Rennanalyse GP Spanien

Überragender McLaren

Foto: dpa 40 Bilder

McLaren-Mercedes-Fahrer Kimi Räikkönen mußte eigentlich nur eine halbe Stunde hart arbeiten. Spätestens dann hatte er seinen Gegnern den Schneid abgekauft. Bei Bridgestone beginnt die Arbeit dagen erst. Ferrari war chancenlos. Die zwei defekten Reifen von Michael Schumacher wandern direkt ins Labor.

McLaren-Mercedes-Fahrer Kimi Räikkönen mußte eigentlich nur eine halbe Stunde hart arbeiten. Spätestens dann hatte er seinen Gegnern den Schneid abgekauft. Vor dem ersten Boxenstopp attackierte der Finne wie ein Berserker. Bis zur 24. Runde hatte er seinem Verfolger Fernando Alonso 26,594 Sekunden abgeknöpft. Der zu diesem Zeitpunkt fünftplatzierte Michael Schumacher war zu diesem Zeitpunkt bereits um 44,095 Sekunden abgehängt. „Ich war überrascht, wie groß der Vorsprung zu diesem Zeitpunkt schon war“, gestand Räikkönen. „Danach habe ich zurückgesteckt.“

In der zweiten Rennhälfte verbrachte Räikkönen einen gemütlichen Nachmittag an der Spitze des Felds. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Alonso eingesehen hatte, dass Attackieren zwecklos war: „Ich hatte nach vorne und nach hinten jede Menge Luft“, sagte der WM-Spitzenreiter im Renault. „Was soll ich da angreifen?“

Weniger gut als Räikkönen konnte Teammate Juan Pablo Montoya die Ressourcen seines silbernen Rennstalls umsetzen. Der Kolumbianer legte in der achten Runde einen ebenso schwung- wie kunstvollen Dreher auf die Bahn. Dieses Malheur kostete ihn allerdings nur vier Sekunden. Schlimmer war es da schon, dass er beim ersten Boxenstopp zweimal zur Tankstelle kommen mußte, weil es Probleme mit der Tankanlage gab. Dennoch: Platz sieben ist frustrierend, wenn der Teamkollege gewinnt.

Fernando Alonso: Problem McLaren

Das Erfolgsgeheimnis der McLaren liegt in der Schonung der Reifen. Die Silberpfeile gehen so sanft wie kein zweites Auto mit den Michelins um. Und das Manko, dass die Reifen zu langsam auf Betriebstemperatur kommen und so beim Einzelzeitfahren keine Topleistungen möglich sind, ist inzwischen ausgemerzt.

Fernando Alonso, der nach drei Siegen in Folge mit Platz zwei vorlieb nehmen mußte, räumte ein: „Momentan haben wir ein Problem damit, McLaren zu schlagen.“ Der Spanier freute sich aber über acht WM-Punkte. So konnte er seinen Vorsprung in der WM weiter ausbauen. Mit 44 von 50 möglichen Punkten liegt er deutlich vor dem Überraschungs-Zweiten, Toyota-Mann Jarno Trulli, der 26 Zähler gesammelt hat. Am Grundspeed scheint es den Renault übrigens nicht zu mangeln: Denn in der allerletzten Runde drehte Giancarlo Fisichella die schnellste Rennrunde.

Nach dem Zwischenhoch vor zwei Wochen in Imola war Ferrari in Spanien erneut völlig von der Rolle: In der Anfangsphase war Michael Schumacher bis zu drei Sekunden pro Runde langsamer als Spitzenreiter Räikkönen. Zwei Reifenschäden, zuerst hinten links, dann eine Runde später vorne links, zwangen ihn zur Aufgabe nach 46 von 66 Runden. „Platz drei wäre möglich gewesen“, ärgerte sich der Weltmeister.

Die Schäden konnte sich Schumacher nicht erklären. „Ich bin mir nicht bewußt, dass ich irgendwo drüber gefahren bin. Aber vielleicht habe ich doch Trümmerteile aufgegabelt.“ Eingepackt in rote Folie schickten die Bridgestone-Techniker die schadhaften Pneus jedenfalls zur genauen Analyse ins Labor. Und die Tatsache, dass Schumacher dem japanischen Reifenpartner jede Art von Schuldzuweisung erspart, hat nicht nur mit Höflichkeit zu tun. Bridgestone überweist schließlich pro Jahr 25 Millionen Dollar nach Maranello, ein Sümmchen, das die Roten bitter nötig haben.

Toyota bei fünf Rennen zehn Mal im Ziel

Branchenkrösus Toyota - geschätztes Jahresbudget 400 Millionen Dollar für fast 1000 Mitarbeiter - erlebt in seinem vierten Formel 1-Jahr zum ersten Mal so etwas wie Return of Investment. Mit den Fahrern Jarno Trulli und Ralf Schumacher (die für Cristiano da Matta und Olivier Panis kamen) sowie mit Technikchef Mike Gascoyne, der bereits Anfang 2004 angeheuert hatte, kam der Aufschwung.

Als einziges Team haben die Kölner in bezug auf die Zuverlässigkeit noch eine weiße Weste: Zehn Zielankünfte bei zehn Rennen. Mit dem Plätzen drei und vier behauptete Toyota Platz zwei in der Konstrukteurs-WM vor McLaren. Die systemische Arbeitsweise des Toyota-Teams trägt jetzt Früchte. Erst jetzt ist man in der Lage, die Daten des Windkanals richtig zu interpretieren.

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