Rennanalyse GP Japan 2015

Deshalb hat Rosberg den Start verbockt

Lewis Hamilton & Nico Rosberg - GP Japan 2015 Foto: xpb 60 Bilder

Der Start entschied den Grand Prix von Japan. Wir verraten in der Rennanalyse, warum Lewis Hamilton seinen Teamkollegen einfach ausbeschleunigte. Dazu klären wir wie immer die letzten offenen Fragen des Rennens.

Was lief bei Rosberg am Start schief?

Die Startprozedur ist bei den beiden Mercedes-Autos identisch. Der Fahrer kann aber einen entscheidenden Unterschied machen: "Es kommt auf die Reaktionszeit an, wie gefühlvoll man den Kupplungshebel freilässt und wie viel Gas man gibt", erklärte Lewis Hamilton nach dem Rennen. "Und auch die Temperaturen in der Kupplung und in den Reifen müssen stimmen. Das ist manchmal echt ein Glücksspiel. Manchmal passt es, manchmal nicht."

Doch dieses Mal waren alle genannten Parameter identisch. Rosberg kam sogar etwas besser von der Linie weg. Doch dann gab der Silberpfeil mit der Nummer 44 plötzlich mehr Gas. "Weil der Motor bei Nico in der Aufwärmrunde zu heiß geworden ist, gab es ein Drehmomentloch", erklärte Teamchef Toto Wolff nach Blick auf die Daten. Rosberg wollte die Schuld aber nicht auf sich nehmen. Angeblich habe er mehr für die Motorkühlung gemacht als der Teamkollege. Die Ingenieure untersuchen noch, wo das Problem genau lag.

Warum unterlief Ferrari der Strategie-Fehler bei Vettel?

Nach dem Rennen kritisierte Sebastian Vettel, dass er Rang 2 wegen einer falschen Strategie verloren hatte. Konkurrent Rosberg war mit einem frühen Stopp in Runde 29 am Ferrari vorbeigegangen. Es war die erstbeste Gelegenheit, die von den Silberpfeil-Strategen berechnet wurde. Eine Runde früher wäre der Mercedes-Pilot noch hinter Hülkenberg im Verkehr herausgekommen. So hatte er auf seiner Outlap freie Fahrt und konnte die nötigen Sekunden gutmachen.

Der Ferrari-Konter ein Umlauf später blieb erfolglos. "Wir hätten auch früher an die Box kommen können, entschuldigte sich Teamchef Maurizio Arrivabene anschließend. "Aber wegen der verkürzten Trainingszeit wussten wir nicht, wie lange die Reifen halten. Das Risiko war zu groß." Von Mercedes war zu hören, dass man auch nicht sicher war, ob der Gummi über die Distanz reicht. Doch die Taktiker aus Brackley wagten den Angriff.

Grund für die Ungewissheit war der verregnete Trainingsfreitag. Es blieb den Ingenieuren nur eine Stunde im dritten Training am Samstag um Daten zu sammeln. Und dort machte Ferrari den entscheidenden Fehler: Beide Fahrer wurden nur für ihre Installationsrunde mit harten Reifen auf die Bahn geschickt. Für die Longruns rückte man ausschließlich mit Medium-Gummis aus. Wegen der hohen Temperaturen im Rennen war der harte Reifen aber der bessere. Die Ingenieure hatten jedoch nicht genügend Erfahrung. Und bei Ferrari hatten nicht den Mut zum Risiko.

Warum knallte Sainz in die Pylone?

Es war eine kleine Slapstick-Einlage, die Carlos Sainz in der 27. Runde auf den Asphalt legte. Beim Versuch in die Boxen abzubiegen, nahm der Toro Rosso-Junior die Pylone mit, mit der Strecke und Boxengasse voneinander getrennt sind. Dabei ging der Frontflügel zu Bruch: "Das war furchtbar. Ich wollte es gar nicht über Funk melden. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen. Wir hatten so eine gute Pace. Das Auto hat ausnahmsweise gehalten. Und dann mache ich solch einen Anfängerfehler", übte der Rookie später Selbstkritik.

Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen? Sainz hatte eine plausible Erklärung parat: "Ich befand mich im Zweikampf mit Maldonado vor mir. Mein Ingenieur hat eine Alternativ-Taktik vorgeschlagen. Ich sollte am Boxeneingang das Gegenteil von ihm machen. Er ist dann eine komische Linie gefahren und ich dachte er biegt ab. Doch dann fuhr er weiter und ich musste plötzlich in die Box. Da habe ich die Einfahrt leider nicht mehr ganz bekommen."

Warum bekam Maldonado von Lotus ein Sonderlob?

Pastor Maldonado ist nicht gerade für eine besonnene Fahrweise bekannt. Auch die Ingenieure bei Lotus schütteln regelmäßig den Kopf, wenn es der Hitzkopf aus Venezuela mal wieder übertreibt. Doch in Suzuka gab es von Chefingenieur Alain Permane ein Sonderlob: "In den letzten Runden haben bei Romain (Grosjean) die Reifen extrem abgebaut. Wir haben Pastor deshalb gebeten, die Position zu halten und nicht anzugreifen."

Maldonado akzeptierte den Nichtangriffspakt ohne zu Murren. Er bestätigte den Befehl über Funk und ließ sich etwas zurückfallen. "Das rechne ich ihm wirklich hoch an", atmete Permane durch. "Ich weiß, dass Romain ihn im Zweikampf nicht einfach vorbeigelassen hätte. Ich habe schon gesehen, wie sich unsere WM-Punkte in den letzten Kurven in Luft auflösen. Deshalb waren wir froh, dass er zurückgesteckt hat."

Wie lange war Mercedes im TV-Bild zu sehen?

Die Mercedes-Verantwortlichen beklagten nach dem Rennen, dass Lewis Hamilton und Nico Rosberg zu selten im Bild waren. "Ich weiß gar nicht, wie das Rennen ausgegangen ist", übte sich Teamchef Toto Wolff in Galgenhumor. Niki Lauda feuerte hinterher: "Ich habe viele Sauber- und Honda-Autos gesehen. Ich muss bei Bernie Ecclestone mal nachfragen, was da los war." Der Formel 1-Boss straft Teams gerne mal mit reduzierter Sendezeit ab, die nicht nach seiner Pfeife tanzen.

Aber war Mercedes wirklich weniger im Bild als sonst? Beim Doppelsieg in Suzuka zählten Statistiker knapp 6 Minuten. Mercedes war nur am Start, bei den Boxenstopps, der Zieldurchfahrt und dem Überholmanöver von Rosberg gegen Bottas im Bild. Zum Vergleich die Zahlen der letzten Rennen: Singapur - 10 Minuten, Monza - 30 Minuten, Spa - 26 Minuten und Ungarn - 45 Minuten. Der Unterschied ist also signifikant. Vor allem bei Siegen wurde Mercedes früher deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Highlights des Rennens in Suzuka.

GP Japan 2015: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit / Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:28.06,508 Std.
2. Nico Rosberg Mercedes + 0:18.964 Min.
3. Sebastian Vettel Ferrari + 0:20.850
4. Kimi Räikkönen Ferrari + 0:33.768
5. Valtteri Bottas Williams + 0:36.746
6. Nico Hülkenberg Force India + 0:55.559
7. Romain Grosjean Lotus + 1:12.298
8. Pastor Maldonado Lotus + 1:13.575
9. Max Verstappen Toro Rosso + 1:35.315
10. Carlos Sainz Jr. Toro Rosso + 1 Runde
11. Fernando Alonso McLaren + 1 Runde
12. Sergio Perez Force India + 1 Runde
13. Daniil Kvyat Red Bull + 1 Runde
14. Marcus Ericsson Sauber + 1 Runde
15. Daniel Ricciardo Red Bull + 1 Runde
16. Jenson Button McLaren + 1 Runde
17. Felipe Massa Williams + 2 Runden
18. Alex Rossi Manor + 2 Runden
19. Will Stevens Manor + 3 Runden
20. Felipe Nasr Sauber + 4 Runden
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