Rennanalyse GP Kanada 2017

Hat Ferrari Boxenstopp verpennt?

Sebastian Vettel - GP Kanada 2017 Foto: xpb 73 Bilder

Lewis Hamilton hatte in Kanada leichtes Spiel, nachdem Sebastian Vettel schon früh vom Pech getroffen wurde. In der Analyse klären wir die wichtigsten Fragen zum Rennen.

War Mercedes in Montreal unschlagbar?

Nach der Pleite von Monaco schlug Mercedes nur 14 Tage später in Montreal mit dem ersten Doppelsieg der Saison zurück. Laut Teamchef Toto Wolff haben die Ingenieure in der Pause Tag und Nacht durchgearbeitet, um die Daten zu analysieren und nach Verbesserungen zu suchen. Der Aufwand lohnte sich. Nach der Pole Position am Samstag fuhr Hamilton am Rennsonntag einen überlegenen Start-Ziel-Sieg nach Hause.

Dem dreifachen Weltmeister wurde die Arbeit allerdings auch leicht gemacht. Der größte Konkurrent war schon nach 320 Metern eliminiert. Sebastian Vettel fiel nach der Kollision mit Verstappen und dem Reparaturstopp bis ans Ende des Feldes zurück. Doch wie wäre das Rennen bei einem normalen Rennverlauf ausgegangen? „Sebastian hatte Pech, dass er von Max rasiert wurde. Aber ich glaube, dass wir heute ein sehr schnelles Auto hatten. Unsere Pace war sehr stark“, analysierte Toto Wolff.

Bei Ferrari hörte man am Funk dagegen von Problemen mit dem Grip und erhöhten Temperaturen. „So etwas passiert, wenn man im Verkehr hängt. Da multiplizieren sich kleine Probleme. Bei freier Fahrt ist alles viel einfacher“, zeigte Wolff Verständnis. Die gleiche Schlussfolgerung zog auch Vettel: „Mercedes sah sehr stark aus. Aber sie hatten auch ein ganz anderes Rennen als wir. Sie konnten alles kontrollieren. Das ist immer eine ganz andere Geschichte.“ Konkurrent Hamilton war nicht unglücklich darüber, dass er auf das direkte Duell verzichten musste. „Ich war auf einen engen Kampf vorbereitet. Aber nach seiner Serie von ersten und zweiten Plätzen bin ich ganz froh, dass es dieses Mal nur Rang vier wurde.“

Warum wurde Vettel nicht in der Safety-Car-Phase reingeholt?

Der Traum vom Sieg war für Vettel schon in der ersten Kurve ausgeträumt. Der Heppenheimer wurde ordentlich in die Mangel genommen: „Ich konnte nirgendwo hin, weil ich Bottas innen abwehren wollte. Wenn ich noch später bremse, rausche ich Lewis ins Heck. So kam Max außen an mir vorbei.“ Beim Einlenken fuhr Verstappen dem Ferrari über den Frontflügel. „Da hatte er Glück. Normalerweise handelt man sich bei sowas einen Plattfuß ein.“

Statt der erhofften Führung, fand sich Vettel auf dem vierten Platz wieder. Mit einem angeschlagenen Frontflügel. Doch warum wurde das beschädigte Teil nicht in der anschließenden Safety-Car-Phase getauscht? Die Erklärung ist einfach: Vettel hatte Pech im Unglück. Der Flügel schien nur leicht angeknackst. Bei verlangsamtem Tempo konnten die Ingenieure nicht sehen, wie sehr die Abtriebswerte beeinträchtigt waren.

Als in der vierten Runde wieder freie Fahrt angesagt war, zersplitterte der Flügel in tausend Teile. Der Reparatur-Stopp bei Renntempo dauerte acht Sekunden länger als ein normaler Reifenwechsel, was den Ferrari ans Ende des Feldes zurückwarf. Trümmerteile des Flügels hatten zudem Unterboden und Leitbleche beschädigt, was die Aerodynamik störte. Zwei Zehntel pro Runde war Vettel dadurch langsamer, rechneten die Ingenieure aus. „Es war einfach nicht mehr das Auto, das ich vom Rest des Wochenendes her kannte“, klagte der Pilot.

Wer hatte Schuld am großen Startcrash?

Das Safety-Car war in der ersten Runde erst durch die Kollision von Carlos Sainz und Felipe Massa notwendig geworden. Ausgelöst wurde das Chaos in Kurve drei aber schon ein paar Meter weiter vorher durch den Kontakt zwischen Sainz und Romain Grosjean. „Sein Verhalten hat mich an meinen Crash 2012 in Spa erinnert“, zeigte Grosjean so etwas wie Verständnis. Damals hatte der Franzose durch zu aggressive Spurwechsel eine Massenkollision ausgelöst und wurde ein Rennen gesperrt.

Sainz verteidigte sich, dass der Haas-Renner in seinem toten Winkel lag: „Ich habe ihn nicht in meinem Spiegel gesehen.“ Haas-Teamchef Günther Steiner hatte dafür nur Spott übrig: „Dann braucht er entweder eine Brille oder größere Spiegel.“ Auch die FIA-Kommissare sahen Sainz als den Auslöser der vermeidbaren Kollision. Die Annahme, dass sich im Startgetümmel kein Auto neben ihm befinde, bezeichneten die Stewards als „leichtsinnig“ und „potenziell gefährlich“. Das Urteil: Rückversetzung um drei Startplätze beim nächsten Rennen in Baku.

Wäre eine Force India-Stallregie sinnvoll gewesen?

Bei Force India gab es während des Rennens große Diskussionen am Funk. Ein seltenes Podium schienen für die rosaroten Panther in Reichweite. Nur Daniel Ricciardo stand Sergio Perez und Esteban Ocon im Weg. Doch wie konnte man den Red Bull knacken? Ocon war der Meinung, dass er es mit den frischeren Reifen schaffen könnte. Daraufhin fragte die Teamleitung bei Perez nach, ob er den Platz mit seinem Kollegen tauschen könne, damit der Franzose einen Angriff wagen kann. Doch Perez dachte gar nicht daran.

So wurden beide am Ende auch noch von Sebastian Vettel eingeholt. Die Teamleitung versuchte die Wogen anschließend zu glätten. „Das war keine Stallorder, sondern nur eine Diskussion“, erklärte Sportchef Otmar Szafnauer. Technikdirektor Andy Green glaubt nicht, dass ein Platztausch etwas gebracht hätte: „Um hier in Kanada zu überholen, muss man eine Sekunde schneller sein als der Konkurrent. Das waren weder Sergio noch Esteban.“ Szafnauer legte noch einen nach: „Sergio ist der beste Überholer im Feld. Wenn er es nicht vorbei schafft, dann auch kein anderer Pilot.“

Warum fuhr Lewis Hamilton die schnellste Runde?

Hamilton fuhr an der Spitze gemütlich einen Start-Ziel-Sieg nach Hause. Nur einmal gab der Brite plötzlich Gas. In Runde 64 drehte er die schnellste Rennrunde. „Wir haben am Kommandostand diskutiert, ob es einen Pokal für die schnellste Runde gibt, von der wir nichts wussten“, witzelte Teamchef Toto Wolff. Doch für den Piloten steckte angeblich mehr als nur die Statistik dahinter: „Die Ingenieure wollen von uns nach dem Rennen immer wissen, wie sich das Auto angefühlt hat. Ich war aber die ganze Zeit mit Halbgas unterwegs und hätte keine vernünftigen Aussagen machen können. Deshalb bin ich kurz ans Limit gegangen, um zusätzliche Informationen zu sammeln, die uns in Zukunft helfen könnten.“

Warum bekam Daniil Kvyat gleich zwei Strafen?

Für Daniil Kvyat begann das Pech in Montreal schon vor dem Start. Beim Anfahren in die Einführungsrunde, starb plötzlich der Motor ab. Den Regeln nach hätte der Pilot seine ursprüngliche Position noch vor der Safety-Car-1-Linie wieder einnehmen müssen, um aus der Startaufstellung starten zu dürfen. Da Kvyat das nicht schaffte, hätte er eigentlich aus der Boxengasse losfahren müssen.

Für das Vergehen sieht das Regelbuch normalerweise eine 10-Sekunden Stop-and-Go-Strafe vor. Doch im Eifer des Gefechts wurde nur eine normale Durchfahrtsstrafe ausgesprochen. Deshalb legten die Kommissare noch eine 10-Sekunden Zeitstrafe nach. Kvyat war von dem ganzen Chaos wenig begeistert. „Diese dumme Regel gehört abgeschafft. Sind wir Taxi-Fahrer oder Formel 1-Piloten? Das ist ein bescheuerter Zirkus hier.“ Auch Rennleiter Charlie Whiting bekam sein Fett weg: „Ich werde darüber mit Charlie (Whiting) sprechen. Es ist ein einfacher Job, aber nicht nicht mal den kann er ordentlich erledigen.“

GP Kanada 2017: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit / Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:33.05,153 Std.
2. Valtteri Bottas Mercedes + 0:19.783 Min.
3. Daniel Ricciardo Red Bull + 0:35.297
4. Sebastian Vettel Ferrari + 0:35.907
5. Sergio Perez Force India + 0:40.476
6. Esteban Ocon Force India + 0:40.716
7. Kimi Räikkönen Ferrari + 0:58.632
8. Nico Hülkenberg Renault + 1:00.374
9. Lance Stroll Williams + 1 Runde
10. Romain Grosjean Haas + 1 Runde
11. Jolyon Palmer Renault + 1 Runde
12. Kevin Magnussen Haas + 1 Runde
13. Marcus Ericsson Sauber + 1 Runde
14. Stoffel Vandoorne McLaren + 1 Runde
15. Pascal Wehrlein Sauber + 2 Runden
16. Fernando Alonso McLaren Ausfall
17. Daniil Kvyat Toro Rosso Ausfall
18. Max Verstappen Red Bull Ausfall
19. Felipe Massa Williams Ausfall
20. Carlos Sainz Jr. Toro Rosso Ausfall
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