Rennanalyse GP Türkei

Verpasste Chancen

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Ferrari versiebte den Doppelsieg mit falscher Taktik. Weil die Roten unbedingt vier statt zwei Zähler in der Fahrer-WM aufholen wollten, pokerte die Mannschaft von Ross Brawn beim Tanken und verzockte sich. Zudem scheiterte Michael Schumacher an einem weltmeisterlichen Fernando Alonso.

Zu Rennbeginn und zum Rennende zeigte sich, wie überlegen Michael Schumachers Ferrari gegenüber dem Renault von Fernando Alonso war, doch im Mittelteil ging das Rennen für den WM-Verfolger verloren. Die durch Vitantonio Liuzzis Dreher ausgelöste Gelbphase war für Alonso die Rettung. Mit acht Sekunden Rückstand auf Schumacher steuerte er die Box an, vor seinem Rivalen kam er wieder heraus.

Ferrari fertigte den führenden Massa zuerst ab, Schumacher musste hinter ihm warten. Dennoch begann sein Tankstopp nahezu zeitgleich mit dem von Alonso. Doch bei Ferrari hatte man entschieden, Schumacher mit Sprit für vier zusätzliche Runden zu versorgen.

Dass Schumacher so hinter Alonso zurückfiel, nahm man in Kauf. Die Roten rechneten mit drei Sekunden Rückstand durch das schwerere Auto und glaubten sich nach dem letzten Boxenstopp wieder vorn. Doch der Ballast und die aggressive Fahrweise Schumachers ließ die Reifen Blasen werfen. Während sie bei Massa, der mit normalem Renngewicht unterwegs war, perfekt funktionierten, verlor Schumacher rund sieben Sekunden. "Ich bekam dazu noch Druck von Button", sagte Schumacher.

Drei Sekunden zu wenig

Während der Ferrari im Training in der berüchtigten Kurve acht perfekt funktioniert hatte, lag er im Rennen plötzlich schlecht. Erst als die Mechaniker beim letzten Boxenstopp den Frontflügel steiler stellten, benahm sich der aus der Balance geratene Renner wieder manierlich.

Zuvor war Schumacher neben die Strecke gerutscht, was ihn zusätzlich knapp fünf Sekunden kostete. Auch Alonsos Rennen verlief nicht ganz perfekt. An gleicher Stelle segelte der Weltmeister in der dritten Runde für drei Sekunden neben die Piste. Doch Alonsos Fehler wirkte sich nicht so stark aus wie der von Schumacher. Als dieser in der 44. von 58 Runden zum zweiten Mal die Box ansteuerte, war der Vorsprung etwa drei Sekunden zu klein.

Der Ferrari war nun wieder deutlich schneller. aber die Belagerung des unter Druck bekanntermaßen starken Alonso verlief ergebnislos. Dass Schumacher auf der Ziellinie fast neben dem Tabellenführer lag, sah spannender aus als es war. "Ich hatte die Situation jederzeit im Griff", sagte Alonso.

Fischella opfert sich für Alonso

Glück hatte Alonso in der ersten Kurve. Weil Felipe Massa im Glauben der sicheren Führung etwas gemächlich einbog, staute sich dahinter der Verkehr. Alonsos Teamkollege Giancarlo Fisichella war spät auf der Bremse, und hätte um ein Haar seinen Teamkollegen torpediert. Der Italiener opferte sich und zwang sein Auto in einen Dreher. Obwohl in Nick Heidfeld unschuldig rasierte, wurde Fisichella noch Fünfter.

Ferrari hätte seinerseits während der Safetycar-Phase Massa opfern können, um Schumachers WM-Chancen zu verbessern. Hätte das Team den Brasilianer noch eine Runde hinter dem Sicherheitsfahrzeug drehen lassen, um Schumacher an der Box zuerst abzufertigen, wäre Massa maximal Fünfter geworden. Doch dieses Mal entschied sich Teamchef Todt für die sportlichere Lösung. "Felipe ist ein Superrennen gefahren und verdient gewonnen", sagte auch Michael Schumacher.

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