Renn-Analyse GP Japan

Schumis Comeback

Foto: dpa

Nach dem Flop von China bog Michael Schumacher in Suzuka wieder auf die Siegerstraße ein, vor allem dank einer listigen Reifentaktik. Im Kampf der Verfolger zwischen Honda und Renault hatten abermals die Japaner die Nase vorn – weil Villeneuve wieder ohne Punkte blieb.

Im Duell der deutschen Hersteller verbuchte Williams-BMW einen klaren Punktsieg über McLaren-Mercedes, weil Ralf Schumacher beim Setup ein glückliches Händchen hatte.

Weltmeister Michael Schumacher ließ in Japan nichts anbrennen: Er führte die Zeitenlisten fast aller Trainingssitzungen an, sicherte sich die Pole Position und führte das Rennen über die volle Distanz an – ein makelloses Wochenende. Nachdem Schumacher beim China-GP völlig von der Rolle war und mehr Fehler produzierte als in allen 15 Saisonrennen zuvor, kehrte der siebenfache Weltmeister in Japan wieder auf die Erfolgsspur zurück.

Ein Grundstein des Erfolges war eine risikofreudige Entscheidung bei Reifenwahl: "Wir haben uns für jenen Reifentyp entschieden, der in Ungarn erstmals zum Einsatz kam", so Ferrari-Technikchef Ross Brawn. Der Poker ging auf, obwohl man diesen weicheren Reifentyp mit der härteren Flanke auf keiner einzigen Runde in Suzuka praktisch erproben konnte: Die beiden Trainingssitzungen am Freitag waren verregnet, und der Samstag fiel einer Taifun-Warnung zum Opfer.

Da die Reifenwahl bis Sonntagmorgen um acht Uhr getroffen werden musste, das Vorqualifying aber erst um neun Uhr begann, mussten sich die Ferrari-Techniker bei der Fahrzeugabstimmung auf ihre Computersimulationen verlassen. "Wir wussten dass das Vorqualifying auf nasser Strecke stattfinden würde, das abschließende Zeittraining auf trockener Bahn mit einigen feuchten Passagen. Unter diesen Bedingungen ist Michelin normalerweise überlegen. Mit der weichen Mischung wollten wir sicherstellen, dass wir im Qualifying nicht von der halben Michelin-Armada geschlagen und in die fünfte Startreihe verdrängt werden", so Ross Brawn zur Reifentaktik.

Im Rennen musste Schumacher mit körnenden Reifen leben – ein Phänomen, das die Michelin-Piloten von den weicheren Mischungen seit Jahren kennen. Das führte dazu, dass sich Schumacher in den ersten Runden nach dem Start nicht nennenswert von seinem Verfolger Ralf Schumacher absetzen konnten: Nach sechs Runden lag er nur mit drei Sekunden vorne. Als sich das Graining wieder verflüchtigt hatte, legte Michael Schumacher zu: Nach zehn Runden hatte bereits neun Sekunden Vorsprung, jetzt funktionierten die Bridgestone-Pneus tadellos, Schumacher fuhr ab Runde zwölf fast zwei Sekunden pro Runde schneller als die ihn verfolgenden BAR-Honda-Piloten. Damit war das Rennen bereits nach dem ersten Turn entschieden, denn der Vorsprung reichte aus, um auch nach dem ersten Boxenstopp in Führung zu bleiben.

Renault: Joker Villeneuve sticht noch nicht

Hinter den scheinbar unantastbaren Ferrari-Wundermaschinen tobt der Zweikampf zwischen BAR-Honda und Renault um den Vize-WM-Titel in der Konstrukteurswertung. Nachdem Teamchef Flavio Briatore seinen Piloten Jarno Trulli wegen Lustlosigkeit entlassen hatte, wurde Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve verpflichtet, um im Schlussspurt noch eine Chance gegen BAR-Honda zu haben. Doch der Schuss ging bisher nach hinten los: Villeneuve konnte in Japan zum zweiten Mal in Folge keine Punkte holen, dabei war die Aufgabenteilung klar formuliert: "Alonso muss Button kontrollieren, Villeneuve muss schneller sein als Sato", so die Marschroute von Briatore.

Zwar lässt Villeneuve hin und wieder seine alte Brillianz aufscheinen, zum Beispiel beim Suzuka-Qualifying, als er Alonso mit deutlich mehr Sprit an Bord schlug, doch gerade im Rennen hat der Kanadier Mühe, Schritt zu halten. Ein Grund ist das nach wie vor heikle Fahrverhalten des Renault, der über eine sehr hecklastige Gewichtsverteilung verfügen soll. Außerdem bekundet Villeneuve Mühe, sich dem Speed der neuen Fahrzeuggeneration anzupassen. "Die Autos sind brutal schnell geworden, im Schnitt um drei Sekunden pro Runde", so Villeneuve. Das rächt sich für den Kanadier vor allem im Rennen, wo er Mühe hat, sein Auto perfekt abzustimmen. In Suzuka plagte ihn ein schlimmes Untersteuern, Platz zehn war das Ergebnis. Um den Erfahrungsrückstand auszugleichen, jettet Villeneuve nächste Woche extra nach Europa zurück, um weitere Testfahrten zu absolvieren.

Ralf Schumacher holte wichtige Punkte für BMW

Beim Duell der deutschen Hersteller BMW und Mercedes um Platz vier in der Konstrukteurswertung behielt in Suzuka BMW-Williams locker die Oberhand. Ralf Schumacher startete von Platz zwei und konnte die Position auch gegen die Attacken der BAR-Honda-Piloten verteidigen.

Der Grund: Trotz extrem kurzer Abstimmungszeit landeten die Techniker um Chef Sam Michael bei der Abstimmung einen Volltreffer. "Das Setup hat ausgezeichnet gepasst, Kompliment an meine Jungs", so Ralf Schumacher nach dem Rennen. Sam Michael konnte sich ein wenig Ironie nicht verkneifen: "Je weniger man am Setup herumspielen kann, um so weniger kann man auch falsch machen."

Fakt ist: Die Ergebnisse aus den Simulationsprogrammen sind heute so gut, dass man auch ohne Fahrzeit auf der Strecke das sehr schmale Abstimmungsfenster fast haargenau trifft.

Der WM-Gegner McLaren-Mercedes wäre zumindest theoretisch in der Lage gewesen, Anschluss zu halten. Beim Abstimmungspoker spielte David Coulthard seine immense Erfahrung im Vergleich zu Teamkollege Kimi Räikkönen voll aus, fuhr ein beherztes Rennen, wurde aber durch einen allzu optimistischen Überholversuch von Rubens Barrichello um einen vierten Platz gebracht.

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