Renault vs. Sauber vs. Force India

Reifenpoker im Mittelfeld-Dreikampf

Force India - GP Mexiko 2018 Foto: sutton-images.com 79 Bilder

Wer fährt in Mexiko hinter den drei Top-Teams in die Punkte? Der Dreikampf zwischen Renault, Sauber und Force India dürfte zu einer interessanten Angelegenheit werden. Am Ende werden wohl der Reifenverschleiß und die Strategie entscheiden.

In der zweiten Liga der Formel 1 sind siebte Plätze wie ein Sieg. Im Qualifying zum GP Mexiko ging der Titel „Best of the Rest“ wieder einmal an Nico Hülkenberg. Der Rheinländer geht bereits zum siebten Mal diese Saison von Rang sieben ins Rennen. Auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez ließ er Teamkollege Carlos Sainz im zweiten Renault um zweieinhalb Zehntel hinter sich, wodurch er in Startreihe vier acht Meter vor dem Schwesterauto startet.

„Es ist immer schön, wenn man das Maximum aus dem Auto rausholt“, zeigte sich Hülk zufrieden. „Mehr als Platz sieben war heute einfach nicht drin, auch wenn der Abstand nach vorne nicht so groß ist, wie auf anderen Strecken.“ Warum Renault die Wende schaffte und plötzlich wieder die vierte Kraft ist, konnte der Pilot auch nicht zufriedenstellend beantworten. „Das Auto fühlt sich von der Balance gar nicht so gut an. Aber wenn man sich dann die Zeiten anschaut, sieht es doch nicht so schlecht aus. Es liegt wohl auch viel an der Strecke.“

Am Freitag schien Renault noch deutlich das Mittelfeld anzuführen. Doch am Samstag drehte plötzlich auch Sauber groß auf. Ein erfolgreicher Setup-Umbau und die kühleren Temperaturen schienen das Schweizer Rennauto zu beflügeln. „Wir haben das Ruder noch einmal herumgerissen. Unsere Leistung war richtig stark heute. Mit Platz 9 bin ich happy“, erklärte Charles Leclerc nach dem Qualifying. Bei nur einem Zehntel Rückstand auf Sainz wäre vielleicht sogar auch Platz 8 drin gewesen.

Force India verzichtet auf Q3-Einzug

Force India - GP Mexiko 2018 Foto: sutton-images.com
Die Force India-Piloten wurden im Q2 nicht mit den Hypersofts rausgeschickt.

Auch Force India hätte wohl in den Kampf um die Top-Ten-Plätze eingreifen können. Doch die Strategen des Teams aus Silverstone entschieden sich dafür, im Q2 auf die härteren Ultrasoft zu setzen und damit bessere Startplätze zu opfern. Man wollte vermeiden, wie Renault und Sauber auf den verschleißfreudigen Hypersoft-Gummis zu starten und einen frühen Boxenstopp einlegen zu müssen.

„Platz 11 war heute das Ziel. Und das haben wir erreicht“, erklärte Ocon mit einem verkniffenen Lächeln. „Es war aber schon etwas komisch im Q2 mit einem Reifen rauszufahren, von dem man wusste, dass er nicht den besten Grip bietet. Das war nicht gerade ein gutes Gefühl. Ich bin mir sicher, dass wir von der Pace her mit Sauber und Renault auf Augenhöhe gekämpft hätten. Jetzt müssen wir hoffen, dass es sich morgen auszahlt.“

Bei Teamkollege Sergio Perez könnte Force India mit dem Reifenpoker auf die Nase gefallen sein. Ausgerechnet beim Heimspiel des Mexikaners startet „Checo“ noch hinter dem McLaren von Fernando Alonso nur auf Rang 13. „Ich habe leider am Ende der Runde nicht mehr den Grip gehabt. Aber ich glaube fest daran, dass uns unsere Strategie am Sonntag noch nach vorne bringt“, zeigte sich der Lokalmatador optimistisch.

Wie lange hält der Hypersoft?

Pirelli-Reifen - GP Mexiko 2018 Foto: ams
Bei zu viel Graining müssen Sauber und Renault einen zweiten Stopp einlegen.

Die Frage aller Fragen lautet nun, wie gut die Hypersofts bei Renault und Sauber im Rennen halten werden. Und ob die Piloten den ersten Reifenwechsel so weit rauszögern können, dass sie anschließend mit den Supersofts über den Rest der 71 Rennrunden kommen. „In Sotschi hat man gesehen, dass der Start auf Hypersoft nicht unbedingt ein Nachteil sein muss“, erinnert sich Sauber-Teammanager Beat Zehnder. Damals war Leclerc auf dem weichsten Reifen losgefahren, schon in Runde 10 an die Box gekommen und dann dank konstant schneller Zeiten auf dem Soft-Reifen auf Rang 7 gelandet.

Sauber wird in Mexiko wohl versuchen mit der gleichen Strategie Punkte einzuheimsen. „Es wird aber nicht einfach, die Force India hinter uns zu halten und Punkte zu sammeln“, befürchtet Leclerc. Auch Hülkenberg erwartet, dass die Reifen die entscheidende Rolle spielen: „Wir haben uns heute für die bestmöglichen Startplätze entschieden. Ob wir mit den Hypersofts eine Einstopp-Strategie fahren können, muss man abwarten. Das kommt auch darauf an, wie heiß es am Sonntag wird. Wir müssen die Taktik vielleicht während dem Rennen anpassen.“

Im Training hatte man bei Renault schon viel mit dem Supersoft-Reifen geübt. Ein Satz wurde über 90 Runden gefahren und hielt dabei ordentlich durch. Bei Force India geht man dagegen mit Fragezeichen an den Start: „Wir haben im Training nur die Hypersofts ausprobiert“, berichtete Ocon. „Ich habe keine Ahnung, wie sich der Ultrasoft und der Supersoft über die Distanz verhalten. Da vertrauen wir ein wenig auf die Erfahrung der bisherigen Rennen.“

Sauber im Fernduell mit Toro Rosso

Marcus Ericsson - Sauber - GP Mexiko 2018 Foto: sutton-images.com
Sauber scheint dieses Mal nicht gefahr zu laufen, von den Haas-Piloten abgeschossen zu werden.

Sauber-Teammanager Zehnder grübelte, wie die Chancen der Hypersoft-Fraktion im Rennen verbessert werden könnten. Das Urgestein im Team hatte auch schon eine Idee parat, die allerdings nicht ganz ernst gemeint war: „Das Geheimnis der guten Platzierung von Charles in Sotschi lag darin, dass er im zweiten Stint frei fahren und sich sein Tempo einteilen konnte. Vielleicht sollten wir uns mal mit Renault absprechen und eine gemeinsame Taktik fahren.“

Für Sauber ist im Kampf mit Toro Rosso um den achten Platz in der Teamwertung jeder Punkt wichtig. Drei Rennen vor Schluss liegt das Traditionsteam aus Hinwil noch vier Zähler hinter der Konkurrenz aus Faenza. „Ich bin zuerst schon mal beruhigt, dass die beiden Haas nicht in unserer Nähe liegen“, spottete Zehnder. In Sotschi hatte Kevin Magnussen Leclerc auflaufen lassen. In Austin wurde die Sauber-Speerspitze von Romain Grosjean torpediert.

Nun hofft man endlich mal wieder ohne Zwischenfälle durchzukommen. „Wenn wir es hier in Mexiko nicht schaffen, müssen wir es halt in Brasilien richten. Da sind wir traditionell stark“, sagt Zehnder aus Erfahrung. Nur das Wetter könnte am Ende alle Strategiespielchen durchkreuzen. Für den Sonntag sind Schauer vorhergesagt. „Bei Regen wären wir mit unseren Startplätzen und ohne Reifenvorteil am Arsch“, befürchtet Ocon. Und auch Hülkenberg ist kein Fan von Regen: „Auf diesem rutschigen Asphalt würde das im Chaos enden.“

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