Renn-Analyse GP England

War´s das schon für Schumi?

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Acht Rennen sind noch zu fahren, satte 34 Punkte beträgt der Rückstand von Titelverteidiger Michael Schumacher auf Spitzenreiter Fernando Alonso. Da wird auch Jean Todts kämpferische Ansage von letzter Woche – „Wir kämpfen um den Titel, solange wir eine rechnerische Chance haben“ – schnell zu Makulatur.

Ferrari hat zur Zeit den Rückwärtsgang eingelegt, was die technische Entwicklung angeht. Schumi ärgerte sich: „Der sechste Platz ist nicht viel wert, vor allem wenn man sich die Zeiten anschaut.“ Beim nächsten Rennen in Hockenheim präsentiert Ferrari ein neues Aerodynamikpaket. Allzu große Hoffnungen verknüpft Schumacher aber nicht damit.

So langsam scheint sich Fernando Alonso mit dem Gedanken anzufreunden, sich in diesem Herbst als jüngster Formel 1-Weltmeister aller Zeiten feiern zu lassen. „Ich bin sehr, sehr optimistisch“, meinte der Spanier, der am 29. Juni seinen 24. Geburtstag feiert.

Gefahr droht ihm in erster Linie von Kimi Räikkönen. Doch der Finne müsste ein 26- Zähler-Defizit wettmachen. Ein fast unmögliches Vorhaben. Alonso jedenfalls demonstriert Selbstbewusstsein. „Die Strecken, die ab jetzt im Kalender stehen, passen sehr gut zu unserem Auto.“ Manschetten hatten die Renault-Männer vor Silverstone. Doch die Befürchtungen, in England ein Debakel zu erleben, bewahrheiteten sich nicht.

Überfall in der schnellen Becketts-Kurve bringt Montoya den Sieg

Juan Pablo Montoya spekulierte richtig: „Ich wusste, dass Fernando nicht mit allen Mitteln dagegen halten würde“, grinste der McLaren-Fahrer nach dem Rennen. Schließlich durfte der WM-Aspirant aus Spanien keinesfalls einen Unfall riskieren. Der Kolumbianer profitierte aber auch davon, dass die McLaren-Mercedes-Ingenieure den Startvorteil der Renault zumindest egalisiert haben.

Aus der zweiten Startreihe sprintete Montoya beim Trainingsschnellsten Alonso längsseits. Eingangs der Doppel-S-Kurve Becketts, die mit mehr als 300 km/h genommen wird, ging der Spanier kurz vom Gas. Montoya schoss in Führung. Aus Sicht von Alonso kein Problem: Denn der McLaren-Mann spielt im Kampf um die WM keine Rolle. Der Renault-Fahrer beschattete Montoya fast 60 Runden lang hingebungsvoll, verzichtete aber auf Attacken und heimste acht Punkte ein, zwei mehr als Rivale Räikkönen, der aus Startplatz zwölf noch Rang drei machte und gar deren fünf mehr als Schumacher.

Selbst Ferrari-Technikchef Ross Brawn windet Fernando Alonso ein Kränzchen: „Seine Leistungen sind extrem beeindruckend. In diesem Jahr hat er nochmals einen Schritt nach vorne gemacht. Das ja oft so, wenn ein Fahrer plötzlich gutes Material hat und alles in die richtige Richtung läuft. Das war seinerzeit mit Michael genauso.“

Bei den letzten drei Rennen gab es zwar drei verschiedene Sieger aus drei Teams – trotzdem ist die Formel 1 so langweilig wie selten.

Der Unterhaltungswert der Formel 1 ist am Boden. Auf das Schmalspurprogramm von Indianapolis folgte der Langweiler von Magny Cours. Und nur sieben Tage später gab es in Silverstone erneut Schlafwagen-Programm.

Kein einziger Dreher trübte die Baldrian-Bilanz, der einzige Ausfall des Rennen verlief geräuschlos: Narain Karthikeyans Jordan-Toyota rollte mit Elektrikdefekt aus.

Herzhafte Überholmanöver gab es nur im hinteren Mittelfeld zu bestaunen. Der bestens aufgelegte Jacques Villeneuve setzte seinen Kumpel David Coulthard stark unter Druck und es gelang dem Kanadier sogar, sich an dem Schotten vorbeizupressen. Ansonsten beschränkten sich die Fahrer darauf, ihre Positionen zu verwalten. Nach dem Motto: „Tu ich Dir nichts, tust Du auch mir nichts.“

Überholen ist in Silverstone anscheinend fast ein Ding der Unmöglichkeit. Jarno Trulli entpuppte sich erneut als rollende Schikane. Obwohl der Italiener wegen der schwer zu kontrollierenden Neigung seines Toyota zum ruckhaften Übersteuern im Rennen fast zwei Sekunden langsamer als die Spitzenautos fuhr, konnten seine Verfolger Michael Schumacher und Kimi Räikkönen eine halbe Stunde lang nur darauf beschränken, die Auspuffrohre des Vordermanns aus der Nähe anzuschauen.

Mit den Vorschlägen für drastisch geänderte Technik-Regeln ab 2008 ist die FIA wohl auf dem richtigen Weg. Ein Verbot der Fahrhilfen für die Piloten dürfte das Überraschungsmoment wegen zu erwartender Fahrfehler erhöhen. Die drastisch beschnittene Aerodynamik macht das Überholen leichter. Hoffentlich.

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