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Lewis Hamilton - Mercedes - GP Aserbaidschan 2017 - Baku - Rennen
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Rennanalyse GP Aserbaidschan 2017

Alles zum Vettel-Hamilton-Vorfall

Der GP Aserbaidschan 2017 war ein Rennen voller Dramatik und Wendungen. In unserer Rennanalyse beantworten wir die dringendsten Fragen. Vor allem die zum Auffahrunfall zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton.

Wie erklärt sich Vettels Rammstoß?

In der 19. Rennrunde des GP Aserbaidschan bekam die Formel 1-WM 2017 eine neue Dimension. Die beiden WM-Rivalen gingen aufeinander los. Oder genauer: Sebastian Vettel rempelte Lewis Hamilton an. Mit voller Absicht. Nachdem er zuvor hinter dem Safety Car ins Heck des Mercedes gerutscht war. „Du kannst nicht dem anderen mit Vorsatz in die Kiste fahren. Das ist inakzeptabel. So etwas habe ich noch nie erlebt“, schimpfte Mercedes-Außenminister Niki Lauda. Teamchef Toto Wolff ergänzte: „Sebastian hat sich selbst bloßgestellt mit seinem Verhalten.“

Vettel schäumte im Cockpit vor Wut, nachdem er sich bei dem Auffahrunfall den Frontflügel beschädigt hatte. Der Heppenheimer vermutete einen Bremstest. „Lewis hat an einer Stelle gebremst, wo man eigentlich beschleunigt“, ätzte der WM-Führende. Die Mercedes-Führung widersprach und stützte die Aussage ihres Starfahrers. „Die Daten beweisen, dass Lewis nicht gebremst hat. Sondern nur den Fuß vom Gas nahm“, äußerte sich Wolff.

Der Zusammenstoß der WM-Rivalen ereignete sich auf dem Bergabstück zwischen den Kurven 15 und 16. Hamilton schaffte etwa 150 Meter Abstand zum Safety Car. Seine Geschwindigkeit war dabei ähnlich wie unter der ersten Neutralisation. Auch da hatte er weder gebremst noch beschleunigt. Sprich: Er fuhr nicht gefährlich. Der Führende diktiert beim Restart das Tempo. Einfache Motorsportregel.

Die Rennkommissare um Paul Gutjahr, Enzo Spano, Anar Shukurov und Fahrervertreter Danny Sullivan leiteten nach dem Rammstoß sofort eine Untersuchung ein. 32 Minuten später fällten sie ihr Urteil. Sie brummten Vettel eine Zehnsekundenstrafe auf, die er in der Box im Stand verbüßen musste. Vettel hatte Glück, dass die Stewards mildernde Umstände gelten ließen. Hätte der WM-Führende nicht lautstark am Funk „Bremstest, Bremstest“ gerufen, wäre die Strafe wohl härter ausgefallen. Eine Disqualifikation stand zur Disposition.

Vettel verstand die Strafe nicht. „Die Leute wollen doch sehen, dass wir die Ellbogen ausfahren. Wenn sie mich bestrafen, müssen sie es auch mit Lewis machen.“ Aus den Aussagen der Mercedes-Verantwortlichen war herauszuhören, dass man sich eine härtere Bestrafung gewünscht hätte. „Sebastian ist vierfacher Weltmeister. Er muss Vorbild für die Jugend sein“, sagte Wolff. Niki Lauda zürnte: „Man muss sich als Rennfahrer beherrschen, egal was ist. Wenn man intensiv darüber nachdenkt, hätte es mehr als zehn Sekunden geben müssen.“ Hamilton selbst keilte aus: „Das war kein Fairplay. Das war ein anderer Sebastian als in den ersten sieben Rennen. Ich werde weiter respektvoll mit ihm umgehen. Ich will die Weltmeisterschaft ehrlich gewinnen.

Warum löste sich Hamiltons Nackenschutz?

Trotz eines angeschlagenen Diffusors, den Mercedes in der Unterbrechung notdürftig flickte, war Hamilton immer noch auf dem Weg zum vierten Saisonsieg. Bis sich die Nackenstütze um das Cockpit bei hohen Geschwindigkeiten vom Rest der Verkleidung hob. Der dreifache Weltmeister drückte die Umrandung mit der rechten Hand nach unten. Hamilton war leicht abgelenkt, Vettel rückte von hinten näher.

Mercedes war gezwungen, seinen Schützling in die Box zu rufen, um den Nackenschutz mit Klebeband provisorisch zu befestigen. Der Stopp dauerte 14,2 Sekunden und warf Hamilton von der Spitze auf den neunten Rang zurück. Die Rennleitung um Charlie Whiting hätte es nicht erlaubt, dass Hamilton einhändig auf den Geraden weitergefahren wäre.

Bei Mercedes rätselte man, warum sich der Nackenschutz nach Wiederaufnahme des Rennens gelöst hatte. Weil das Teil nicht richtig einhakt wurde, als Hamilton ins Auto kletterte? Oder weil ein mechanischer Defekt auftrat? “Die Noppen am Nackenschutz sind sehr klein und müssen genau ins Loch treffen. Wir müssen es uns genau anschauen. Vielleicht war es nicht richtig verschlossen. Vielleicht müssen wir das Design anpassen„, äußerte sich Wolff. Das Problem hatte Mercedes nie zuvor ereilt.

Wie kam Ricciardo zum Sieg?

Daniel Ricciardo startete nur vom zehnten Rang ins Rennen, nachdem er seinen Red Bull im dritten Qualifying-Durchgang an die Mauer gepfeffert hatte. Am Start selbst gewann der Australier nur eine Position. Dann warf ihn ein Boxenstopp in der fünften Runde bis auf den 17. Platz zurück. “Ein Trümmerteil eines Mercedes oder Ferrari hat sich in einer der Bremsbelüftungen verfangen. Die Temperaturen gingen durch die Decke. Ricciardo hätte keine Runde mehr damit geschafft„, erklärte Red Bull-Teamchef Christian Horner.

Innerhalb von 28 Runden sprintete Ricciardo vom unteren Teil des Feldes bis an die Spitze. Drei Safety Cars und eine Unterbrechung begünstigten die Aufholjagd ebenso wie ein flacher Heckflügel im Monza-Format. Bei drei Restarts überholte er jeweils drei Konkurrenten. “Ich habe aus jedem Restart das Beste gemacht.„ Horner applaudierte: “Er ist über die Gegner hergefallen.„

Besonders ein Überholmanöver blieb hängen. In Runde 24 krallte sich der nun fünfmalige GP-Sieger drei Gegner auf einen Schlag: Nico Hülkenberg, Felipe Massa und Lance Stroll waren am Ende der Zielgerade fällig. Ricciardo bremste gefühlt zwei Meter später. Nachdem Mercedes den Nackenschutz an Hamiltons Auto festkleben musste und Vettel seine Strafe absaß, war der Weg zum großen Triumph frei. “Danach lag das Rennen in meinen Händen. Ich musste einfach konstant fahren und das Auto nach Hause bringen. Heute hatten wir sicher nicht das schnellste Paket, aber das notwendige Rennglück.„

Hat Force India einen Sieg verschenkt?

Force India befand sich in einer hervorragenden Position. Beim zweiten Restart belegte Sergio Perez den dritten Rang, Esteban Ocon den fünften. Wieder einmal sah es danach aus, dass die Robin Hoods der Formel 1 den großen ein Schnippchen schlagen. Doch dann räumten sich Esteban Ocon und Sergio Perez gegenseitig am Ausgang der zweiten Kurve ab. Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer grummelte. “Es ist das schlimmste, was passieren kann.„ Die Schuld wollte er keinem seiner Fahrer direkt zuschieben. “Esteban war innen. Auf einem Stadtkurs ist es einfach furchtbar eng, sonst hätte Sergio weiter außen fahren können.„

Im Fahrerlager wurde nach den Geschehnissen um Hamilton und Vettel eifrig diskutiert, ob Force India gar einen Sieg verschenkt habe. “Das dachte ich zuerst auch. Allerdings jetzt nicht mehr. Die Unterbrechung wurde durch unsere Jungs ausgelöst. Wenn es keine Rotphase gegeben hätte, wäre auch der Nackenschutz an Hamiltons Auto richtig gesessen und er hätte das Rennen gewonnen„, sagt Szafnauer. Richtige These. Vorausgesetzt das Teil war nicht richtig aufgesetzt.

GP Aserbaidschan 2017: Rennergebnis

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Daniel Ricciardo Red Bull 2:03.55,573
2. Valtteri Bottas Mercedes + 3.904 Sek.
3. Lance Stroll Williams + 4.009
4. Sebastian Vettel Ferrari + 5.976
5. Lewis Hamilton Mercedes + 6.188
6. Esteban Ocon Force India + 30.298
7. Kevin Magnussen HaasF1 + 41.753
8. Carlos Sainz Toro Rosso + 49.400
9. Fernando Alonso McLaren + 59.551
10. Pascal Wehrlein Sauber + 89.093
11. Marcus Ericsson Sauber + 91.794
12. Stoffel Vandoorne McLaren + 92.160
13. Romain Grosjean HaasF1 + 1 Runde
14. Kimi Räikkönen Ferrari Ausfall
15. Sergio Perez Force India Ausfall
16. Felipe Massa Williams Ausfall
17. Nico Hülkenberg Renault Ausfall
18. Max Verstappen Red Bull Ausfall
19. Daniil Kvyat Toro Rosso Ausfall
20. Jolyon Palmer Renault Ausfall
Motorsport Aktuell Lewis Hamilton - Mercedes - Sebastian Vettel - Ferrari - GP Aserbaidschan 2017 - Baku Kein Bremstest von Hamilton Vettel knapp an Disqualifikation vorbei

Es war die Szene des Rennens.

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