Nico Hülkenberg - Renault - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019 xpb

Renault schlägt Red Bull

Keine Angst mehr vor Power-Strecken

Renault durfte im Kanada-Qualifying zum ersten Mal in dieser Saison jubeln. Beide Fahrer schafften es in die Top 10, Daniel Ricciardo sogar auf Platz vier. Ein Grund für die gute Form der französischen Nationalrenner war auch der Motor.

Renault-Teamchef Cyril Abiteboul fiel ein Stern vom Herzen. Endlich hatte mal alles nach Plan funktioniert. Endlich mal keine Fehler oder Pannen. Und dazu noch eine Strecke, die den Renault entgegen kam. Prompt schafften des Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg auf die Startplätze 4 und 7.

Vor einem Jahr noch zählte Montreal zu den Angststrecken von Renault. Weil der Kurs auf der Ile Notre Dame von der Bedeutung des Motors an zweiter Stelle nach Monza steht. Man mag es kaum glauben: Diesmal nahm Ricciardo den Mercedes drei Zehntel auf den Geraden ab. Mit 330,7 km/h lag der Australier auf Platz 3 der Top-Speed-Tabelle. „Es tut gut, dass wir keine Angst mehr vor Power-Strecken haben müssen“, atmete Abiteboul auf.

Gleichzeitig verband der Teamchef damit die Forderung: „Wir wissen jetzt, in welchem Bereich wir nachlegen müssen. Die Rundenzeit von Daniel ist gut, aber immer noch zu weit weg von der Pole Position.“ Acht Zehntel, um genau zu sein.

Pünktlich zum Heimrennen in Paul Ricard bringt Renault ein großes Aerodynamik-Paket. Hülkenberg verspricht sich davon, dass damit nicht nur der vierte Platz im Feld zementiert wird, sondern dass sich damit auch der Abstand zu den drei Top-Teams verringert. „Es wäre schon gut, wenn wir da mal eine halbe Sekunden wegfeilen könnten.“

Daniel Ricciardo - Renault - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019
Motorsport Images
Ricciardo nutzte bei seinem Flug auf Startplatz 4 jeden Millimeter der Strecke aus.

„Ich muss jetzt mal mit Helmut sprechen“

Daniel Ricciardo setzte sein breitestes Grinsen auf. Der Australier startet beim GP Kanada vor beiden Red Bull. „Ich muss jetzt mal mit Helmut sprechen“, lachte der frühere Red Bull-Pilot. Gemeint ist Red Bull-Sportdirektor Helmut Marko. Der Österreicher konnte über das Resultat sicher weniger lachen.

Ricciardo gibt zu, dass der vierte Platz durch das Scheitern von Max Verstappen im Q2 und den Fehler von Valtteri Bottas begünstigt war: „Die zweite Startreihe fühlt sich schon toll an. Als Max weg war, wusste ich, dass wir im Q3 eine Chance auf ein wirklich gutes Resultat haben. Ich wusste aber auch, dass ich zwei wirklich gute Runden brauche, um Gasly zu schlagen.“

Renaults Neuzugang fühlt sich mit jedem Rennen wohler in seinem Auto. „Das sieht man schon daran, dass wir das Auto im Verlauf des Trainings kaum noch umbauen. Die Ingenieure wissen jetzt, was ich von meinem Auto verlange. Wenn du mit dem Auto zwei Tage lang ohne große Setup-Umbauten fahren kannst, macht sich das positiv bemerkbar. In den ersten paar Rennen war der Samstag immer ein Neustart für mich.“

Die Rundenzeit kam am Ende selbst für Ricciardo überraschend. „Die Runde fühlte sich bis Kurve 4 nicht so gut an. An dem Punkt der Strecke hätte ich nie auf den vierten Startplatz gewettet.“ Es muss wohl am besonderen Datum gelegen haben, dass bei Ricciardo alles wie am Schnürchen lief. „Der 8. Juni ist ein guter Tag für mich. Exakt vor fünf Jahren habe ich hier in Montreal meinen ersten Grand Prix gewonnen.“

Nico Hülkenberg - Renault - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019
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Nico Hülkenberg bekam im letzten Anlauf die Runde nicht so gut zusammen.

„Fuchsschwanz ans Auto und ab geht die Post“

Nico Hülkenberg erkannte die Leistung seines Teamkollegen neidlos an, auch wenn es im Trainingsduell aus seiner Sicht jetzt 1:6 steht. „Mit dem Daniel habe ich einen harten Brocken vor der Brust. Man merkt, dass er Erfahrung darin hat, im Q3 seine beste Leistung abzurufen. Das konnte in diesem Ausmaß keiner meiner bisherigen Teamkollegen, auch Sainz nicht. Er hat sich jetzt auf das Auto eingeschossen. Das ist jetzt eine neue Situation für mich, an der ich wachsen muss.“

Der Abstand von 0,253 Sekunden spiegelt nicht ganz das wahre Leistungsverhältnis wider. „Ich habe mir im letzten Sektor selbst in den Fuß geschossen. Am Ausgang der Haarnadel bin ich nur 0,05 Sekunden hinter Daniel gelegen. Dann habe ich auf der langen Geraden ein bisschen zu früh den DRS-Knopf gedrückt. Das hat das Öffnen des Flügels verzögert. Da habe ich dann anderthalb Zehntel liegengelassen. Und in der Schikane noch mal ein bisschen.“

Hülkenberg war mit dem Ablauf des Trainings trotzdem zufrieden: „Zum ersten Mal konnten wir unser Potenzial voll abrufen. Zum ersten Mal ist nichts schiefgegangen. Der Speed war bisher jedes Mal ordentlich. Wir konnten ihn nur nie richtig zeigen. Irgendwelche Umstände haben es immer verhindert. Gefühlt müsste ich schon 20 Punkte auf dem Konto haben.“

Nico Hülkenberg - Renault - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019
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Im Rennen verspricht Hülkenberg trotz Start auf weichen Reifen volle Attacke.

Die gute Vorstellung der gelbschwarzen Raketen macht Hülkenberg auch am Streckenlayout fest. „Die Kurven hier sind kurz. Deshalb sind die Zonen, wo du Zeit verlieren kannst, kleiner als anderswo. Da es nur einen Kurventyp gibt, kannst du das Auto einfacher abstimmen. Du musst nicht so viele Kompromisse machen.“

Im Rennen werden es die Renault-Piloten schwer haben ihre Positionen zu verteidigen. Beide starten auf Soft-Reifen. Alle ab Platz 11 werden mit den Medium-Gummis ins Rennen gehen, die nicht nur länger halten, sondern auch viel weniger stark abbauen als die heikle Soft-Mischung.

Ricciardo und Hülkenberg nehmen es locker, was ihre Prognosen zum Rennen demonstrieren. „Ich werde mit meinen weichen Reifen gegen die Jungs mit den Medium-Reifen gut starten, in die Top 3 vorstoßen und dort viel Fernsehzeit bekommen. Danach hängt alles von einem schlauen Reifenmanagement ab“, lacht Ricciardo.

Hülkenbergs Plan sieht ähnlich aus: „Ein guter Start, dann den Fuchsschwanz ans Auto, und ab geht die Post. Die Brötchen werden erst am Sonntag gebacken, und da wollen wir diesmal mitmischen.“

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