Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018 sutton-images.com
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
Girls - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
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Rennanalyse GP Österreich 2018

Hat Mercedes geschlafen?

In unserer Rennanalyse beantworten wir Ihnen die offenen Fragen zum GP Österreich. Zum Beispiel, was bei Mercedes schief gelaufen ist, dass man Lewis Hamilton während des Virtuellen Safety Car nicht an die Box zitiert hat.

Max Verstappen ist der strahlende Sieger beim Heimrennen von Red Bull in Spielberg, Mercedes erlebt ein Katastrophen-Rennen. Den größten Einfluss hatten sowohl die zahlreichen technischen Defekte als auch die Probleme mit den Reifen. Wir bringen Licht ins Dunkel und analysieren das Rennen noch einmal für Sie.

Warum hat Lewis Hamilton während der VSC-Phase nicht gestoppt?

Das Unglück ereilte Mercedes innerhalb von nur wenigen Minuten. Erst rollte Valtteri Bottas in Runde 14 mit einem Hydraulikdefekt an der Lenkung aus. Daraufhin wurde das Virtuelle Safety Car ausgerufen. Die Spitzengruppe zögerte nicht lange und absolvierte den ersten Stopp, um sich im Vergleich zu einem Boxenstopp unter normalen Rennbedingungen Zeit zu sparen. Der einzige der aus der Favoriten-Gruppe draußen blieb: Lewis Hamilton.

Das wurde dem Mercedes-Pilot zum Verhängnis. „Da haben wir das Rennen verloren”, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Der Brite konnte im Anschluss keinen so großen Vorsprung mehr herausfahren, dass er die Führung hätte halten können Stattdessen fiel er bei seinem späteren Stopp in Runde 25 bis auf Platz vier zwischen Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel zurück. Chefstratege James Vowles meldete sich sogar persönlich am Funk, um sich für den Fauxpas zu entschuldigen und versuchte Hamilton für das verbleibende Rennen zu motivieren.

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
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Der Ausfall von Valtteri Bottas löste das Virtuelle Safety Car aus.

Aber was ging bei Mercedes am Kommandostand schief? “Wir hatten die Doppelführung und plötzlich haben wir gesehen, wie Valtteri angehalten hat. Wir hatten eine halbe Runde, um zu reagieren”, erklärt Wolff. „Aber wir haben nicht reagiert.” Das hatte mehrere Gründe: Zum einen dachte man, die VSC-Phase würde womöglich noch eine Runde länger dauern und so noch eine Möglichkeit zum Boxenstopp mit 8 Sekunden Zeitgewinn bieten. Zum anderen war man sich nicht sicher, was die Konkurrenz macht. Da man nur noch ein Auto auf der Strecke hatte, war man im Nachteil. Die Entscheidung hing auch davon ab, ob Ferrari und Red Bull ihre Strategie womöglich splitten. Wolff meint jedoch: “Normalerweise liegst du in einer VSC-Phase mit einem Stopp zu 80 Prozent richtig.”

Weshalb waren die Reifen ein großes Thema?

Müsste man ein Wort zum Wort des Rennens küren, wäre es wohl Blistering. Heißt: Blasenbildung auf den Reifen. Während am Freitag nach den Trainingssitzungen noch das Körnen der Ultrasoft-Reifen ein Thema war, ging es am Rennsonntag nur noch um die Blasenbildung. Bis auf Ferrari hatte fast jedes Team damit zu kämpfen. Dabei ging man vor dem Rennen noch davon aus, man könne mit einer Einstopp-Strategie locker über die 71 Runden kommen. Weit gefehlt. Zumindest im Fall von Lewis Hamilton und Daniel Ricciardo, die gleich zwei Mal zum Service an die Box kommen mussten. Die Einstopper retteten sich teilweise gerade so ins Ziel.

„Ich hatte so starke Blasenbildung, das habt ihr noch nie gesehen”, gab Romain Grosjean an seine Haas-Ingenieure über Funk durch, als er Vierter wurde. Auch Max Verstappen musste mit seinen Soft-Reifen am Ende extrem haushalten. Eine der Ursachen: Die Streckentemperaturen waren mit 50 Grad Celsius wesentlich höher als an den Vortagen. “Die Blasenbildung hat sich bei fast allen Fahrern gezeigt, vor allem mit dem Soft-Reifen im zweiten Stint”, sagt Pirelli-Motorsportchef Mario Isola. „Dieser Reifen nutzt sich weniger als die anderen Mischungen ab und so bleibt mehr Gummi darauf und Hitze darin. Das macht ihn empfindlicher für die Blasenbildung.”

Ferrari hatte offenbar weniger Probleme, weil das Auto generell sehr reifenschonend ist. “Ich habe ganz genau darauf geachtet, dass ich in den ersten fünf Runden vorsichtig mit dem Reifen umgehe”, verrät Sebastian Vettel. Bei Mercedes betonte man, dass auch das ständige Pushen diese Reaktion des Reifens fördert.

Wie rettete Max Verstappen seinen Sieg?

Zwar übernahm Max Verstappen bereits in Runde 26 die Führung, doch bis zum Ende des Rennens war es für den Holländer noch eine echte Zitterpartie. Nachdem Daniel Ricciardo wegen eines defekten Auspuff ausgefallen war, gingen die Ingenieure bei Red Bull auf Nummer sicher und nahmen auch bei Verstappen Leistung raus. Das kostete ihn zeitweise drei Zehntel. Ein Grund, weshalb Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel ihm immer näher kamen. Erst als der Abstand nur noch rund drei Sekunden betrug, erteilte man Verstappen freie Fahrt und erlaubte höhere Motordrehzahlen.

Fans - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
Red Bull
Max Verstappen hatte wohl die meiste Unterstützung von den Fans in Spielberg.

Zudem kämpfte der 20-Jährige wie alle anderen mit den Reifen. Erst drei Runden vor Schluss hatte er den Sieg wirklich vor Augen. Eine Überraschung – auch wenn man natürlich von Ausfällen profitierte. Denn die Trainingssitzungen am Freitag sahen alles andere als vielversprechend aus. „Max ist das Rennen mit einer sehr, sehr reifen Einstellung gefahren und hat die knifflige Situation mit den Reifen gemanagt. Er ist sehr kontrolliert zu unserem ersten Österreich-Sieg gefahren”, lobte ihn Teamchef Christian Horner.

Warum hat man bei Force India und Sauber am Ende die Plätze getauscht?

War das etwa Stallorder? Auf den ersten Blick hätte man es meinen können, als man beobachtete, wie am Ende bei Force India Sergio Perez plötzlich Esteban Ocon vorbeiließ und bei Sauber Marcus Ericsson Platz für Charles Leclerc machte. Dabei ging alles mit rechten Dingen zu. Denn die Plätze waren zuvor schon so vergeben. Man wollte bei beiden Teams lediglich dem Fahrer, der von hinten flotter ankam, die Chance geben noch auf den Vordermann der Konkurrenz aufzuholen. Das gelang im Falle von Force India bei Perez aber nicht. Er machte Jagd auf Kevin Magnussen im Haas, wurde aber von Williams-Pilot Lance Stroll aufgehalten und reihte sich deshalb wieder hinter Ocon ein. Gleiches Spiel bei Sauber: Auch hier konnte Ericsson nichts gegen Fernando Alonso im McLaren ausrichten und stellte sich deshalb wieder hinter Leclerc an.

Warum war Haas F1 so stark?

Haas F1 feierte passend zum 50. Grand Prix das beste Ergebnis der Teamgeschichte mit Platz 4 für Romain Grosjean und Platz 5 für Kevin Magnussen. Zum ersten Mal in dieser Saison holten beide Fahrer Punkte, insgesamt gelang das Kunststück dem Team schon zum dritten Mal. In der Konstrukteurs-WM hat man jetzt Platz 5 inne. Wie kommt es, dass Haas F1 in Spielberg so auftrumpfen konnte?

Zum einen liegen die schnellen Kurven dem Auto besonders gut. Zum anderen bekam man die Probleme vom Trainingsfreitag in den Griff. Man stellte den Heckflügel flacher und hatte so 3 km/h mehr Topspeed, was die richtige Reaktion war, um das Auto besser auszubalancieren. “Es war nicht nur dieses Wochenende. Wir haben das ganze Jahr gezeigt, dass das Auto konkurrenzfähig ist”, sagte Magnussen. Zudem ging die Entscheidung, die Taktik während der VSC-Phase zu splitten auf. Grosjean kam rein, Magnussen blieb draußen. Der Grund: Sind beide Autos gleichzeitig beim Service, verliert der hintere 4 bis 5 Sekunden beim Warten. Zwar kostete es auch rund 8 Sekunden, wenn man draußen bleibt. In diesem Fall machte es die direkte Konkurrenz von Force India aber genauso, weshalb es kein riesiger Nachteil war.

GP Österreich 2018: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Max Verstappen Red Bull 1:21.56,024 Std.
2. Kimi Räikkönen Ferrari + 0:01.504 Min.
3. Sebastian Vettel Ferrari + 0:03.181
4. Romain Grosjean HaasF1 + 1 Runde
5. Kevin Magnussen HaasF1 + 1 Runde
6. Esteban Ocon Force India + 1 Runde
7. Sergio Perez Force India + 1 Runde
8. Fernando Alonso McLaren + 1 Runde
9. Charles Leclerc Sauber + 1 Runde
10. Marcus Ericsson Sauber + 1 Runde
11. Pierre Gasly Toro Rosso + 1 Runde
12. Carlos Sainz Renault + 1 Runde
13. Lance Stroll Williams + 2 Runden
14. Sergey Sirotkin Williams + 2 Runden
15. Stoffel Vandoorne McLaren Ausfall
16. Lewis Hamilton Mercedes Ausfall
17. Brendon Hartley Toro Rosso Ausfall
18. Daniel Ricciardo Red Bull Ausfall
19. Valtteri Bottas Mercedes Ausfall
20. Nico Hülkenberg Renault Ausfall
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