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Rennanalyse GP Österreich 2017

Raketenstart und Blasenbildung

Zwei Fragen bestimmten den GP Österreich 2017. Eine drehte sich um den Start von Valtteri Bottas, die zweite um die Pirelli-Reifen, die von Blasen befallen wurden. In unserer Rennanalyse widmen wir uns diesen und weiteren Brennpunkten.

Warum hatte Bottas keinen Frühstart?

Der Sieger des GP Österreich sprach vom besten Start seiner Karriere. Sebastian Vettel war dagegen fassungslos. „Ich war totsicher, dass er losgefahren ist, als die Ampel noch rot war.“ Die Zeitlupe ließ keinen Frühstart erkennen. Auf dem TV-Monitor erschien die Reaktionszeit: 0,201 für Bottas, 0,369 Sekunden für Vettel. Die Daten kamen von der FOM, also den Rechteinhabern.

GP Österreich 2017 - Spielberg - Start - Rennen
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Es ist in diesem Fall aber nicht entscheidend. Die Rennleitung misst über einen Transponder im Auto und über einen Bewegungssensor im Asphalt, ob ein Auto zu früh angerollt ist oder nicht. Es gibt dabei eine Toleranz von wenigen Zentimetern. Weil ein Rennwagen schon mal etwas vorruckeln kann, sobald der Fahrer den Gang einlegt. Beim Datenstudium kam heraus, dass sich Bottas tatsächlich marginal zu früh bewegte. Jedoch innerhalb der Toleranz, weshalb ihn die Sportkommissare straffrei davonkommen ließen. Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis sie ihr Urteil verkündeten. Die Technik spielte zwischenzeitlich verrückt und ließ das Computernetzwerk vorübergehend zusammenbrechen.

Warum kam es zu Blasenbildung?

Vor dem Start schauten alle auf den Himmel, weil man Regen befürchtete. Während des Rennens verlagerte sich der Blick auf die Pirelli-Reifen. Je länger die Autos fuhren, desto stärker bildeten sich Blasen auf der Reifenoberfläche. Es betraf die beiden weichsten Reifenmischungen. Den Ultrasoft dabei stärker als den Supersoft. Der Softreifen blieb hingegen verschont. Die Topteams verzichteten trotzdem darauf. „Es war ein unglaublich schnelles Rennen, in dem die Piloten am wenigsten darauf geachtet haben, die Reifen zu schonen“, beurteilte Pirelli-Sportchef Mario Isola.

Das hohe Tempo sorgte in Kombination mit anderen Faktoren dafür, dass sich Blasen entwickelten. Erstmal wäre da die hohe Asphalttemperatur. Sie schwankte zwischen 44 und 51 Grad und war so hoch wie nie an diesem Wochenende. Zweitens fehlte es den Teams an Erfahrungswerten. „Im Training fuhren sie maximal 25 Runden am Stück. Keiner wusste, was ab 30 oder 40 passiert.“

Auf dem Red Bull-Ring verzögern die Autos vier Mal in der Runde stark. Teilweise aus Geschwindigkeiten von über 320 km/h. Das belastet die Vorderreifen. Für bessere Performance reizen die Teams die Sturzwerte aus. Pirelli gestattete in Spielberg maximal 3,5 Grad negativen Sturz an der Vorderachse. „Die Vorderreifen liegen dadurch auf einem schmaleren Streifen auf. Die Temperaturen steigen beim Bremsen stark an. In Kombination mit dem Streckenlayout entwickeln sich vorne deshalb Blasen“, erklärt Isola.

Blasenbildung an der Vorderachse hatte Pirelli bereits in den Freien Trainings festgestellt. Hinten dagegen nicht. Bei den hinteren Walzen liegt die Problematik woanders. Aus den langsamen Kurven ist eine gute Traktion gefragt. Je länger die Autos fuhren, desto stärker verschlissen die Gummis. Der hohe Speed und die Temperaturen ließen den Reifen auf Dauer überhitzen. Das Gummi hat an den Stellen, wo die Blasen entstehen, teilweise über 140 Grad. Normal sind um die 110. „Nach drei Runden auf den Ultrasofts hatte ich Blasen. Je länger ich fuhr, desto schlechter konnte ich in Rechtskurven einlenken“, klagte Sieger Bottas. An Performance büßten die Reifen allerdings nicht ein. Hamilton drehte in der 39. Runde auf Ultrasofts die schnellste Rennrunde. Räikkönen schaffte auf Ultrasofts 44 Bahnen am Stück. Ohnehin hatte Ferrari weniger Probleme als Mercedes und Red Bull.

War Platz vier das Maximum für Hamilton?

Ein Getriebewechsel vor dem Wochenende zwang Lewis Hamilton um fünf Plätze zurück. Im Qualifying drehte er die drittschnellste Zeit, weshalb er von der achten Position startete. Mercedes setzte seinen dreifachen Weltmeister im Gegensatz zu den Vordermännern auf Supersoft-Reifen für den Start. Was Hamilton womöglich einen besseren Startplatz kostete, weil er in Q2 auf Supersofts fahren musste. Und ihm in Q3 die Erfahrung mit Ultrasofts fehlte.

Im Rennen erwischte Hamilton in der Anfangsphase den Force India von Sergio Perez und den HaasF1 von Romain Grosjean. An Räikkönen biss er sich für 13 Runden die Zähne aus. Mercedes löste das Problem, indem man den Fahrer früher an die Box lotste. „Der Supersoft gab uns die strategische Möglichkeit, einen Undercut oder Overcut zu machen“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Undercut bedeutet früherer, Overcut späterer Reifentausch.

Die Strategen warteten bis zur 31. Runde. Da war Grosjean aus dem Boxenstoppfenster gefallen. Ferrari verschlief den Moment. „Ferrari hat uns eine Möglichkeit geschenkt, wir sagten Danke. Wir wollten nicht weiter kostbare Zeit verlieren. Mit dem Wechsel auf Ultrasoft war der Undercut locker drin.“ Bei Mercedes vermutete man, dass Ferrari Räikkönen mal wieder opferte, damit Hamilton zu viel Boden auf die ersten drei verliert. Das waren Bottas, Vettel und Daniel Ricciardo. Der Finne quälte sich übrigens mit seinem Display ab, das ihm die Ansicht bestimmter Fahrzeugeinstellung verweigerte. Ferrari versuchte vergeblich, Anweisungen für einen Neustart zu geben.

In der Schlussphase hätte Hamilton beinahe noch Ricciardo das Podest weggenommen. Ein Fehler des Australiers in Kurve eins eröffnete Hamilton eine Chance. Ricciardo verteidigte sich zwei Mal. Zuerst in Kurve drei, dann in Kurve vier. „Wir hatten deutlich mehr Topspeed. Aber das Rundenzeiten-Delta hat nicht gereicht, um Ricciardo ohne einen weiteren Fehler zu überholen. Wir konnten nicht in der schnellen Kurve neun am Red Bull dranbleiben. Sie hatten wirklich ein sauschnelles Auto.“

Hamilton kreuzte als Vierter den Zielstrich. Es war das Maximum, was die Strategen ohne ein Safety Car, Regen oder sonstige Zwischenfälle errechnet hatten. „Es war maximale Schadensbegrenzung. Als ich an Kimi vorbei war, lag ich bereits 14 Sekunden hinter Valtteri. Im Ziel waren es sieben. Ich war der schnellste Mann“, meinte Hamilton.

Wie kam es zur Startkollision?

Während Bottas einen Traumstart zauberte, verhungerte Max Verstappen auf den ersten Metern. Ein Kupplungsproblem lähmte den RB13. „Ich wusste schon in der Einführungsrunde, dass etwas nicht stimmte. Am Start selbst ging der Motor in den Anti-Stall-Modus, um nicht abzusterben.“ Die Gegner schossen rechts und links an ihm vorbei. Keiner traf ihn, bis in der ersten Kurve Fernando Alonso. Der Spanier trug allerdings keine Schuld. Der Übeltäter war mit Daniil Kvyat im Toro Rosso schnell gefunden.

Mit qualmenden Vorderreifen schoss der STR12 mit der Startnummer 26 zunächst in den McLaren und drückte diesen in Verstappen. Für Red Bulls Wunderknaben und Alonso war das Rennen beendet. Durch den Zusammenstoß brach am Red Bull ein Lager in der Kupplung.

Kvyat rechtfertigte sein ungestümes Manöver so: „Ich hatte einen guten Start, und musste plötzlich meinem Teamkollegen ausweichen. Ich konnte nicht wirklich viel vor mir erkennen. Alonso reagierte auf Verstappens Problem. Er hat es gesehen, ich nicht. Als er verlangsamte, verlor ich meine Referenzpunkte. Ich konnte den Unfall nicht mehr verhindern.” Die Sportkommissare um Mika Salo straften ihn mit einer Durchfahrtsstrafe ab.

Was war im Mittelfeld los?

HaasF1 geigte bereits im Qualifying groß auf. Im Rennen hielt sich Romain Grosjean vor beiden Force India. Das Layout des Red Bull-Rings kam den US-Rennwagen entgegen. So war man auf eine Runde und über die Distanz sogar schneller als Force India, das sich über drei Trainings abgeplagt hatte, die Reifen an Vorder- und Hinterachse zur gleichen Zeit anzuzünden.

Williams bekam über einen Umlauf die Vorderreifen einfach nicht auf Temperatur. Mit vollen Tanks und mit mehreren Runden am Stück glückte das Unterfangen endlich. Den Grundstein für doppelte Punkte legten Felipe Massa und Lance Stroll am Start. Beide umkurvten das Getümmel um Verstappen unbeschadet und machten viele Plätze gut. Als einer der wenigen Piloten auf Softreifen kämpfte Massa nicht mit Blasenbildung. Im Ziel verfehlte er Ocon im Force India nur um 0,935 Sekunden.

Renault erwischte einen schwarzen Tag. Nico Hülkenberg kroch aus dem Startblock. Auch sein Renault-V6 war plötzlich in den Anti-Stall-Modus verfallen, um nicht abzusterben. Sein Tempo auf Supersoft-Reifen war schlecht, weshalb Renault schon in Runde 14 auf Soft wechselte. “Es wurde nur schlimmer. Wir wissen nicht, warum. Es muss irgendwas am Auto sein. Normalerweise ist Nico eine halbe Sekunde schneller als Jolyon. Punkte wären drin gelegen„, ärgerte sich ein Ingenieur.

GP Österreich 2017: Rennergebnis

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Valtteri Bottas Mercedes 1:21.48,523 Std.
2. Sebastian Vettel Ferrari + 0.658
3. Daniel Ricciardo Red Bull + 6.012
4. Lewis Hamilton Mercedes + 7.430
5. Kimi Räikkönen Ferrari + 20.370
6. Romain Grosjean HaasF1 + 73.160
7. Sergio Perez Force India + 1 Runde
8. Esteban Ocon Force India + 1 Runde
9. Felipe Massa Williams + 1 Runde
10. Lance Stroll Williams + 1 Runde
11. Jolyon Palmer Renault + 1 Runde
12. Stoffel Vandoorne McLaren + 1 Runde
13. Nico Hülkenberg Renault + 1 Runde
14. Pascal Wehrlein Sauber + 1 Runde
15. Marcus Ericsson Sauber + 2 Runden
16. Daniil Kvyat Toro Rosso + 3 Runden
17. Carlos Sainz Toro Rosso Ausfall
18. Kevin Magnussen HaasF1 Ausfall
19. Fernando Alonso McLaren Ausfall
20. Max Verstappen Red Bull Ausfall
Motorsport Aktuell Lewis Hamilton - Mercedes - GP Österreich 2017 - Spielberg - Rennen Maximale Schadensbegrenzung für Hamilton Mercedes-Pilot wird Vierter in Österreich

Lewis Hamilton hat 6 Punkte auf Sebastian Vettel verloren.

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