Daniel Ricciardo - GP Italien 2019 xpb
Sebastian Vettel - GP Italien 2019
Sebastian Vettel - GP Italien 2019
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Impressionen - GP Italien 2019 47 Bilder

Renault mit 22 Punkten in Monza

Champagner erst bei Podium

Vor der Sommerpause war Renault bereits abgeschrieben. In Monza feierte der Werksrennstall mit seinem besten Saisonresultat die Auferstehung. Jetzt ist sogar wieder der angestrebte Platz 4 möglich. Wenn den Aerodynamikern der Durchbruch gelingt.

Platz 4 im Konstrukteurspokal ist Pflicht. Vor der Sommerpause schien Renault meilenweit davon entfernt. Der französische Nationalrennstall lag nur auf Rang 6. Hinter McLaren, hinter Toro Rosso. McLaren hatte zu dem Zeitpunkt mehr als doppelt so viele Punkte auf dem Konto.

Bei einem Zwischenstand von 39:82 zweifelten selbst die Optimisten im Team, ob das Kundenteam überhaupt noch einzuholen ist. Den Rennställen ab Platz 4 bleibt nur, was die drei Spitzenteams übrig lassen. Und das sind im schlimmsten Fall 13 Zähler.

In Monza hat Renault 22 Punkte abgeholt. Der Rückstand auf McLaren ist auf 65:83 geschrumpft. Und Renault liegt wenigstens wieder auf Platz 5. Der französische Hersteller will auf keinen Fall die Schmach ertragen, vom B-Teams seines früheren Chassispartner geschlagen zu werden.

Und als Werk liegt man auch besser vor seinem Kunden, wenn man den Vorstand in Paris überzeugen will. Der hat Renault einen Aufpasser zur Seite gestellt. Philippe Sinault sieht alles, hört alles, notiert alles. Die Konzernzentrale will wissen, warum die Ergebnisse nicht den Zielvorgaben entsprechen.

Daniel Ricciardo - GP Italien 2019
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Die Plätze 4 und 5 stellten das beste Teamergebnis seit dem F1-Comeback von Renault dar.

Einsames Rennen im Mittelfeld

Nach Spa und Monza konnte der Chef des Signature-Formel 3-Teams berichten, dass Renault von den Rundenzeiten gar nicht so weit von den Top-Teams entfernt war. In Monza fehlten Daniel Ricciardo 0,532 Sekunden auf die Trainingsbestzeit. Und er ging 45,5 Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel. Auf dem Hungaroring wurden beide Renault noch überrundet.

Der Renault R.S.19 hat ähnliche Stärken und Schwächen wie der Ferrari, obwohl die beiden Autos total unterschiedlich sind. „Mit unserem Aerodynamikpaket für wenig Abtrieb tritt unser Problem mit der Fahrzeugbalance nur in abgeschwächter Form auf“, berichtet Teamchef Cyril Abiteboul. Als Folge davon halten auch die Reifen. Nico Hülkenberg und Daniel Ricciardo zählten in den Runden 29 und 30 zu den letzten Fahrern, die ihre Reifenwechsel abspulten.

Die beiden fuhren ein einsames Rennen. Nach vorne wie nach hinten war genug Luft. Nach gutem Start von Hülkenberg ging das teaminterne Duell am Ende doch an den australischen Rivalen. „Im ersten Stint hat er sich mit viel Sprit im Tank offenbar wohler gefühlt. Da hatte ich mit Problemen zu kämpfen“, analysiert Hülkenberg die Niederlage.

Der Rheinländer bekam in den letzten sechs Runden auch noch Besuch von Alexander Albon. Doch den Red Bull-Piloten wehrte er bis ins Ziel ab, was auch eine neue Qualität ist. Red Bull-Honda hatte auf den Geraden keine Chance gegen die gelbschwarzen Autos. „Die Renault waren auf den Geraden die zweitstärksten Autos nach den Ferrari“, staunte man bei Mercedes.

Abiteboul wies darauf hin, dass kleine Unterschiede große Wirkung haben können. „In Monza hatten wir das Privileg, das McLaren schon zu so vielen starken Rennen verholfen hat. Wenn du im Mittelfeld an der Spitze liegst, hast du wie der Spitzenreiter freie Bahn und fährst ein ganz anderes Rennen wie deine Verfolger im Pulk. Du kannst dir viel besser deine Reifen einteilen und siehst eigentlich besser aus als du bist.“ Auf große Feiern wurde im Renault-Camp am Abend verzichtet. „Champagner gibt es erst, wenn wir auf dem Podium stehen.“

Nico Hülkenberg - Renault  - Formel 1 - GP Italien - Monza - 7. September 2019
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Nico Hülkenberg schob sich in der ersten Runde kurz vor Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo, musste aber beide im ersten Stint passieren lassen.

Selbst schuld am Pech

Eigentlich hätte Renault schon in Spa fleißig Punkte abräumen müssen Trotz Startplatzstrafen starteten Ricciardo und Hülkenberg von den Plätze 10 und 12. Doch schon nach einer Kurve war der Traum ausgeträumt. Ricciardo erhielt einen Treffer in La Source, was ihn eine halbe Sekunde pro Runde kostete. Hülkenberg verlor viele Positionen, weil er ausweichen musste.

Da war mehr drin als Platz 8 und vier WM-Punkte. Abiteboul will trotzdem nicht von Pech sprechen: „Dieses Pech müssen wir uns selbst ankreiden. Ohne die Startplatzstrafen wären wir mit mitten im Pulk gestartet. Die Statistik weist aus, dass du da fast automatisch in einen Crash verwickelt bist.“

Auch Monza nahm der Teamchef zum Anlass, auf die Schwächen des Werksrennstall hinzuweisen: „Wir dürfen uns von Spa und Monza nicht blenden lassen. Die beiden Strecken passen unserem Auto. In Monza haben wir endlich mal unsere Chance genutzt. Aber schon in zwei Wochen wartet in Singapur die genau gegensätzliche Herausforderung. Wir müssen jetzt alles daran setzen, unsere Schwächen auf anderen Streckenlayouts abzustellen.“

Renault wird das Entwicklungsprogramm für den R.S.19 in Singapur mit einem kleineren Aero-Paket und in Suzuka mit einer größeren Modifikation abschließen. Laut Abiteboul ein Schritt in die richtige Richtung, „aber nicht wie Tag und Nacht“.

Auf den Motor kann man in Viry-Chatillon schon jetzt stolz sein. Die C-Spec-Version sattelte noch einmal knapp 10 PS drauf. Sie kommen ausschließlich vom Verbrennungsmotor, ein bisschen zu Lasten der Rekuperation durch die MGU-H. Das reduziert den Abgasgegendruck und kostet weniger Leistung.

Es war auch der Grund, warum Renault in Spa noch einmal mit den alten Motoren gefahren ist. Auf der langen Runde in Spa kann man nur über die gesamte Runde boosten, wenn die MGU-H kräftig mithilft.

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