Esteban Ocon - Renault - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen F1/FIA
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Alexander Albon - Red Bull - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Lance Stroll - Racing Point - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen 18 Bilder

Renault nur der Underdog im Kampf um WM-Platz 3

Renault nur noch der Underdog Drei Strecken nach Renaults Geschmack

Mit nur einem Punkt verließ Renault die Türkei. Das Ergebnis war ein schwerer Nackenschlag in der Weltmeisterschaft. Racing Point und McLaren setzten sich ab. Doch jetzt kommen drei Strecken, die Renault liegen sollten.

Dieses Rennwochenende könnte ein kostspieliges gewesen sein. Renault ging in der Türkei baden. Nur ein Punkt: Schlechter hatte der Werksrennstall in dieser Saison bei 14 Grand Prix nur in Spanien abgeschnitten. Die schöne Ausgangslage ist dahin. Vom dritten WM-Platz rutschte Renault auf den fünften ab – 18 Punkte hinter Racing Point und 13 hinter McLaren. Ferrari ist bis auf sechs Punkte herangekommen. "Das Pendel ist leider stark in die andere Richtung ausgeschlagen. Das stinkt uns gewaltig", befand Daniel Ricciardo.

Wenn es dumm läuft, schneidet Renault in einer eigentlich guten Saison so schlecht ab, wie zuletzt 2017. Und das, obwohl sich der Werksrennstall gefestigt hat, die Strömungsabrisse in schnellen wie langgezogenen Kurven erfolgreich bekämpfte und sein Auto ganz allgemein vielseitiger machte. Der R.S.20 braucht nicht mehr die besonderen Umstände, um auf das Podest zu fahren.

Esteban Ocon - Renault - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
F1/FIA
Esteban Ocon wurde erst vom Teamkollegen abgeräumt, wenig später in der Startrunde dann auch noch von Valtteri Bottas.

Auf Kriegsfuß mit glattem Asphalt

Und doch droht nach dem GP Türkei ein ungemütliches Saisonende. Daniel Ricciardo gibt den dritten Platz in der Weltmeisterschaft noch nicht auf. "In Bahrain ist die erste Kurve eine ziemlich enge Spitzkehre. Vielleicht hauen sich Stroll und Perez am Start dort gegenseitig raus", witzelt der Australier. Dann wird es ernster. Ricciardo ist bewusst: "Platz drei ist immer noch machbar. Aber wir sind jetzt der Underdog." Racing Point und McLaren haben auf dem Papier aufgrund ihres Vorsprungs die besseren Karten.

In der Türkei zeigte sich, dass Renault noch immer mit rutschigen Belägen auf Kriegsfuß steht. Wie schon in Portimao verzweifelten die Franzosen an der wenigen Haftung und zu geringen Reifentemperaturen. In den letzten acht Grand Prix punktete Renault sechs Mal zweistellig – nur eben in Portugal und in der Türkei nicht. Da fehlt es noch ein bisschen an Abtrieb, um die Reifen schneller anzuwärmen. Die beiden Freitagstrainings waren eine Enttäuschung mit einem späten Lichtblick. Renault glaubte, am Ende des zweiten Trainings die Wende mit einer Setupkorrektur geschafft zu haben.

Man wird nie herausfinden, ob der Durchbruch tatsächlich gelungen wäre. Regenschauer sorgten ab Samstag für einen Neustart, den Renault zunächst meisterte. Der WM-Fünfte überraschte sich mit den Startpositionen fünf und sieben selbst. "Meine Erfahrung brachte mir den fünften Platz", urteilte Ricciardo. Teamkollege Esteban Ocon hätte besser abschneiden können, verzockte aber bei der Reifenwahl in Q3. Mit dem Intermediate-Reifen wollte ihm nichts glücken, der Wechsel auf Vollregenreifen kam vier Minuten vor dem Finale zu spät. So blieb nur eine gezeitete Runde hinten heraus.

Start - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
xpb
Auf den ersten 100 Metern hatte noch alles gut ausgesehen. Da tauchten die Renault geschlossen hinter den Racing Point auf.

Renault frisst Reifen

Im Rennen kamen sich die Renault auf den ersten 250 Metern selbst in die Quere. Ricciardo wurde zwischen Lewis Hamilton und dem Teamkollegen in Kurve eins eingequetscht, und drehte Ocon um. Acht Kurven später räumte Valtteri Bottas das Auto mit der Startnummer 31 ein zweites Mal ab. Ein platter linker Hinterreifen zwang Ocon an die Box. "Mehr als den elften Platz konnten wir danach nicht mehr erwarten angesichts unserer Position im Feld und unserer Schwäche auf den Intermediate-Reifen", bilanzierte Renaults Technikchef Marcin Budkowski.

Ocons Blitzstart wurde ihm zum Verhängnis. Bei Ricciardo war es der zweite Reifenwechsel, der ihn ins Verderben ritt. Der Renault überstrapazierte die Reifen. Das könnte man als Hinweis sehen, dass Renault nach dem schwachen Freitag ein bisschen über das Ziel hinausschoss, den Fokus zu sehr auf einen schnelleren Aufwärmprozess legte und stattdessen das Reifenschonen über die Distanz vergessen hatte. Ricciardo nahm nur für ein paar Runden gegen Rennmitte Fahrt auf. "Für einen kurzen Moment war ich einer der schnellsten Fahrer im Feld. Zwei Runden später waren meine Reifen durch."

Ricciardo dachte sogar über einen Verzweiflungsakt nach, auf Slicks zu wechseln. "Aber das Wasser stand an manchen Stellen noch zu stark auf dem Asphalt. In Kurve sieben war es recht trocken, und in zwei, drei anderen Kurven auch. Aber der Rest war noch zu nass. Wenn du da einmal neben die Ideallinie kommst, bist du verloren." Also wäre auch Überholen nicht möglich gewesen.

Renault muss das Rennwochenende in der Türkei schnell vergessen. Noch ist nicht alles verloren. Es stehen noch drei Rennen aus, die von der Papierform dem R.S.20 liegen müssten. Zwei Mal Bahrain, ein Mal Abu Dhabi. Strecken ohne glatten Asphalt mit überwiegend langsamen und mittelschnellen Kurven und längeren Geraden. Dieser Kurventyp passt zur DNA des Autos. Der Sechszylinder-Turbo aus Frankreich gilt als zweitbester im Feld hinter Mercedes. Und Renault fühlt sich wohl in harten Bremszonen.

Einen weiteres schwaches Rennwochenende wird man sich nicht mehr erlauben können. Fehler sind verboten. Wenn diese Saison nicht nach dem Geschmack der Franzosen endet, wird man mit Wehmut auf den GP Türkei zurückblicken und die fünf technischen Defekte verfluchen, die wertvolle Punkte kosteten.

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