Rennanalyse GP Belgien 2015

Sagt Pirelli die Wahrheit?

Sebastian Vettel - GP Belgien 2015 Foto: Wilhelm 68 Bilder

Der Reifenplatzer von Sebastian Vettel dominierte nach dem Rennen von Spa die Diskussionen im Fahrerlager. Es gab aber auch noch andere wichtige Themen, die wir in unserer Rennanalyse klären.

Pirelli vs. Ferrari - wer hat Recht?

Nach dem Reifenplatzer von Sebastian Vettel in der vorletzten Runde wurden medial schwere Geschütze aufgefahren. Der Deutsche kritisierte die Qualität der italienischen Gummis mit scharfen Worten. Der Reifenlieferant konterte mit Kritik an der riskanten Strategie die einen langen Medium-Stint über 29 Runden beinhaltete. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene erwiderte darauf, dass es aus dem Pirelli-Lager vor dem Rennen keine Anzeichen gab, dass die Gummis solche Laufzeiten nicht überstehen.

Die Reaktionen der Konkurrenz waren zweigeteilt. Bei Mercedes konnte man die Taktik-Entscheidung Ferraris nicht nachvollziehen und sprach von einem unnötigen Risiko. Force India und Lotus lieferten dagegen Unterstützung für die Strategie. "Der Reifen muss diese Distanz aushalten", erklärte Lotus-Chefingenieur Alan Permane. "Bei uns war eine Einstopp-Taktik Plan B. Wir haben nicht darauf verzichtet, weil es gefährlich war, sondern weil es langsamer war."

Force India-Technikchef Andy Green merkte an, dass die guten Rundenzeiten Vettels vor dem Reifenplatzer gegen eine übermäßige Abnutzung sprechen. Befindet sich kein Gummi mehr auf der Lauffläche, würden sich die Pneus stark abkühlen, was sich in mangelndem Grip und einem massiven Zeitverlust wiederspiegelt. Das war aber offenbar nicht der Fall.

Ob die Pirelli-Reifen ein strukturelles Problem haben, lässt sich zwar nicht beweisen. Die Verschleiß-Theorie des Reifenherstellers, mit der man den Defekt schon kurz nach der Zieldurchfahrt zu erklären versuchte, steht aber auch auf wackeligen Füßen. Statt der voreiligen Verurteilung Ferraris hätte Pirelli wenigstens eine Untersuchung des zerfetzten Pneus abwarten können.

Wie kam Romain Grosjean bis aufs Podium?

Der heimliche Star des Rennens von Spa hieß Romain Grosjean. Trotz Startplatzstrafe nach dem Qualifying fuhr der Lotus-Pilot bis auf das Podium. "Unsere Prognosen sind eigentlich von Rang 5 im Bestfall ausgegangen. Doch dann ging das Auto besser als erwartet und einige Konkurrenten bekamen Problemen", freute sich Permane.

Der Lotus E22 ging in der Konfiguration mit wenig Abtrieb wie die Hölle. Die Taktiker konnten die Reifenfolge weich-weich-medium wählen, während die meisten Rivalen zwei Mal die härtere Mischung aufziehen mussten. "Wir haben die Strategie absolut perfekt hinbekommen. Wir wussten schnell, dass Vettel unser einziger Konkurrent ist. Vor dem letzten Stopp konnten wir den Vorsprung immer weiter vergrößern", erklärt Permane.

"Eigentlich wollten wir so lange fahren, bis wir auch nach einem Stopp wieder vor ihm lagen. Aber dann kam das virtuelle Safety-Car und wir mussten reinkommen. Anschließend lagen wir knapp hinter Vettel. Wir wussten aber, dass seine Reifen am Ende immer weiter abbauen würden. Romain hätte wohl gute Chancen gehabt, ihn auf der Strecke zu überholen." Der Reifenplatzer verhinderte das Duell im Finale.

Warum vertauschte Williams die Reifen?

Williams sorgte mit der Reifenpanne bei Valtteri Bottas für die Slapstick-Einlage des Rennens. Der Finne bekam beim ersten Stop 3 Soft-Gummis und einen Medium aufgeschnallt. "Ich habe noch nie gehört, dass so etwas einmal vorgekommen ist", erkläre der Pechvogel verdutzt. Weil die Mischbereifung gegen die Regeln verstößt, setzte es von der Rennleitung eine Durchfahrtsstrafe.

Chefingenieur Rob Smedley konnte sich auch nicht erklären, warum ein falscher Reifen aus dem Regal genommen wurde. "Wir müssen jetzt zwei Dinge tun: Erstens müssen wir uns bei Valtteri dafür entschuldigen, dass wir sein Rennen ruiniert haben. Er kämpfte vor dem Patzer mit Vettel und Grosjean auf Augenhöhe. Und zweitens müssen wir die ganze Angelegenheit im Team klären und dürfen keinem Einzelnen die Schuld dafür geben."

Warum fiel Pastor Maldonado aus?

Pastor Maldonados Ausfall in der zweiten Runde geht als technischer Defekt in die Statistik ein. Das Kupplungssystem streikte plötzlich. Der Grund für die Panne lag aber nicht im Bauteil selbst. Wie Lotus auf Nachfrage zugeben musste, sorgte der Pilot selbst mit einem heftigen Ausflug über die Kerbs in Eau Rouge dafür, dass die Technik anschließend verrückt spielte. Nach dem Crash im ersten Freien Training war es der zweite kostspielige Fehler des Wochenendes.

In unserer Galerie haben wir noch einmal die besten Bilder des Rennens.

GP Belgien 2015: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:23.40,387 Std.
2. Nico Rosberg Mercedes + 0:02.058 Min.
3. Romain Grosjean Lotus + 0:37.988
4. Daniil Kvyat Red Bull + 0:45.692
5. Sergio Perez Force India + 0:53.997
6. Felipe Massa Williams + 0.55.283
7. Kimi Räikkönen Ferrari + 0.55.703
8. Max Verstappen Toro Rosso + 0:56.076
9. Valtteri Bottas Williams + 1:01.040
10. Marcus Ericsson Sauber + 1:31.234
11. Felipe Nasr Sauber + 1:42.311
12. Sebastian Vettel Ferrari + 1 Runde
13. Fernando Alonso McLaren-Honda + 1 Runde
14. Jenson Button McLaren-Honda + 1 Runde
15. Roberto Merhi Manor F1 + 1 Runde
16. Will Stevens Manor F1 + 1 Runde
17. Carlos Sainz Toro Rosso Ausfall
18. Daniel Ricciardo Red Bull Ausfall
19. Pastor Maldonado Lotus Ausfall
20. Nico Hülkenberg Force India Ausfall
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