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Lewis Hamilton - GP Mexiko 2016
Sebastian Vettel - GP Mexiko 2016
Verstappen & Ricciardo - GP Mexiko 2016
Force India - GP Mexiko 2016 71 Bilder

Rennanalyse GP Mexiko 2016

Ferrari hat Vettel falsch informiert

So viel Action wie in Mexiko gab es schon lange nicht mehr: Lewis Hamilton und Max Verstappen kürzen ab. Der eine wird bestraft, der andere nicht. Sebastian Vettel stolpert über die neue Überholregel und beleidigt FIA-Rennleiter Charlie Whiting. Für das eine gibt es eine Strafe, für das andere nicht. Warum? Wir haben bei der Rennleitung nachgefragt und liefern die Antworten.

Dieser GP Mexiko wird in die Geschichte eingehen. Nicht nur, weil es drei Dritte gab. Auch, weil der 19. Lauf der Formel 1-WM 2016 viele Kontroversen hervorbrachte, über die später in der Rennleitung und im Büro der Sportkommissare debattiert wurde. Und natürlich auch im Fahrerlager und unter den Fans. Man konnte leicht den Überblick verlieren bei so vielen Zwischenfällen. Wir haben bei der Rennleitung nachgefragt, warum die Entscheidungen so getroffen wurden.

Warum gab es keine Strafe nach Verstappen-Rosberg-Kollision?

Die Action ging schon beim Start los. Max Verstappen rempelte Nico Rosberg von der Bahn. Die Schiedsrichter entschieden: „Keine Strafe.“ Weil Verstappen nicht absichtlich gegen den Mercedes gelenkt hatte, sondern in ihn hineingerutscht war. Außerdem behielt Rosberg seinen zweiten Platz.

Einige sahen im Ausweichmanöver von Rosberg ein unfaires Ausweichen neben die Strecke. Doch die Helikopter-Perspektive belegte eindeutig, dass der Mercedes neben die Piste bugsiert wurde. Rosberg kürzte den Scheitelpunkt der Kurve anschließend nur ab, um eine weitere Kollision zu verhindern.

Warum gab es die Strafe für Verstappen, aber nicht für Hamilton?

Lewis Hamilton rodelte in der ersten Kurve quer über die Wiese und fädelte sich in der dritten Kurve wieder ein. Die Vorderradbremsen hatten unterschiedliche Temperaturen, und der Mercedes setzte in der Bremszone auf. Diesen Vorfall muss man im Zusammenhang mit dem Duell Max Verstappen gegen Sebastian Vettel in der 68. Runde sehen. Es sah aus wie eine Kopie der Hamilton-Nummer. Verstappen hatte viel zu spät gebremst, die zweite Kurve abgekürzt und sich vor den Ferrari wieder auf Platz 3 gesetzt.

Verstappen bekam eine Fünfsekunden-Strafe. Hamilton ging straffrei aus. Red Bull-Teamchef Christian Horner beschwerte sich, dass das gleiche Vergehen nicht gleich behandelt wurde. Im Red Bull-Lager wurde vermutet, dass wieder einmal Sportkommissar Gerry Connelly hinter der vermeintlichen Willkür steckte. Der Amerikaner hatte angeblich in Suzuka Mercedes zu einem Protest gegen Verstappen angestiftet.

Falsch. FIA-Rennleiter Charlie Whiting erklärt den entscheidenden Unterschied. „Hamilton hatte keinen nachhaltigen Vorteil durch das Abkürzen. Er lag klar vor Rosberg und Verstappen und kam genauso klar vor ihnen wieder raus. Auch weil sich Rosberg und Verstappen berührt hatten und dadurch Zeit verloren. Hamilton wäre so oder so in Führung geblieben. Außerdem hat er noch vor dem VSC-Signal wieder etwas von seinem Vorsprung hergeschenkt.“

Bei Verstappen lag der Fall anders. „Er konnte sich gegen Vettel nur verteidigen, indem er so spät gebremst und dann abgekürzt hat. Hätte Max so gebremst, dass er die Kurve geschafft hätte, wäre Vettel vorbei gewesen.“

Warum verlor Vettel noch seinen dritten Platz?

Das Duell Daniel Ricciardo gegen Sebastian Vettel ging nach dem Rennen in eine zweite Runde. 3 Stunden nach dem Rennen addierten die Sportkommissare 10 Sekunden auf Vettels Gesamtzeit und verpassten ihm auch noch 2 Strafpunkte. Sie konnten gar nicht anders. Erst 9 Tage zuvor hatte die FIA die Überholregeln aktualisiert und um den Punkt erweitert: Spurwechsel auf der Bremse sind verboten, wenn sie den Gegner zu einem Ausweichmanöver zwingen und ihn in Gefahr bringen.

Die Telemetriedaten bewiesen, dass beide Fahrer zum Zeitpunkt des Spurwechsels auf der Bremse standen. Die Videos zeigten auch, dass Ricciardo immer weiter nach innen gedrückt wurde, was schließlich dazu führte, dass die Vorderräder blockierten und der Ferrari und der Red Bull zwei Mal Kontakt hatten. Dabei war es völlig egal, dass Ricciardo bereits neben Vettel war, als der nach links lenkte und nicht wie Verstappen in Suzuka Hamilton dazu zwang, vom Gas zugehen, um aus der Falle zu kommen.

Whiting erklärt, warum die Sportkommissare Garry Connelly, Jorge Rodriguez, Silvia Bellot und Danny Sullivan eine Strafe aussprechen mussten: „Wir haben mit der Klarstellung der Regel ein neues Kapitel aufgeschlagen. Es gab 3 Fragen: War das Manöver potenziell gefährlich? Musste Ricciardo ausweichen? Hat Vettel unnatürlich die Spur gewechselt. Die Antwort ist drei Mal ja.“

So kam es zu dem kuriosen Ergebnis, dass Vettel über eine Regel stolperte, die er und seine Fahrerkollegen initiiert hatten, um Verstappen zu erziehen. Und dass Red Bull von einer Regel profitierte, die man immer noch ablehnt. „Regel ist Regel“, bedauerte Teamchef Christian Horner.

Warum gab es keine Strafe wegen Schiedsrichterbeleidigung?

Schließlich schlugen nach dem Rennen noch die Wogen hoch, weil Vettel am Funk verbal um sich schlug. Gegen Massa, gegen Verstappen, gegen Überrundete, die nicht schnell genug Platz machten und dann auch noch gegen FIA-Rennleiter Charlie Whiting. Den bedachte der Ferrari-Pilot mit dem englischen Kraftausdruck „Fuck off Charlie.“ Ein Piepton verhinderte, dass das in England verpönte Wort ganz zu hören war.

Es gab in FIA-Kreisen die Meinung, dass Vettel dafür bestraft hätte werden müssen. „Wenn du beim Fußball so etwas zum Schiedsrichter sagst, kriegst du eine rote Karte.“ Whiting blieb ruhig. Auch weil sich Vettel gleich nach dem Rennen für die Entgleisung entschuldigte. Weil Whiting Verständnis zeigte, dass in der Hitze des Gefechts auch mal unbedachte Worte fallen. Und weil Ferrari nicht ganz unschuldig daran war, dass Vettel so ausrastete.

Der Kommandostand hatte seinem Fahrer zwei Mal gesagt, dass Verstappen dazu verdonnert wurde, den Platz zurückzugeben. Als der Holländer aber weiter vor ihm herkurvte und ihn damit in die Schusslinie von Ricciardo brachte, schwoll Vettel der Kamm.

Tatsächlich gab es die Aufforderung des Platztausches an Verstappen nie. Sie kam im vorauseilenden Gehorsam von Red Bull selbst. Doch als die bei Whiting am Funk nachfragten, ob Verstappen die Position zurückgeben müsse, hieß es von dort: „Wir untersuchen noch.“

Idealerweise hätten die Sportkommissare ihre Entscheidung sofort getroffen. Doch das sehen die Regeln nicht vor. Sie haben es bis 6 Minuten nach Rennende trotzdem im Rekordtempo geschafft. Und wurden dafür kritisiert. Eine Stimme aus der FIA: „Jetzt sind wir mal schnell, und können es doch keinem Recht machen.“

Die Bilder zu dem verrückten Rennen zeigen wir Ihnen in der Galerie

GP Mexiko 2016: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit / Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:40.31,402 Std.
2. Nico Rosberg Mercedes + 0:08.354 Min.
3. Daniel Ricciardo Red Bull + 0:20.858
4. Max Verstappen Red Bull + 0:21.323
5. Sebastian Vettel Ferrari + 0:27.313
6. Kimi Räikkönen Ferrari + 0:49.376
7. Nico Hülkenberg Force India + 0:58.891
8. Valtteri Bottas Williams + 1:05.612
9. Felipe Massa Williams + 1:16.206
10. Sergio Perez Force India + 1:16.798
11. Marcus Ericsson Sauber 1 Runde
12. Jenson Button McLaren 1 Runde
13. Fernando Alonso McLaren 1 Runde
14. Jolyon Palmer Renault 1 Runde
15. Felipe Nasr Sauber 1 Runde
16. Carlos Sainz Jr. Toro Rosso 1 Runde
17. Kevin Magnussen Renault 1 Runde
18. Daniil Kvyat Toro Rosso 1 Runde
19. Esteban Gutierrez Haas 1 Runde
20. Romain Grosjean Haas 1 Runde
21. Esteban Ocon Manor 2 Runden
22. Pascal Wehrlein Manor Ausfall
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