Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016 sutton-images.com
Nico Rosberg - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016
Nico Rosberg - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016
Nico Rosberg - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016
Nico Rosberg - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016
Nico & Vivian Rosberg - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016 70 Bilder

Rennanalyse GP Abu Dhabi 2016

Strategie-Änderung wegen Bummeltempo

Lewis Hamilton hat versucht Nico Rosberg einzubremsen. Doch die Taktik ging nicht auf. War der Pilot im Recht, die Team-Befehle zu ignorieren? Und wie reagierten die Strategen auf die Spielchen des Fahrers? Die Rennanalyse klärt auf.

War der Mercedes-Sieg jemals in Gefahr?

Lewis Hamilton begründete seine Bummel-Tempo-Taktik damit, dass sein erster Platz niemals in Gefahr war. „Ich hatte immer alles unter Kontrolle“, ist sich der abgelöste Weltmeister sicher. Mercedes hatte vor der Saison mit den Fahrern abgesprochen, nur von außen in das Duell einzugreifen, wenn der Sieg gefährdet ist. Und in Abu Dhabi hatte man am Kommandostand die Meinung, dass beim Finale genau dieser Fall eintrifft.

Schon früh im Rennen bekamen die Strategen Sorgenfalten ins Gesicht. Weil Hamilton von Beginn an 1,5 Sekunden pro Runde langsamer fuhr, konnten sich die Silberpfeile an der Spitze nicht vom Feld lösen. Rosberg lief damit Gefahr, durch einen frühen Boxenstopp der Verfolger überholt zu werden. Um dem sogenannten „Undercut“ der Konkurrenz zuvor zu kommen, wurde Hamilton schon in Runde 7 an die Box gerufen – 5 Runden früher als geplant. Rosberg kam einen Umlauf später.

Als Sebastian Vettel wegen der Tempoverschleppung die Möglichkeit bekam, spät auf Supersoft zu wechseln, war die Panik bei den Taktikern groß. „Sebastian ist mit den frischen Reifen mehr als 2 Sekunden schneller gefahren. Unsere Strategie-Programme haben errechnet, dass er das Rennen gewinnen wird“, verriet Teamchef Toto Wolff. Doch die Simulation hat sicher nicht eingerechnet, dass der Spitzenreiter das Tempo direkt angezogen hätte, wenn Vettel in seinem Rückspiegel aufgetaucht wäre.

Wie versuchte sich Mercedes gegen die Hamilton-Spielchen zu schützen?

Mercedes hatte mit seinen Fahrern vor dem Rennen abgesprochen, dass keine Spielchen gespielt werden. Hamilton wurde sogar gedroht, dass Rosberg das Recht des ersten Boxenstopps bekommt, wenn der Brite das Tempo zu stark verlangsamt. Doch in den letzten 15 Runden waren alle Reifenwechsel bereits absolviert. Der Kommandostand hatte kein Druckmittel mehr. So ignorierte Hamilton sogar den direkten Befehl von Technikchef Paddy Lowe.

Wie bereits erwähnt hatten die Strategen zu Beginn Sorge, dass Hamilton so lange herumbummeln könnte, bis Rosberg durch einen Undercut überholt wird. Doch hierfür hatte man sich abgesichert: Wäre der Engländer in Runde 7 nicht wie befohlen an die Box gekommen, dann hätte man stattdessen Rosberg reingeholt. Beide Fahrer bekamen parallel den Befehl zum Reifenwechsel. Die Mechaniker hatten schon zwei Sätze Gummis parat gelegt. Kaum war Hamilton in der Boxengasse, wurde Rosberg angewiesen, noch eine Runde zu warten.

Warum ließ Rosberg Vettel nicht passieren?

Renningenieur Tony Ross informierte Rosberg in der Schlussphase, dass auch ein dritter Platz zum Titel reicht. Er wollte seinem Schützling damit die Option aufzeigen, Vettel kampflos passieren zu lassen und kein Risiko einzugehen. Doch der neue Weltmeister hielt das für keine gute Idee: „Vettel hatte Verstappen auch direkt hinter sich. Ich wollte unbedingt den zweiten Platz behalten. Ich wusste ja nicht, was vorne noch für ein Chaos passiert, wenn Vettel an mir vorbeigegangen wäre.“

Doch im Endeffekt wäre es wohl die sichere Variante gewesen. „Hinter Vettel war eine kleine Lücke zu Verstappen“, klärte Toto Wolff auf. „Im Auto ist es schwer den Überblick zu behalten. Ich denke nicht, dass Nico das gewusst hat.“ Auch die Flucht nach vorne war keine Option. Hamilton bummelte geschickt: „Er hat von der Zielkurve bis zur Hälfte des zweiten Sektors Gas gegeben. Nur dort kann man überholen. Und im hinteren Teil hat er dann langsam gemacht“, erklärte Rosberg.

Warum ging die Red Bull-Taktik nicht auf?

Red Bull-Teamchef Christian Horner hatte es gewusst: Schon am Donnerstag vor dem Rennen äußerte er die Prognose, dass Hamilton seinen Teamkollegen einbremsen wird. „Das war offensichtlich. Alles andere wäre ja auch naiv. Hamilton hatte keine andere Chance. Er hat den Sieg auf die langsamst-mögliche Art und Weise eingefahren. Aber es war alles innerhalb der Regeln.“

Obwohl Red Bull wusste, was kommt, konnte man nicht reagieren. „Alles lief darauf hinaus, dass in den letzten Runden ein Zug an der Spitze entsteht. Da musste man die besten Reifen haben um zu attackieren.“ Dummerweise hatte Red Bull keine frischen weichen Reifen mehr übrig, sondern nur noch einen neuen Satz der härtesten Mischung. „Wir haben Ferrari gezeigt, wie gut der Supersoft funktioniert. Und Vettel hatte leider noch einen frischen auf Lager“, bedauerte Horner.

Wie stark war das Hülkenberg-Auto nach der Verstappen-Kollision beschädigt?

Im Force India-Lager war man nach dem Rennen sauer auf die Rennleitung. Es herrschte die Meinung vor, dass Max Verstappen mit seiner gefährlichen Fahrweise eine Kollision mit Nico Hülkenberg ausgelöst hatte. Doch die Schiedsrichter untersuchten den Fall noch nicht einmal. Verstappen war bis ans Ende des Feldes gefallen und damit schon genug gestraft.

Doch auch Hülkenberg musste unverschuldet büßen. Der Aufprall mit dem rechten Vorderreifen riss ein Loch in den Seitenkasten des Force India. Auch der Unterboden wurde beschädigt. Die Ingenieure berechneten, dass dies mindestens 2 Zehntel pro Runde kostete. Vor diesem Hintergrund ist es fast ein Wunder, dass der Deutsche seinen siebten Platz über die komplette Distanz gegen Teamkollege Sergio Perez verteidigen konnte.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Bilder des Rennens.

GP Abu Dhabi 2016: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit / Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:38.04,013 Std.
2. Nico Rosberg Mercedes + 0:00.439 Min.
3. Sebastian Vettel Ferrari + 0:00.843
4. Max Verstappen Red Bull + 0:01.685
5. Daniel Ricciardo Red Bull + 0:05.315
6. Kimi Räikkönen Ferrari + 0:18.816
7. Nico Hülkenberg Force India + 0:50.114
8. Sergio Perez Force India + 0:58.776
9. Felipe Massa Williams + 0:59.436
10. Fernando Alonso McLaren + 0:59.896
11. Romain Grosjean Haas + 1:16.777
12. Esteban Gutierrez Haas + 1:35.113
13. Esteban Ocon Manor + 1 Runde
14. Pascal Wehrlein Manor + 1 Runde
15. Marcus Ericsson Sauber + 1 Runde
16. Felipe Nasr Sauber + 1 Runde
17. Jolyon Palmer Renault + 1 Runde
18. Carlos Sainz Jr. Toro Rosso Ausfall
19. Daniil Kvyat Toro Rosso Ausfall
20. Jenson Button McLaren Ausfall
21. Valtteri Bottas Williams Ausfall
22. Kevin Magnussen Renault Ausfall

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Motorsport Aktuell Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016 Hamilton bremst Rosberg ein Bummeltaktik unfair oder clever?

Lewis Hamilton hat im Kampf um den WM-Titel alles versucht.

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