Rennanalyse GP Italien

Das Pech des Tüchtigen

Foto: dpa

Warum endete das Rennen von Alonso so abrupt? Warum war Nick Heidfeld das Zünglein an der Waage? Was machte die BMW so stark und warum kam Felipe Massa nicht an Robert Kubica vorbei. Antworten auf die entscheidenden Fragen des Rennens:

Viele im Fahrerlager hielten die Strafversetzung von Fernando von Startplatz fünf auf Rang zehn für einen Skandal, geändert hat es nichts. Der erste Motorschaden seit Suzuka 2003 beendete das Rennen des Tabellenführers und ließ seine Führung auf zwei Punkte zusammenschmelzen. Alonso fuhr die jüngste Ausbaustufe des Renault-V8. Doch es brach ein Kolben, ein Teil, dass schon früher ohne Probleme zum Einsatz kam.

Der Verdacht, dass der Spanier zu viel im Windschatten fuhr, und damit sein Triebwerk langfristig überdrehte oder überhitzte, bestätigte sich nicht. Alonso zog häufig bewusst aus dem Luftstrom des Vordermanns, denn der Abtrieb am Heck riss im Windschatten beim Anbremsen regelmäßig ab.

Der Weltmeister hätte Rang drei belegt, ohne den schlechten Startplatz hätte er Zweiter werden können. Renault änderte die Taktik, weil Alonso im ersten Renndrittel von Button aufgehalten wurde. Schumacher war unantastbar, das Tempo der Ferrari zu hoch, doch Räikkönen im McLaren wäre in Reichweite des Spaniers gewesen. Doch letztlich ist das alles Theorie.

Heidfeld half Alonso

Alonso verdankte es hauptsächlich Nick Heidfeld, dass er überhaupt in Schlagdistanz zur Spitze bleiben konnte. Der BMW-Fahrer erwischte einen tollen Start, der ihn schon an Michael Schumacher vorbeigebracht hatte. Doch dann zog er nach innen, um ein Ausbremsmanöver des Ferrari zu verhindern und sammelte auf der schlechteren Seite ordentlich Schmutz auf seinen Gummis. Prompt verbremste er sich, und so schlüpfte Teamkollege Robert Kubica innen durch. Wie die Reifen wieder sauber waren, hatte die Konkurrenz den Mönchengladbacher bis auf Platz neun durchgereicht.

Vorne dagegen hielt der profitierende Kubica Felipe Massa auf, der eigentlich deutlich schneller fahren konnte. Alonos hielt so den Kontakt nach vorn. Massa und Kubica trafen sich nach den zweiten Boxenstopps wieder, erneut kam der Brasilianer nicht am Polen vorbei. Der Ferrari war in den Kurven klar schneller, auf den langen Geraden dagegen war der BMW unbesiegbar. Massa führte die Topspeed-Liste mit 349,9 km/h an, mit 349,0 km/h war Kubica auch ohne Windschatten kaum langsamer.

Ein neues Aerodynamik-Paket verhalf den Weißblauen mit dem dritten Rang von Kubica zum besten Ergebnis seit Teambestehen. Besonders auffällig war der Heckflügel mit kurzem Hauptblatt und umso längerem Flap am Ende. Doch die Monza-Konfiguration ist zu speziell, als das sich für die kommenden Rennen ein Trand ablesen ließe. Auch McLaren präsentierte sich deutlich stärker als zuletzt, auch dort kamen neue Flügel zum Einsatz.

Überholverbot wegen Turbulenzen

Theoretisch müsste man in Monza mit seinen ewigen Geraden und engen Schikanen gut überholen können müssen. Doch die Realität sieht anders aus. “Du hältst zum Vordermann besser Abstand, sonst wird das Auto zu unruhig“, sagte Michael Schumacher, der Kimi Räikkönen erst attackierte, als dieser vor ihm zur Box abgebogen war.

In der Boxengasse vergeigte Heidfeld sein Rennen endgültig. Weil er zu heftig bremste, ging der Motor ins Anti-Stall-Programm, das ein Abwürgen verhindert. Bis Heidfeld wieder eingekuppelt und sich sortiert hatte, war er schon in die Radar-Falle getappt. Statt der Chance auf Platz drei, erbte er lediglich einen Punkt.

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