Cyril Abiteboul - Renault - F1-Test 2019 Renault

Renault kritisiert Satellitenteams

"Wollen kein Teil so einer Formel 1 sein"

Renault ist unter Druck. Der Werksrennstall will an die Spitze, merkt aber, dass das immer schwieriger wird. Weil Ferrari, Mercedes und Red Bull weiter gewachsen sind und Allianzen mit Satellitenteams geschmiedet haben, die ihnen Vorteile verschaffen.

Renault geht 2019 in sein viertes Jahr nach dem Comeback. 2016 nahm sich der französische Hersteller vor, innerhalb von fünf Jahren zur Spitze aufzuschließen. Dazu musste der Rennstall erst einmal wachsen. Jetzt, drei Jahre später, ist die Operation, wo sie sein sollte. In Enstone arbeiten 700 Leute für das Chassis, in Viry-Chatillon 500 Mitarbeiter für den Motor. Mit Nico Hülkenberg und Daniel Ricciardo hat man zwei Top-Fahrer an Bord.

Doch jetzt stellt Renault fest, dass man auf ein bewegliches Ziel geschossen hat. Ferrari, Mercedes und die neue Arbeitsgemeinschaft Red Bull-Honda beschäftigen weit mehr Leute als Renault. Bis zu 1.600. Und sie geben auch viel mehr Geld aus.

Renault-Teamchef Cyril Abiteboul stellt desillusioniert fest: „Wir haben jetzt die Operation, für die wir uns einst entschieden haben. Was wir damals nicht bedacht haben war, dass einige Teilnehmer ein verrücktes Wettrüsten eröffnet haben, speziell Ferrari und Mercedes. Das ist ein anderer Sport, ein anderes Universum.“

Nico Hülkenberg - Renault - F1-Test - Barcelona - 2019
Motorsport Images
Renault hat viel investiert, um mit Ferrari, Mercedes und Red Bull mithalten zu können.

Der Franzose befürchtet, dass die eigenen Anstrengungen nicht ausreichen: „Unser Plan war einmal auf dem Niveau zu operieren wie die Top-Teams. Die sind aber in der Zwischenzeit mit beinahe unserer Geschwindigkeit weiter gewachsen und zwar in so einem verrückten Maß, dass wir da nicht mitgehen können und wollen.“

Präzedenzfall Haas

Geld und Mitarbeiter sind eine Sache. Die jüngste Entwicklung in der Formel 1 aber bringt Abiteboul auf die Palme. Er meint die Allianzen, die zwischen den Großen und den kleinen geschmiedet werden. Ferrari hält sich mit Haas und Alfa-Sauber gleich zwei B-Teams. Mercedes ist auf dem besten Weg dazu, das gleiche mit Racing Point zu tun. Red Bull und Toro Rosso arbeiten nun wieder so eng zusammen wie in der Zeit vor 2009.

Das A-Team und sein Satellit haben mehr oder weniger Gleichteile. Bei Haas bis zu 70 Prozent. Wenn es nur in diese Richtung laufen würde, hätte nur das B-Team einen Nutzen davon. Die Zweifler an diesem System aber glauben, dass es innerhalb dieser Allianzen zu einem Erfahrungsaustausch auch auf den Gebieten kommt, die jedes Team selbst in die Hand nehmen muss. Zum Beispiel die Aerodynamik.

Es ist kaum anzunehmen, dass die Techniker von Red Bull und Toro Rosso sich abends bei einem Bier nicht über ihre unterschiedlichen Konzepte unterhalten. Und man darf davon ausgehen, dass der große Bruder auch Daten von seinem B-Team bekommt, wenn er sie braucht.

Daniel Ricciardo - Renault - Barcelona - F1-Test - 01. März 2019
Stefan Baldauf
Die Satelliten-Teams machen Renault das Leben schwer.

Abiteboul gehört zu diesen Zweiflern: „Haas hat einen Präzedenzfall geschaffen, der schwer aus der Welt zu schaffen ist. Für mich gibt es eine Ära vor und nach Haas. Das hat die Formel 1 verändert, möglicherweise für immer. Aus zehn Teams sind vier oder fünf geworden. Das ist etwas, das wir in unseren Strategien nicht bedacht hatten. Du wirst bald nicht mehr gewinnen können, wenn du kein B-Team hast. Wir sehen diese Situation sehr ernst. Ich weiß nicht, wie man dieses Wettrüsten stoppen kann. Und diese Satellitenteams sind ein Element des Wettrüstens. Das muss die FIA erkennen.“

Wer der König, wer der Sklave?

Abiteboul schickt noch eine Warnung hinterher, die sich fast wie eine Drohung anhört: „Wir wollen nicht Teil einer solchen Formel 1 sein.“ Der französische Nationalrennstall steht unter Druck. Die neue Konzernspitze hat dieses Formel 1-Projekt geerbt und will nun Ergebnisse sehen. Für den Fall, dass die Ziele nicht erreicht werden, muss man sich schon mal Begründungen zurechtlegen.

Die Satellitenteams sind so eine: „Es hilft Haas und Ferrari. Bevor ich Ferrari schlagen kann, muss ich erst einmal Haas schlagen. Je schwieriger das ist, desto schwerer ist es, mehr Preisgeld oder Sponsoren zu bekommen. Das ist nicht nur ein Problem für Renault, sondern für jeden, der sich dieses Modell nicht leisten kann.“

Die Budgetdeckelung wird das Problem nach Meinung von Abiteboul nicht lösen. „Das Gegenteil ist der Fall. Wenn du weniger Geld und Ressourcen zur Verfügung hast, hilft dir so eine Zusammenarbeit noch mehr. Ein Team kann sich auf die Entwicklung der Aerodynamik konzentrieren, das andere auf das Fahrwerk. Das schafft eine fantastische Allianz. Wenn du dann wie wir isoliert dastehst, hast du keine Chance.“

Und warum tut sich Renault dann nicht mit seinem Kunden McLaren zusammen? Abiteboul bedauert: „Weil wir gleichwertige Teams sind. Wer soll da der König, und wer der Sklave sein? Vielleicht müssen wir irgendwann Diskussionen mit McLaren führen, doch diese Allianz könnte nie auf dem Niveau von Ferrari und Haas, Mercedes und Racing Point, Red Bull und Toro Rosso geführt werden.“

Renault im Teamporträt: Die französische Nationalmannschaft

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