Romain Grosjean - Haas - Barcelona - F1-Test - 27. Februar 2019 xpb

Welche Teile müssen selbst gebaut werden?

Attacke gegen Haas

Renault, McLaren und Racing Point schießen sich auf die Satelliten-Teams der Formel 1 ein. Sie wollen, dass die FIA ab 2021 die Rennställe wie HaasF1 dazu zwingt, mehr Teile selbst zu bauen.

Am 26. März findet in London eine wichtige Sitzung mit der FIA, dem F1-Management und den Teamchefs statt. FIA-Präsident Jean Todt hat angekündigt, dass an diesem Termin über die Formel 1 ab 2021 gesprochen wird. Da stehen dann das technische Reglement für Autos und Motoren, der sportliche Ablauf, die Budgetdeckelung, die Geldverteilung, die künftige Entscheidungsfindung und auch die Frage auf der Agenda, welche Teile ein Team selbst bauen muss und welche nicht.

Es bahnt sich möglicherweise ein neuer Streit an. Renault, McLaren und Racing Point warnen vor der Praxis der Topteams, sich Satelliten zu halten. Ferrari hat das mit Haas schon perfektioniert und weitet das seit 2018 auch noch in einem geringeren Umfang auf Alfa-Sauber aus. Red Bull baut das gleiche Modell gerade mit Toro Rosso auf. Und Mercedes würde es gerne mit Racing Point tun. Zu einem gewissen Grad gibt es da bereits eine Allianz, da Racing Point bereits Motor, Getriebe und Hydraulik von Mercedes bezieht. „Es könnte aber notwendig werden, einen ähnlichen Weg zu gehen wie unsere Gegner“, meint Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Aufhängungen, Kühlsysteme, Tank

Der Österreicher sieht die neue Entwicklung eher skeptisch. Wenn er ihr folgt, dann nur weil ihn die Gegner dazu zwingen. Die Hardliner dagegen schießen scharf gegen diese Allianzen. Weil sie selbst keine bilden können und sich am Ende als Opfer dieses Modells sehen. Der einfachste Weg dagegen vorzugehen, ist es die Liste der Teile zu erweitern, die ein Team selbst konstruieren und bauen muss. Das sind im Moment das Chassis, die Verkleidung, die Flügel und die Kühler. Renault und McLaren hätten gerne, dass da auch noch das Kühlsystem, die Aufhängungen und der Tank dazu zählen. Wenn möglich sogar das Getriebegehäuse. Letzteres schmeckt Racing Point nicht, denn der Rennstall aus Silverstone hat vor Jahren seine Getriebeproduktion aufgegeben und müsste erst wieder Personal und Infrastruktur dafür aufbauen.

Für Haas könnte es bei diesem Vorstoß eng werden. Der US-Rennstall ist im Moment nicht dazu ausgerüstet, die geforderten Komponenten selbst zu bauen. Die Amerikaner haben die FIA bereits wissen lassen, dass man 2021 dazu nicht in der Lage wäre. Nur der Benzintank wäre kein Problem. Da der Öltank vom Motorhersteller kommt und sämtliche Pumpen standardisiert werden, müsste man nur die Tankblase selbst konstruieren. Das ist kein Hexenwerk.

Haas verteidigt sich

Haas-Teamchef Guenther Steiner glaubt nicht, dass es bei Renault und McLaren nur ums Prinzip geht: „Sie wollen uns etwas wegnehmen, um uns zu schaden und selbst besser dazustehen. Wir haben uns für dieses Modell entscheiden, weil es die Regeln erlauben. Es hat sich bewährt, vor allem für neue Teams, die sonst keine Chance hätten, in die Formel 1 einzusteigen. Warum also soll man es ändern? Jeder kann unser Modell adaptieren. Ich schreibe Renault ja auch nicht vor, was sie zu machen haben.“

McLaren-Chef Zak Brown unterstützt Renault in ihrer Kampagne, macht aber einen Vorschlag zur Güte: „Alle Komponenten, die man nicht selbst bauen muss, sollten Einheitsteile werden. Dann kann keiner daraus einen Vorteil ziehen“, sagte der Amerikaner in Melbourne. Es würde dann nur noch zwischen selbst konstruierten und Standardteilen unterschieden. Somit könnten Ferrari oder Red Bull nicht mehr exklusiv ihren Kunden bestimmte Komponenten zur Verfügung stellen und sich somit von den restlichen Teams abgrenzen.

Wie weit gehen die Allianzen?

Racing Point fürchtet, dass die Allianzen weit über das erlaubte Maß hinausgehen. In einem Maße, dass A- und B-Team davon profitieren. „Mir kann keiner erzählen, dass es da nicht einen Datenaustausch gibt. Der Sauber-Technikchef Simone Resta kam direkt von Ferrari in die Schweiz. Da gab es nicht einmal wie sonst üblich eine Arbeitssperre dazwischen. Da weiß doch der eine vom anderen, welche Entwicklungen wie funktionieren. So kann man sich bestimmte Entwicklungen untereinander aufteilen. Und davon profitieren beide“, erzählt uns ein Teammitglied.

Cyril Abiteboul - Renault - F1-Test 2019
Aktuell

Das gleiche gilt für Red Bull und Toro Rosso. Diese Allianz wurde seit September 2018 wiederbelebt. Nicht ganz im Ausmaß von vor 2009, aber doch deutlich mehr als in den vergangenen acht Jahren, als die beiden Teams doch relativ autark nebeneinander her entwickelt haben. Toro Rosso hat noch nicht mal mehr einen eigenen Technischen Direktor. Beide Teams schaffen unter der Leitung von Pierre Waché so viele Synergien, wie es das Reglement hergibt. Das kann wie im Fall des Frontflügels hilfreich für beide Parteien sein. Toro Rosso fährt das konträre Konzept zu Red Bull. Die bekommen frei Haus Erfahrungen vom Junior-Partner.

Unterschiedliche Budgetdeckel als Lösung?

Die FIA und das F1-Management suchen derzeit nach einer Lösung, den Konflikt zu lösen. Ihnen ist die Brisanz des Problems bewusst. Am Ende gibt es nicht mehr zehn, sondern vielleicht nur noch fünf Teams. Mit entsprechend viel politischer Macht bei den A-Teams, die ihre Satelliten mehr oder weniger abhängig von sich machen. Eine Möglichkeit der Schlichtung besteht darin, die Budgetdeckelung anzupassen.

Für Teams, die bei anderen mehr als 50 Prozent einkaufen, soll ein geringerer Kostendeckel gelten. Man könnte sich bezogen auf 2021 ungefähr so vorstellen. Dann müssten die eigenständigen Rennställe wie Ferrari, Mercedes, Red Bull oder Renault mit 180 Millionen Dollar auskommen. Haas oder Toro Rosso dürften aber nur 170 Millionen ausgeben, weil sie sich ja auf diesen Weg einen nicht unerheblichen Teil der Eigenentwicklung sparen.

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