Budkowski bittet um Geduld

Renault will bereit sein für den Titelkampf 2021

Marcin Budkowski - Cyril Abiteboul - Renault - GP Singapur 2018 Foto: sutton-images.com 22 Bilder

Der ehemalige FIA-Technikdirektor Marcin Budkowski, der bei Renault die Technikabteilung leitet, hat sich in Singapur erstmals zu seinem viel diskutierten Wechsel und den Aussichten seines neuen Arbeitgebers geäußert.

Als die FIA vor gut einem Jahr in Malaysia den Abgang von Marcin Budkowski bekanntgeben musste, war das Geschrei im Fahrerlager groß. Der hochranginge Ingenieur nehme alle Geheimnisse zu Renault mit, schimpfte die Konkurrenz. Mittlerweile haben sich die Gemüter einigermaßen beruhigt. Am Rande des Nachtrennens in Singapur stellte sich der 41-Jährige erstmals der Presse.

Dabei betonte der gebürtige Pole besonders, dass es nicht sein Plan war, vom Weltverband zu einem Team zu wechseln: „Als ich zur FIA kam, hatte ich eigentlich vor, länger dort zu bleiben. Ich habe den Job nicht angetreten, um meiner Karriere einen Schub zu verleihen. Am Ende hat es einfach nicht mehr gepasst und eine neue Tür hat sich geöffnet. Jetzt bin ich bei Renault. Das ist ein tolles Projekt. Da wollte ich unbedingt dabei sein.“

Diskussion laut Budkowski aufgeblasen

Die großen Diskussionen im Vorjahr kann Budkowski nicht nachvollziehen. Der Techniker wirft der Konkurrenz vor, versucht zu haben, seine Personalie zu instrumentalisieren und einen Streit vom Zaun zu brechen. „Das wurde viel zu sehr aufgeblasen. Ich kann die Bedenken zum Teil nachvollziehen. Aber es war sowieso gerade eine ruhige Zeit, was Innovationen angeht.“

Sein Wissen sei demnach weit weniger Wert als es einige Konkurrenten Glauben machen wollten: „In der Formel 1 schreitet die Entwicklung so schnell voran. Dazu wurden viele kontroverse Technikdetails mittlerweile verboten, wie zum Beispiel die exotischen Aufhängungssysteme. Viele Dinge gibt es gar nicht mehr an den Autos, über die ich Wissen hatte. Es ist also nutzlos.“

Seit April arbeitet der ehemalige FIA-Mann bei Renault. Zunächst schaute er sich drei Monate im Motoren-Werk in Viry-Chatillon um. Mittlerweile hat er sein Büro in der Chassis-Fabrik in Enstone eingerichtet. Dort laufen alle Fäden zusammen, was die Technik angeht. Vom Designprozess über die Produktion der Teile bis zur Organisation an der Rennstrecke ist alles Budkowski unterstellt.

Der Ingenieur hat sich zu Beginn erst einmal ein Bild von der Lage gemacht: „Ich bin nicht hier, um nach einem Monat mit einem Knall zu zeigen, dass ich da bin. Ich werde nicht gleich alles ändern oder 20 Leute rausschmeißen. Es geht erst einmal darum zu verstehen, wie der Laden läuft und wo es eventuell Verbesserungsbedarf gibt. Dann beginnt man mit kleinen Anpassungen. Das ist ein langer Prozess.“

Keine Zahlen für 2019

Die ersten Anzeichen seien aber vielversprechend. Die Arbeitsatmosphäre sei gut: „Die Leute überlegen hier nur, wie sie das Auto schneller machen können und nicht wie man sich gegenseitig das Messer in den Rücken stoßen kann. Das ist viel besser als bei anderen Arbeitgebern, wo ich früher angestellt war.“

Allerdings gebe es auch noch Verbesserungspotenzial: „Wenn alles schon perfekt laufen würde, hätten wir nicht so einen großen Rückstand. Ein Grund liegt in der Art, wie wir intern arbeiten, ein anderer in unserer Größe. Wir sind immer noch ein gutes Stück kleiner als die anderen Top-Teams und wir müssen immer noch viele neue Mitarbeiter integrieren. Das kostet Zeit.“

Für die kommende Saison werden entsprechend kleine Brötchen gebacken. Das langfristige Ziel WM-Titel ist noch ein gutes Stück entfernt für Renault. „Wir müssen uns 2019 vom Mittelfeld oben absetzen und die Lücke zu den Top-Teams verkleinern. Einen konkrete Zahl zu nennen ist schwierig. Das hängt auch vom Fortschritt der anderen ab. Wir müssen einfach unter Beweis stellen, dass wir nach oben streben.“

Budkowski sieht 2021 als große Chance

Sowohl beim Chassis als auch beim Motor seien die Defizite groß. Budkowski fordert von seinem Team Steigerungen in allen Bereichen. „Wir liegen aktuell anderthalb Sekunden hinter den Spitzenteams. Da können wir uns jetzt hier nicht hinstellen und sagen, dass wir das gegen so große Organisationen wie Mercedes und Ferrari aufholen. Wir sind in ein paar Jahren auf 700 Angestellte gewachsen. Sie arbeiten seit vielen Jahren mit 900 Leuten. Von dieser Stabilität profitieren sie natürlich.“

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„Es wäre irrsinnig jetzt zu sagen, dass wir sie nächstes Jahr schlagen können. Schon den Rückstand zu reduzieren, ist eine große Leistung. Für 2020 hoffe ich dann, dass wir schon deutlich näher an ihnen dran sind. Aber ich möchte auch hier keine unvernünftigen Prognosen wagen.“

Den Großangriff hat man für 2021 vorgesehen. Die große Regeländerung vor allem im Chassis-Bereich will Renault nutzen, um die Lücke zu schließen. „Die Regeländerung kommt genau zum richtigen Zeitpunkt für ein Team wie uns, das sich noch im Aufbau befindet. Das ist eine große Chance, aber auf gleichzeitig auch ein großes Risiko.“

„Wenn die Regeln komplett neu geschrieben werden, dann kommt uns das natürlich entgegen. Dann gibt es einen Neustart. Unsere Organisation sollte bis dahin auch von der Struktur deutlich ausgereifter sein. Da wollen wir bereit sein, die Top 3 anzugreifen. Deshalb sind wir in der Formel 1. Unsere Ziele sind sehr ehrgeizig.“

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