Daniel Ricciardo - GP Mexiko 2019 Motorsport Images
Renault RS16 - Formel 1 - 2016
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Renault zwischen Gut und Böse

Der Feind von Renault ist Renault

Die Umstände ändern sich, die Story bleibt die gleiche: Irgendwann am Wochenende schießt Renault immer einen Bock. Zuletzt meistens im Training. Und das macht Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg im Rennen das Leben schwer.

Am Ende hakte Renault die fünf Punkte von Mexiko als Erfolgserlebnis ab. Das Team setzte nach der Disqualifikation von Suzuka ein Zeichen. Man ließ sich nicht unterkriegen, zeigte eine starke Reaktion. Obwohl man das beanstandete Bremssystem ausgebaut hatte, verloren die Autos nicht an Speed.

Sie hätten sogar noch schneller sein können, wäre mal im Training nicht wieder etwas schiefgegangen. Im dritten Training standen beide Autos in der Garage. Kontaminiertes Öl im Kühlsystem der MGU-K erforderte einen Wechsel der Elektromaschine. „Zum Glück haben wir es rechtzeitig bemerkt. Sonst hätten wir zwei MGU-K verloren“, blickte Teamchef Cyril Abiteboul zurück.

Der Grund für die Panne war eine kleine Unachtsamkeit. Ein Mechaniker erwischte die falsche Flasche Kühlmittel. Der Stillstand im dritten Training hatte zur Folge, dass die Autos nicht optimal abgestimmt waren.

Und dass die Kennfelder der Motoren nicht zu den Bedingungen passten. Renault hatte am Freitag noch ältere Motoren eingesetzt, deren Einstellung nicht auf die jüngste Spezifikation übertragbar war. „In Summe hat uns das drei bis vier Zehntel gekostet. So schnell wie die McLaren wären wir aber trotzdem nicht gewesen“, rechnet Abiteboul vor.

Daniel Ricciardo - Formel 1 - GP Mexico 2019
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Renault verlor das dritte Training durch eine selbstverschuldetes Problem mit der Kühlung.

50/50-Chance gegen Perez

Die Quittung waren die Startplätze 12 und 13. Am Sonntagabend war man sich bei Renault aber gar nicht mehr so sicher, ob das Malheur so schwere Auswirkungen hatte wie es zunächst den Anschein hatte. „Wären wir mit Soft-Reifen aus den Top Ten gestartet, wäre uns vielleicht das Gleiche passiert wie McLaren.“

So konnten sich die Strategen zwei unterschiedliche Strategien überlegen, um am Sonntag den Spieß wieder umzudrehen. Die von Daniel Ricciardo funktionierte, die von Nico Hülkenberg wäre fast ins Auge gegangen.

Ricciardo entschied eigenmächtig, wieder mit dem härteren der beiden Reifen zu starten. „Das hat in Japan gut funktioniert. Deshalb hatte ich auch für Mexiko ein gutes Gefühl. Ich war mir sicher, das würde meine einzige Chance sein, nach vorne zu kommen.“

Es war ein Schuss ins Schwarze. Ricciardo hielt auf den harten Reifen bis Runde 50 durch, länger als jeder andere im Feld. Nach dem Boxenstopp fehlten Ricciardo nur 4,6 Sekunden auf Sergio Perez auf dem siebten Platz. Da stand ein kleines Prestigeduell gegen das Team an, das Renault beim GP Japan aus der Wertung protestierte.

Der Australier hatte 21 Runden Zeit den Rückstand auf Perez aufzuholen. Auf den weicheren und frischeren Reifen eigentlich kein Problem. Ricciardos stellte dann erstaunt fest: „Der frischere Reifen war heute ein geringerer Vorteil, als ich mir gedacht hatte.“ Einholen und überholen waren zwei verschiedene Paar Schuhe.

Perez stellte mit 359,7 km/h auf der Zielgerade den Tagesrekord auf. Ricciardo zeigte sein breitestes Lachen: „Checo war in der letzten Kurve und auf der Geraden extrem stark. Eigentlich gab er sich keine Blöße. Aber einmal musste ich es versuchen, nur um mir sagen zu können, dass ich alles versucht habe. Es war eine 50/50-Chance, und ich habe die falschen 50 Prozent erwischt.“ Der Angriff endete in der Wiese zwischen Kurve 1 und 3.

Nico Hülkenberg - GP Mexiko 2019
Motorsport Images
Hülkenberg bekam nach dem Rennen wenigstens noch einen Punkt zurück.

Hülkenberg kritisiert frühen Boxenstopp

Nico Hülkenbergs Rennen lief nach dem umgekehrten Schema. Der Rheinländer wurde schon in der 18 Runde an die Box geholt. Der geplante Undercut gegen Perez funktionierte genauso wenig wie die Absicherung gegen die Soft-Starter.

Carlos Sainz und Daniil Kvyat lagen nach Hülkenbergs Boxenstopp wieder vor dem Renault-Piloten. Er musste Sainz auf der Strecke überholen und warten, bis Kvyat zum zweiten Boxenstopp abbog. Doch von da an fuhr Hülkenberg bereits mit der Hypothek des frühen Boxenstopps und Reifen, die 52 Runden durchhalten mussten. Die Reifen an den Toro Rosso waren 26 respektive 30 Runden frischer und von der Gummimischung weicher.

Am Ende wurde es eng für Hülkenberg. „In den letzten fünf Runden war kein Leben mehr in den Reifen. Es war ein reiner Überlebenskampf.“ Als ihn Kvyat in der Zielkurve in die Bande boxte, da war Hülkenberg für 15 Minuten nur Elfter. Doch die Strafe für den Toro Rosso-Piloten folgte auf dem Fuß. Auf Kvyats Rennzeit wurden 10 Sekunden addiert, was Hülkenberg wieder in die Punkteränge vor rücken ließ.

„Ein dummes Manöver von Daniil, es vor der Kurve zu probieren“, urteilte der Deutsche. „Er hätte mich im Schlussspurt bis zur Ziellinie wahrscheinlich sowieso noch überholt, weil ich mit meinen Reifen nicht mehr optimal beschleunigen konnte.“

Kvyat fand die Strafe ungerecht. „Das war eine normale Rennszene. Nico hat sich verteidigt, ich habe angegriffen. Sollten wir nicht wieder härter Rennen fahren dürfen?“ Die Sportkommissare sahen, was jeder sehen konnte. Kvyat war nicht einmal neben dem Renault. Er traf ihn am rechten Hinterrad.

Abiteboul zeigte wenig Verständnis für die Aktion. „Kvyats Strafe hat uns Platz 10 zurückgegeben, aber dem anderen Toro Rosso von Gasly einen Platz gegen uns geschenkt.“ Im Rückblick ärgerte sich Hülkenberg über seinen frühen Boxenstopp: „Meine Reifen waren noch gut, der Speed auch. Der Boxenstopp hat mich nur in den Verkehr geschickt und mir langfristig die Reifen ruiniert.“

Cyril Abiteboul - Renault - Formel 1
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Teamchef Cyril Abiteboul hofft, dass sich seine Truppe nicht mehr so oft selbst ein Bein stellt.

Mit der Technik zu oft am Limit

Renaults sportliche Leitung versuchte die positiven Aspekte in der Vordergrund zu stellen. „Obwohl wir es durch eigene Fehler versäumt haben, das Setup zu optimieren, stimmte das Tempo im Rennen. Und das Auto ging gut mit den Reifen um. Es war nicht großartig, aber besser als es das Ergebnis zeigt. Am meisten aber freut mich die Moral unseres Teams. Wir haben uns für Suzuka revanchiert und ein gutes Comeback gegeben.“ Das betonte auch Ricciardo: „Ich bin stolz auf dieses Team. Nicht jeder hätte nach so vielen Rückschlägen so stark zurückgeschlagen.“

Eine Kritik erlaubte sich Abiteboul dann aber doch: „Wir brocken uns ohne Not Schwierigkeiten ein, aus denen wir dann wieder herausfinden müssen. Die Technikprobleme im dritten Training waren genauso unnötig wie die erhöhte Leistungsabgabe der MGU-K in Singapur oder die Nummer mit dem Bremssystem in Suzuka. Wir sind in manchen Bereich zu nah am Limit. Ich will nicht bei jedem Rennen ein gutes Comeback feiern müssen. Wenn ich mir diese Saison so anschaue, dann muss ich sagen: Wir sind unser schlimmster Feind.“

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