziert schonungslos: „In den ersten drei Rennen waren wir schnell und haben Punkte wegen Defekten hergeschenkt. Jetzt kommen wir ins Ziel, aber uns fehlt der Speed. Irgendwie ist uns das Verständnis der Reifen abhandengekommen.“

Das Auto ist das gleiche geblieben. Renault hat mit seiner Politik der kleinen aber regelmäßigen Entwicklungsschritte auch keinen Fehler gemacht. Aus dem direkten Umfeld präsentierten nur Haas und Racing Point in Barcelona große Upgrades. Racing Point ging es in Barcelona noch schlechter, und Haas wäre auch mit dem alten Aero-Paket vor Renault gelandet.

Auf diesem Typ Strecke hat der US-Rennstall einfach das bessere Auto – zumindest wenn Haas die Reifen in ihr Arbeitsfenster bekommt. Das ist gerade der Punkt bei Renault. Man schießt sich mit einer Kombination aus Fehlern beim Reifenmanagement und der Abstimmung des Autos selbst ins Knie. Dabei schien es in den ersten drei Rennen so, als hätten die Renault-Ingenieure die neuen Pirellis besser verstanden als die direkte Konkurrenz.

Neuer Motor sichert Leistung ab

Die Fahrer klagen darüber, dass ihr Auto zu oft die Balance verändert. Teilweise von einem Training zum nächsten. Die Instabilität in schnellen Kurven ist immer noch da. Und davon gibt es in Barcelona einfach zu viele. In den langsamen Kurven des letzten Sektors war Renault gleich schnell wie der US-Ferrari.

Der bessere Top-Speed der gelbschwarzen Autos deutet darauf hin, dass man bei der aerodynamischen Effizienz eher Richtung Ferrari statt Richtung Mercedes tendiert – also weniger Abtrieb und weniger Luftwiderstand. Hülkenberg und Ricciardo sind dennoch optimistisch, dass Monte Carlo dem zuletzt so gescholtenen R.S.19 besser passt.

Der Renault V6-Turbo hat jetzt genug Power, dass man ein bisschen in Abtrieb auf Kosten des Luftwiderstandes investieren könnte. „Mit der Motorleistung sind wir zufrieden“, wirft Abiteboul ein. „Da haben wir unser selbst gestecktes Ziel erreicht.“ Allerdings unter Schmerzen. Renault bezahlte mit drei Schäden.

Mit der ersten Entwicklungsstufe des Motors ist die Leistung abgesichert, das Motorenkontingent allerdings auch schon ausgeschöpft. Renault nutzte deshalb Hülkenbergs Verbannung zum Start aus der Boxengasse dazu, das Kontingent mit einer vierten Einheit von Antriebselementen aufzustocken. Die erste Strafe wird also etwas später kommen als befürchtet.

Renault - Technik - GP Spanien 2019
ams
Von dem neuen Frontflügel (unten) gab es nur zwei Exemplare. Nico Hülkenberg schrottete seinen im Qualifying.

Fehler bei der Reifenwahl und Boxenstopp-Timing

Bei einem perfekten Verlauf wären Punkte in Barcelona möglich gewesen. Nico Hülkenberg schoss sich mit seinem Trainingsunfall, der wegen des Frontflügelwechsels in einem Start aus der Boxengasse resultierte, ein klassisches Eigentor. Von dort macht man keine Punkte.

Trotzdem war Hülkenberg leidlich zufrieden: „Ich bin wegen meines Einstopp-Rennens weiter nach vorne gekommen als erwartet. Der Speed war ordentlich. Aber es war ein Kampf, beide Reifen über den Stint zu bringen. Das späte Safety-Car war eher zum Nachteil für mich. Beim Re-Start waren meine Reifen schon älter als die meiner Konkurrenten. Ich hatte nicht viel in der Hand um zu fighten. Es fühlte sich gegen die Jungs auf frischen Reifen teilweise gefährlich an.“

Der Deutsche gab zwar zu, dass der Start mit dem alten Frontflügel ein Nachteil war, stellte aber fest: „Mit dem neuen hätte ich das Rennen auch nicht gewonnen.“ Immerhin war ein sauberes Rennen wichtig für das Selbstvertrauen. Das hatte zuletzt auch bei Ricciardo gelitten. Der Australier bezahlte für die Strafversetzung von Platz 10 auf 13 und für die falsche Reifenwahl im Mittel-Stint.

Die erwies sich auch bei Charles Leclerc als Flop. Mercedes hat schon am Freitag gemerkt, dass der harte Reifen der schlechteste im Angebot war. Ricciardo lag nach dem ersten Boxenstopp vor Carlos Sainz, der später Achter wurde. Mit dem Grip-Nachteil und dem langsameren Aufwärmprozess des harten Reifens war er eine leichte Beute für den McLaren-Piloten.

Auch die Strategen haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Statt zu Beginn der Safety-Car-Phase mit dem Boxenstopp eine Runde zu warten wie Sainz, wurde Ricciardo sofort an die Box geholt. Mit dem Nachteil, dass er sich nicht wie Sainz zurückrunden konnte. Bei gleicher Taktik hätte der Australier wenigstens Neunter werden können.

Nico Hülkenberg - Formel 1 - GP Spanien 2019
Motorsport Images
Die Strategie passte in Barcelon bei Renault nicht.

Druck zahlt sich nicht immer aus

Die schlechte Punkteausbeute erhöht den Druck auf den Werksrennstall. In den französischen Zeitungen werden die Fahrer in Frage gestellt. Statt einem Ricciardo ein fürstliches Gehalt zu bezahlen wäre es besser gewesen für wenig Geld einen jungen Fahrer zu verpflichten und den Rest in die Entwicklung des Autos zu stecken, heißt es in Frankreich.

Die Patrioten im Lande denken da wohl an Esteban Ocon, der auf der Wunschliste von Renault ganz oben stand, bis Ricciardo um die Ecke bog. Abiteboul nimmt die Fahrer in Schutz: „Sie sind unser geringstes Problem. Daniel und Nico sind nicht schuld an den Resultaten.“

Man darf den psychologischen Faktor eines Ricciardo im Team nicht unterschätzen. Er kam von einem Top-Team und meldet entsprechende Ansprüche an. Beispiel Bremsen: Ricciardo hat den Ingenieuren erzählt, um wie viel besser der Red Bull auf der Bremse war. Die Lösung hat er zwar auch nicht parat, aber die Ingenieure kennen damit wenigstens das Ziel.

Vor dem GP Spanien soll es in Paris eine Vorstandssitzung zum Thema Formel 1 gegeben haben. Dabei sei angeblich auch zur Sprache gekommen, dass man schon viel investiert habe, der Abstand zur Spitze trotzdem gleich geblieben sei. Schlimmer noch: Motorenkunde McLaren steht besser da.

Das mit dem Abstand zur Spitze stimmt nur bezogen auf Mercedes. Das Delta zu Ferrari und Red Bull ist deutlich geschrumpft. McLaren hat nicht unbedingt das bessere Auto, aber das bessere Händchen mit den Reifen. „Auf diesem Gebiet müssen wir Fortschritte machen“, fordert auch Abiteboul.

Der zusätzliche Druck von außen, sei im Augenblick wenig hilfreich, antwortet der Chef den Kritikern. Das sieht auch Hülkenberg so: „Klar, die Erwartungen sind hoch, aber wir sollten jetzt die Leute nicht überfordern. Manchmal ist es besser, einen Schritt zurückzugehen. Damit die Leute in Ruhe ihre Arbeit machen können. Druck zahlt sich nicht immer aus.“

GP Spanien 2019: Die Technik-Uprades für Barcelona

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