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Ergebnis Rennen GP Abu Dhabi 2017

Schraube locker bei Renault

Carlos Sainz - GP Abu Dhabi 2017 Foto: Wilhelm 74 Bilder

Warum verlor der Renault von Carlos Sainz ein Rad? Warum wurde so wenig überholt? Und warum kassierten Ferrari und Red Bull eine solch deutliche Klatsche? Wir haben die Antworten in unserer Rennanalyse.

26.11.2017 Tobias Grüner

Warum war Mercedes so überlegen?

Mercedes ließ in Abu Dhabi nichts anbrennen. Valtteri Bottas und Lewis Hamilton stellten ihre Silberpfeile mit mehr als einer halben Sekunde Vorsprung vor Sebastian Vettel in die erste Reihe. Und auch im Rennen ließen sie der roten Konkurrenz keine Chance. Obwohl der Kommandostand schnell die Leistung runterdrehen ließ, wuchs der Vorsprung zwischenzeitlich auf mehr als 20 Sekunden an.

Vettel versuchte die Klatsche gar nicht schönzureden: „Vor allem im letzten Sektor konnte ich das Tempo nicht mitgehen. Erst am Ende des Rennens habe ich mich etwas wohler gefühlt, aber da war der Zug nach vorne schon längst abgefahren. Es gab nie eine Chance, mit den Mercedes zu kämpfen“, so die schonungslose Analyse. Vorher hatte man eher gedacht, dass Abu Dhabi dem Ferrari eher liegen sollte. Wie konnte Mercedes dann so dominieren?

Toto Wolff zuckte mit den Schultern: „Abu Dhabi hat uns schon immer gelegen. Vielleicht liegt es auch am Typ der Kurven, die unserem Auto passen.“ Die Analyse der Sektoren ergab, dass Mercedes sowohl auf der Geraden schneller war als auch in den kurvigen Teilen. Durch den Power-Vorteil konnten die Piloten ihre Flügel so steil stellen lassen, dass man in Sachen Abtrieb mindestens mit Ferrari gleichzog.

Warum kam Red Bull nicht hinterher?

Daniel Ricciardo - GP Abu Dhabi 2017 Foto: sutton-images.com
Red Bull war hinter Mercedes und Ferrari nur dritte Kraft.

Red Bull hatte in Malaysia und Mexiko klar das schnellste Auto. In Brasilien musste Renault die Leistung runterdrehen. Aber in Abu Dhabi hatte man fest mit Max Verstappen und Daniel Ricciardo gerechnet. Doch Teamchef Christian Horner widersprach: „Obwohl der letzte Sektor viele Kurven aufweist, spielt Motorleistung hier eine große Rolle. Wir haben den Funk bei Mercedes abgehört. Immer wenn sie zwischendurch mal die Power aufgedreht haben, sind sie im Mittelsektor plötzlich eine halbe Sekunde schneller gefahren.“

Um das Defizit zu kompensieren, wählte man bei Red Bull sehr flache Flügel und bezahlte dafür dann in den elf Kurven des letzten Sektors mit fast einer halben Sekunde Zeitverlust. Die Konkurrenz hat für den Leistungseinbruch aber noch einen anderen Verdacht. Man vermutet, dass Red Bull nach der FIA-Razzia in Mexiko die Fahrwerkstricks ausbauen musste, die ihnen ihrer Meinung nach zwei Siege und einen zweiten Platz geschenkt hatten. Gerüchten zufolge hatte Red Bull in den vier Rennen beginnend mit dem GP Malaysia einen Weg gefunden, das Auto auf der Geraden hinten abzusenken. So konnte man ohne Strafe für den Top-Speed mehr Abtrieb fahren.

Warum wurde so wenig überholt?

Obwohl fast alle Piloten beim Saisonfinale ohne Druck Gas geben konnten, kam es nur zu wenigen Überholmanövern. „Die Formel 1 hat sich heute nicht gerade von ihrer besten Seite gezeigt. Da gab es schon aufregendere Rennen“, stellte Red Bull-Teamchef Christian Horner fest. Nur im Hinterfeld wurde etwas Action geboten, wobei meistens die Haas-Piloten involviert waren. „Wir sollten eigentlich eine Bonus-Prämie bekommen. Wir haben es zwar nicht geschafft, den angepeilten sechsten Platz in der Teamwertung zu erobern, aber immerhin haben wir für Action gesorgt“, scherzte Haas-Teamchef Guenther Steiner.

Die Gründe für die Prozession waren vielfältig. Das Hinterherfahren ist mit den 2017er Autos bekanntlich deutlich schwieriger geworden. In Abu Dhabi wurde das noch deutlicher als auf anderen Strecken. Lewis Hamilton beklagte sich im Gespräch mit Valtteri Bottas vor der Siegerehrung darüber, dass er ihm nicht durch die rechtwinkligen Kurven folgen konnte. „Da müsste man mal die Strecke umbauen“, befand der Weltmeister.

Streckendesigner Herrmann Tilke hatte schon eine Idee zur Problemlinderung. „In der Haarnadel sind die Geschwindigkeiten zu gering. Auch wenn der Vordermann nur fünf Meter Vorsprung hat, kann er zwei Zehntel früher auf die lange Gerade beschleunigen. Bei der kurzen DRS-Zone reicht das in vielen Fällen nicht zum Angriff aus.“

Force India-Technikchef Andy Green rechnete vor, dass man einen Geschwindigkeitsüberschuss von einer bis anderthalb Sekunden brauchte, um zu überholen. „Auf den ersten Blick sollte man mit der Haarnadel vor der langen Geraden eigentlich gut überholen können. Aber mit den relativ harten Reifen ist es schwer sich einen Vorteil beim Verschleiß zu erarbeiten.“

War die Strafe gegen Hülkenberg zu milde?

Nico Hülkenberg - GP Abu Dhabi 2017 Foto: xpb
Hülkenberg fuhr Rang 6 in der Teamwertung für Renault im Alleingang nach Hause.

Bei Force India war man nach dem Rennen wütend auf den ehemaligen Angestellten Nico Hülkenberg. Der Rheinländer, der mittlerweile in Diensten von Renault steht, hatte in Kurve 11 innen abgekürzt und sich so vor Sergio Perez geschoben. Andy Green sah den Fehler aber eher in den Regeln als bei seinem Ex-Schützling: „Ich war nicht überrascht, dass er die Position nicht zurückgegeben hat. Das war Absicht. Er wusste genau, was er tat. Es war seine einzige Möglichkeit vorbeizukommen. Und er wusste, dass er dafür nur eine 5-Sekunden-Strafe bekommt. Da liegt ein Fehler im System. Die Piloten werden dadurch ermuntert abzukürzen. Das ist einfach nur Müll.“

Hülkenberg selbst dementierte, dass er hier das System ausgenutzt hatte. „Sergio und ich haben vor Kurve 11 auf der letzten Rille gebremst. Er ist nach rechts gerutscht und für mich war weiter außen kein Platz mehr. Hätte ich reingezogen, wären wir zusammengestoßen. Er hat mich neben die Strecke geschoben. Und da war kein Grip mehr.“ Am Ende profitierte der Rheinländer von der milden Strafe. Die fünf Sekunden fuhr er bis zum Boxenstopp locker heraus.

Dass Hülkenberg gerne den „Notausgang“ nimmt, zeigte sich nur wenige Runden später im Duell mit Haas-Pilot Romain Grosjean. Gleiche Stelle, gleiches Resultat. Nur dieses Mal entschied sich der Pilot, die Position wieder herzugeben. Sportdirektor Alan Permane erklärt warum: „In diesem Fall hätten wir zusätzlich 10 Sekunden Strafe auf die Rennzeit addiert bekommen. Bei zwei Mal dem gleichen Delikt kennen die Sportkommissare keinen Pardon.“ Doch Grosjean mit seinen älteren Reifen konnte Hülkenberg im zweiten Anlauf nur eine Runde später regelkonform überholen.

Warum verlor Sainz ein Rad?

Carlos Sainz kämpfe mit Fernando Alonso und Felipe Massa um die letzten WM-Punkte, als der Renault mit der Startnummer 55 in Runde 32 plötzlich in der Wiese ausrollte. Das Rad vorne links war beim Boxenstopp kurz zuvor nicht richtig festgezurrt worden und hatte sich gelockert. Obwohl der Pilot sein Auto direkt abstellte, setzte es von den FIA-Kommissaren eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro, weil das Auto in einem unsicheren Zustand die Box verließ.

Doch wie konnte das Malheur passieren? „Wir haben schon das ganze Jahr Ärger mit den Radmuttern“, verriet Alan Permane. „Oft müssen unsere Mechaniker mehrmals ansetzen, um sie über den Sicherungsstift an der Randabe zu bekommen.“ Wegen der Probleme ist Renault im Boxenstopp-Ranking auf dem vorletzten Platz. Nur die Sauber-Reifenwechsel dauerten im Schnitt noch länger.

Woran es dieses Mal genau lag, konnte der Teammanager noch nicht sagen. Dazu müsse man erst die abgeflogene Radmutter untersuchen. Doch die war auf die Schnelle nicht zu finden. „Wir haben schon im Boxentunnel nachgeschaut, wo Carlos die Mauer berührt hat, allerdings ohne Erfolg. Wenn die Strecke heute Nacht noch beleuchtet ist, suchen wir auch nochmal hinter dem Tunnel. Wenn wir kein Licht haben, dann gehen wir morgen früh nochmal raus“, kündigte Permane an.

In der Galerie zeigen wir noch einmal die Highlights des Rennens – und der Party danach!

GP Abu Dhabi 2017 – Ergebnis Rennen

GP Abu Dhabi 2017: Ergebnis Rennen

FahrerTeamZeit / Rückstand
1. Valtteri BottasMercedes1:34.14,063 Std.
2. Lewis HamiltonMercedes+ 0:03.899 Min.
3. Sebastian VettelFerrari+ 0:19.330
4. Kimi RäikkönenFerrari+ 0:45.386
5. Max VerstappenRed Bull+ 0:46.269
6. Nico HülkenbergRenault+ 1:25.713
7. Sergio PerezForce India+ 1:32.062
8. Esteban OconForce India+ 1:38.911
9. Fernando AlonsoMcLaren+ 1 Runde
10. Felipe MassaWilliams+ 1 Runde
11. Romain GrosjeanHaas+ 1 Runde
12. Stoffel VandoorneMcLaren+ 1 Runde
13. Kevin MagnussenHaas+ 1 Runde
14. Pascal WehrleinSauber+ 1 Runde
15. Brendon HartleyToro Rosso+ 1 Runde
16. Pierre GaslyToro Rosso+ 1 Runde
17. Marcus EricssonSauber+ 1 Runde
18. Lance StrollWilliams+ 1 Runde
19. Carlos SainzRenaultAusfall
20. Daniel RicciardoRed BullAusfall
Neuester Kommentar

tja, da wird bis zum ersten "Rennen" 2018 ein (besser zwei) Pabstbesuch(e) pro Woche in Maranello nötig sein...

alo 27. November 2017, 18:31 Uhr
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