Esteban Ocon - Alain Prost - Formel 1 Motorsport Images
FIA Formel 3 Europameisterschaft - Esteban Ocon - Hockenheim - 10/2014
Esteban Ocon - Formel 3 EM - Budapest
Esteban Ocon - Lotus - Formel 1 - Test - Abu Dhabi - 26. November 2014
Esteban Ocon - Lotus - Formel 1 - Test - Abu Dhabi - 26. November 2014 23 Bilder

Interview mit Esteban Ocon

„Alain Prost wird einer meiner Mentoren“

Nach einem Jahr auf der Ersatzbank kehrt Esteban Ocon 2020 zurück. Wir sprachen mit dem Franzosen über seine neue Aufgabe bei Renault, und über seine Lehren nach dem Formel-1-Aus 2018.

Ihre Zukunft ist seit der Sommerpause geklärt. Sie wechseln nächstes Jahr zu Renault.

Ocon: Das sind tolle Nachrichten für mich. Es ist eine große Chance für mich, mit einem Hersteller wie Renault zu arbeiten. Sie haben ein ambitioniertes Projekt. Sie streben danach, die drei Top-Teams einzuholen. Als sie mir ihre Pläne offenlegten, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich will ihnen helfen, ein starkes Team aufzubauen.

Wann hat Sie Toto Wolff informiert, dass es für Sie nichts wird mit einem Stammcockpit bei Mercedes und Sie stattdessen zu Renault können?

Ocon: Ich weiß nicht mehr, an welchem Tag genau es war. Es war am Ende der Werksschließung. Also ein paar Tage vor dem Rennen in Belgien.

Wie fiel Ihre erste Reaktion aus? Bedauern Sie in irgendeiner Form, dass es nicht bei Mercedes geklappt hat? Schließlich wäre dort die Wahrscheinlichkeit größer, ein Auto zu haben, das für Siege und den WM-Titel gut ist.

Ocon: Nein überhaupt nicht. Wie gesagt: Renaults Projekt reizt mich. Sie stecken große Erwartungen in mich. Ich denke nicht im Geringsten, dass es für mich ein schlechter Wechsel ist. Ich bin sehr zufrieden damit, wie sich meine Zukunft entwickelt.

Saßen Sie bei den Gesprächen mit am Tisch oder haben Sie Toto Wolff die Verhandlungen überlassen?

Ocon: Nein, nein. Ich saß mit am Tisch. Es gab regelmäßige Treffen mit Cyril Abiteboul und Alain Prost. Jérôme Stoll war ebenfalls involviert.

Wie können Sie Renault besser machen?

Ocon: Ich arbeite aktuell beim Weltmeisterteam, das seit ein paar Jahren die Formel 1 dominiert. Ich habe viel gelernt bei Mercedes in diesem Jahr. Ich werde auch meine Erfahrungen einbringen, die ich mit Force India machte. Man darf auch meine Zeit in anderen Rennserien nicht vergessen. Wie zum Beispiel in der DTM. Ich sehe gewisse Sachen aus einem anderen Winkel und bringe eine neue Perspektive ein. Das erwarten sie von mir. Sie wollen frische Luft, Ratschläge und eine andere Denkweise. Hoffentlich kann ich dazu beitragen, dass Team voranzubringen.

Esteban Ocon - Sergio Perez - Racing Point 2018
Motorsport Images
Esteban Ocon lieferte sich mit Sergio Perez packende Zweikämpfe bei Force India (Racing Point).

Wie wichtig ist der Zweijahresvertrag?

Ocon: Sehr wichtig. Langfristige Verträge geben dir in diesem Sport Sicherheit. Manchmal flutscht dir ein Cockpit schnell durch die Finger. Das habe ich 2018 gelernt. Es ist gut, dass ich mir für die nächsten zwei Jahre keine Sorgen machen muss. Ich kann mich auf das Rennfahren konzentrieren, und werde nicht von außen abgelenkt. Das ganze Drumherum ist für sich genommen ein eigener Job in der Formel 1. Dieses Jahr hatte ich Zeit, mich darum zu kümmern, weil ich nicht gefahren bin. Beides kann man nicht kombinieren. Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich Leute in meinem Umfeld haben, die mir helfen.

Auf der anderen Seite: Mit einem Einjahresvertrag wären Sie für 2021 offen gewesen. Da kommt die große Regelrevolution.

Ocon: Das kann man vielleicht so sehen. Ich sehe es anders. In der wahren Welt ist es schon eine große Chance, überhaupt in der Formel 1 zu sein, einen soliden Vertrag in der Tasche zu haben und für einen Hersteller zu fahren. Ich arbeite mit dem, was ich bekomme.

Was denken Sie über Daniel Ricciardo, ihren baldigen Teamkollegen?

Ocon: Daniel ist einer der höchstangesehenen Fahrer im Feld. Es wird eine große Herausforderung. Es ist aber gleichzeitig eine große Chance, mit ihm in den Vergleich zu ziehen. Als Rennfahrer willst du gegen die besten Fahrer antreten. Ich werde einen der besten neben mir haben. Wir werden uns gegenseitig anstacheln. Diese Dynamik kann dem Team nur helfen. Natürlich wird es schwer, ihn zu schlagen. Aber das muss mein Ziel sein.

Haben Sie Mitgefühl mit Nico Hülkenberg?

Ocon: Ja. Das ist keine leichte Situation für ihn. Ich habe es selbst erlebt 2018 mit Force India. Es gibt momentan leider nicht genügend Plätze in der Formel 1. Ich hoffe, er findet eine Lösung. Er verdient einen Platz. Er ist ein fantastischer Fahrer. Ich wurde in der Vergangenheit von anderen Fahrern ausgeknockt. Das ist das Geschäft.

Was haben Sie gelernt durch Ihr Aus damals bei Force India? Geld stach in gewisser Weise Talent aus.

Ocon: Es war komplizierter als das. Ich möchte aber nicht ins Detail gehen. Das ist Vergangenheit. Jetzt folgt ein neues Kapitel. Was ich sagen kann, ist, dass ich sehr viel über die andere Seite der Formel 1 gelernt habe. Dieses Wissen kann mir in Zukunft nur helfen. Ich wachse daran. Ich war sehr aufs Rennfahren konzentriert. Dieses Jahr habe ich von draußen, außerhalb des Cockpits, auf die Formel 1 geschaut.

Können Sie Beispiele geben?

Ocon: Was das Team erwartet von einem Fahrer. Wie das Team auf schwierige Situationen reagiert. Wie sie mit ihren Fahrern umgehen. Das sind Aspekte, die man für gewöhnlich nicht mitbekommt. Der Fahrer im Cockpit hört nicht alles. Ich konnte nun ein Jahr von außen draufschauen. Das wird mir helfen, richtige Entscheidungen zu treffen, richtig auf verschiedene Szenarien zu reagieren, um das Team glücklich zu machen. Ich war mittendrin in der Silly Season. Ich kenne nun die Politik rund herum. Die Arbeit auf der anderen Seite ist sehr komplex. Ich bevorzuge das Rennfahren.

Was haben Sie über die Umwelt Formel 1 gelernt? Sie müssen arg enttäuscht gewesen sein.

Ocon: Es war enttäuschend. Ich habe ein bisschen Liebe verloren für den Sport. Dinge, die außerhalb der Strecke passierten, waren auf einmal wichtiger als das, was auf der Strecke passiert. Aber damit muss man zurechtkommen. Es sind die besten Autos und die besten Teams des Planeten. Es gibt immer eine schlechte Seite eines Geschäfts. Aber ich sehe die gute.

Wie groß waren die Zweifel, es vielleicht nie mehr zurückzuschaffen?

Ocon: Sie waren schon da. Man kann sich nie sicher sein, zurückzukommen. Aber man muss auch vertrauen. Ich habe großartige Leute um mich. Zum Beispiel Toto. Er sagte: Vertrau mir, wir bekommen das hin und finden eine Lösung für dich. Und wir haben eine gefunden.

Sie sitzen 2019 etwa 70 Tage für Mercedes im Simulator. Was lernen Sie dort über das Rennfahren hinaus?

Ocon: Ich zähle gar nicht mit. Ich bin durch den Simulator auf Höhe der Zeit, was die Technik angeht. Ich habe sogar einen tieferen Einblick als die Stammfahrer. Wenn Lewis und Valtteri schlafen, teste ich Sachen, die sie am nächsten Tag am Auto haben werden. Es ist eine großartige Möglichkeit, mich auf dem Laufenden zu halten, voll involviert zu sein, meinen Horizont zu erweitern. Es hat mir geholfen, meine Verbindung zur Formel 1 aufrecht zu erhalten. Natürlich ist es kein echtes Rennfahren. Aber immerhin etwas.

Esteban Ocon - Mercedes - Formel 1
Wilhelm
Ocon wollte den Kontakt zur Formel 1 auf keinen Fall abreißen lassen.

Warum sind Sie 2019 nicht in einer anderen Rennserie angetreten?

Ocon: Weil ich dadurch nichts gewonnen hätte, sondern nur hätte verlieren können. So sehe ich es. Ich träume nur von der Formel 1. Schon als kleiner Junge. Es ist die einzige Rennserie, in der ich sein möchte. Wenn es 2020 nicht geklappt hätte, hätte ich mich selbstverständlich anders orientieren müssen. Ich muss schließlich leben und arbeiten. Wenn ich aber etwas anderes gemacht hätte, hätte ich dort vielleicht Erfolge gefeiert, und wäre dortgeblieben. Dann hätte ich nicht genügend Zeit gehabt, mich um die Formel 1 zu kümmern. Ich war bei jedem Rennen. Ich war jedes Mal da, als das Auto angeworfen wurde. An der Strecke oder in der Fabrik. Ich habe nichts verpasst. Ich denke, das hat schlussendlich den Unterschied ausgemacht.

Gab es keinen Plan B?

Ocon: Außerhalb der Formel 1 nicht. Es gab innerhalb der Formel 1 noch andere Optionen für mich.

Werden Sie näher nach Enstone an die Renault-Fabrik ziehen?

Ocon: Ich werde sowieso zw­­ei bis drei Mal die Woche dort sein. Deshalb muss ich nicht dorthin ziehen.

Wie sehen Sie Renault 2019? Das Team steckt in einer Krise. McLaren ist enteilt. Wird das wirklich besser mit Ihnen?

Ocon: Wir wollen und müssen näher an die Topteams heranrücken. Aber der vierte Platz will zuerst erreicht werden. Das ist schon schwer. Weil es viel gute Konkurrenten im Mittelfeld gibt. Aber das Ziel ist es, ein starkes Team für die Zukunft aufzubauen. Wir müssen einen Schritt vor dem anderen machen.

Können Sie mit Renault Weltmeister werden?

Ocon: Keine Ahnung. Wir müssen realistisch bleiben. Dieser Traum ist weit weg. Es ist in der derzeitigen Situation unmöglich. Aber in der Formel 1 kann sich schnell vieles ändern. Die 2021er Regeln könnten alles umwerfen. Da weiß man nie, wer das beste Auto baut. Aber im Moment sieht es zu weit weg aus.

Sind Sie bewandert mit der Vergangenheit französischer Fahrer bei Renault?

Ocon: Abgesehen von Romain Grosjean nicht wirklich.

Haben Sie keinen Helden?

Ocon: Alain natürlich. Ich stand in letzter Zeit häufig mit ihm in Kontakt. Er wird eine große Hilfe für mich sein. Er wird einer meiner Mentoren, meiner Lehrer. Er wird mir gute Ratschläge geben. Wenn ich mit ihm telefoniere, will ich nie aufhören. Ich sauge seine Worte auf. Wir sprechen stundenlang.

Wann starten Sie bei Renault? Nach der Saison? Oder erst Anfang 2020?

Ocon: Das ist noch nicht entschieden. Ich habe noch Arbeit bei Mercedes vor mir. Wichtige Aufgaben. Die Jungs vertrauen mir. In Abu Dhabi werde ich wahrscheinlich noch nicht für Renault testen. Aber klar: Ich will so schnell wie möglich anfangen. Aber das hängt an den Verträgen und Bossen.

Ab Januar werden Sie aber spätestens bei Renault aufkreuzen.

Ocon: Sicher. Fabrik. Simulator fahren. Immer wenn sie mich brauchen, werde ich da sein. Ich muss zwar auch trainieren. Aber wie immer werde ich mich mit 200 Prozent reinknien.

Wie lange geben Sie sich für die Eingewöhnungszeit.

Ocon: Es wird weniger Testtage geben. Das sind schlechte Nachrichten für mich. Das ist eine Schande. Wir haben jetzt schon praktisch keine Testtage. Und wenn du aus nichts gar nichts machst, ist es echt heikel. Jeder Tag, den du verlierst, schmerzt dich als Fahrer. Ich saß seit neun Monaten in keinem Auto. Ich denke trotzdem, dass ich nach den Tests bereit sein werde.

Motorsport Aktuell Esteban Ocon - Renault - F1 2019 F1-Fahrerwechsel für 2020 Ocon zu Renault, Hülk sucht Cockpit

Valtteri Bottas bleibt 2020 bei Mercedes. Esteban Ocon wechselt zu Renault.

Mehr zum Thema Renault F1 Team
Screenshot - Pirelli - 18 Zoll - F1-Reifen - Test - Paul Ricard - 12. September 2019
Aktuell
Daniel Ricciardo - GP Italien 2019
Aktuell
Carlos Sainz & Daniel Ricciardo - GP Italien 2019
Aktuell