Rennanalyse GP Spanien

Ferrari-Sieg und Monster-Crash

Foto: Renault 50 Bilder

Monster-Crash, Safety-Cars und ein dominantes Ferrari-Duo: Das Rennen in Barcelona am Sonntag bot mehr Dramatik als einem lieb war. Wir blicken in unserer Analyse noch einmal auf die rennentscheidenden Momente.

Was war Schuld an Kovalainens Unfall?

In der extrem schnellen Kurve 9, die mit knapp 260 km/h genommen wird, war der McLaren des Finnen entgleist, weil der linke Vorderreifen schlagartig Luft verlor. Der Aufprall fand mit schätzungsweise 150 km/h statt. Auch ohne Bremsen verzögert ein Formel 1-Auto wegen des hohen Luftwiderstandes stark. Als der Kran das Wrack nach einigen Minuten hochhievte, sah man im Frontbereich des Monocoque zwei große Löcher klaffen. Die erste Untersuchung ergab, dass Kovalainen ohne Knochenbrüche und ohne Gehirnerschütterung davonkam. Sein Einsatz beim GP der Türkei in zwei Wochen dürfte nicht in Frage stehen. Der Finne muss allerdings beim FIA-Arzt zur Untersuchung antreten.

Drei Stunden nach dem Rennen hatte man bei McLaren den Grund für den platzenden Reifen gefunden: "Zu 99,9 Prozent war ein Felgenbruch schuld", heißt es im Team.

Spielte Ferrari nur mit den Gegnern?

Kimi Räikkönen machte nach seinem zweiten Saisonsieg dicke Backen: "Ich hätte noch schneller fahren können", verkündete der Finne selbstbewusst. Die abgeschlagene Konkurrenz fragte sich: Meint er das wirklich ernst? Oder ist alles nur psychologische Kriegsführung, um die anderen zu verunsichern?

McLaren-Chef Ron Dennis war der Meinung, dass "alle drei Teams vorne auf dem gleichen Level sind." Gemeint sind Ferrari, BMW und McLaren. Wie der Brite nach drei Ferrari-Siegen zu dieser Ansicht gekommen ist, begründet er nicht. BMW-Chef Mario Theissen ist da schon vorsichtiger: "Wir wissen es nicht, wieviel Ferrari noch in der Tasche hatte."

Warum wurde Heidfeld von der BMW-Box nicht zum Stopp hereingeholt?

Nick Heidfeld ging als Neunter punktemäßig leer aus. Damit ist auch der zweite WM-Tabellenplatz des BMW-Fahrers erst mal wieder futsch. Der Deutsche hatte schlicht Pech. Als er nach Kovalainens Unfall den Funkspruch der Box empfing: "Reinkommen", war er gerade an der Boxeneinfahrt vorbeigerauscht. "Zu spät", gab Heidfeld am Funk zurück.

Die Boxengasse wird bei einem Safety-Car-Einsatz laut Reglement erst mal geschlossen. Heidfeld, der nach drei Runden hinter dem Führungsfahrzeug dringend Benzin benötigte, musste notgedrungen einen Regelverstoß begehen und dennoch an die Box fahren. Für dieses Vergehen setzte es prompt eine Zehn-Sekunden-Boxenstrafe, die ihn aussichtslos zurückwarf.

Die Rennleitung hatte nach dem Kovalainen-Unfall erstaunlich lange gezögert, ehe das Safetycar auf die Strecke geschickt wurde. Stellt sich die Frage: Warum hat Heidfeld nicht von sich aus der Box gesagt: "Ich komme jetzt rein." Zum Unfallzeitpunkt lag Heidfeld hinter dem führenden Kovalainen auf Platz zwei. Doch der Abstand betrug fast fünf Sekunden. Somit war Heidfeld zu weit weg, um die Schwere des Unfalls nicht wirklich beurteilen zu können.

Warum fuhr der Trainingszweite Fernando Alonso ein so mattes Rennen?

Ex-Weltmeister Fernando Alonso hatte mit seinem sensationellen zweiten Trainingsplatz die Massen elektrisiert. Am Renntag kamen 132.600 Fans. Aber Renault-Technikdirektor Pat Symonds war schon vor dem Rennen klar: "Wenn alles normal läuft, dann wird Fernando heute nur Sechster." Alonso hatte sich die Trainings-Performance durch eine geringe Benzinmenge erkauft.

Trotz des Gewichtsvorteils verlor der Spanier das Beschleunigungsduell gegen den acht Meter hinter ihm gestarteten Felipe Massa klar. Ein klarer Beweis für die im Fahrerlager verbreitete These, dass der Renault-V8 im Konkurrenzvergleich eine saft- und kraftlose Luftpumpe ist.

Zudem ist der Renault-Motor auch noch unzuverlässig. Bei Halbzeit des Rennens blieb Alonso wegen eines kapitalen Motorschadens auf der Strecke.

Warum gab es in Barcelona keine Zweikämpfe?

Das Duell Lewis Hamilton gegen Fernando Alonso um Platz drei in der frühen Phase des Rennen versprach Spannung: Doch die erhoffte Show für die Zuschauer fiel aus. Schuld daran ist nicht etwa mangelnde Einsatzbereitschaft sondern die kapriziöse Aerodynamik der Formel 1-Autos. Sobald der Brite im deutlich schnelleren McLaren versuchte, dem Spanier auf den Pelz zu rücken, verfiel der McLaren wegen der Turbulenzen des vorausfahrenden Renault in starkes Untersteuern. Hamilton musste seine Feindseligkeiten gegen seien Lieblingsgegner wieder einstellen.

Besserung in dieser Maläse ist erst 2009 in Sicht. Dann gelten von Grund auf neue Regeln, mit extrem breiten Frontflügel, schmalerem Heckflügel und dem Verbot von Zusatzflügeln. Alle Experten sind sich einig: Dann wird auch wieder mehr überholt werden.

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