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Rennanalyse GP Ungarn 2017

Versteckte und offene Stallorder

Sebastian Vettel kämpfte mit einer beschädigten Lenkung. Die Ferrari-Strategen schützten ihren Fahrer. Vor dem eigenen Teamkollegen und damit auch vor Mercedes. Die Silberpfeile spielten die Stallorder dagegen offen.

Wie hat Ferrari Räikkönen geopfert?

Sebastian Vettel kämpfte sich mit einer krummen Lenkung durch die 70 Runden. Schon am Start spürte er, dass etwas nicht stimmte. Allerdings waren die Lenkprobleme zunächst noch gering. Weshalb der WM-Führende seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen enteilte. Doch je länger der erste Stint andauerte, desto stärker wurden die Probleme. „In Linkskurven musste ich mal mehr, mal weniger stark einschlagen. Bei Richtungswechseln war es sehr schwierig, mich anzupassen und im Rhythmus zu bleiben“, äußerte sich Vettel.

Räikkönen schloss die Lücke. Kurz vor dem ersten Boxenstopp lag er nur noch eine Sekunde hinter dem Auto mit der Startnummer 5. Dann griff Ferrari ein. Man holte in Runde 32 zunächst Vettel zum einzigen Reifentausch. Einen Umlauf später beorderten die Strategen um Taktikchef Inaki Rueda ihren finnischen Fahrer in die Boxenstraße. Was zu diesem Zeitpunkt unnötig war. „Ich war sehr schnell und hätte noch länger draußen bleiben können. Meine Supersoftreifen waren noch in Schuss“, äußerte sich Räikkönen.

Die Sektorzeiten bestätigten den 37-jährigen Routinier und zeigten, was Ferrari eigentlich draufgehabt hätte. Mit den frischen Softreifen rettete sich Vettel gerade so vor Räikkönen, der knapp hinter dem Schwesterauto zurück auf die Bahn kam. Nur eine Runde mehr und der Iceman hätte wohl die Führung übernommen. „Ich vermute, sie hatten ihre Gründe, mich reinzuholen. Vielleicht weil die Mercedes mit frischen Reifen unterwegs waren“, grummelte der Zweitplatzierte im Nachgang.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Ungarn 2017 - Budapest - Rennen
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Vettel jubelte, Räikkönen akzeptierte Ferraris verdeckte Stallregie.

Die Experten urteilten eindeutig. Ferrari verwehrte Räikkönen den 21. Karriere-Sieg. Die Scuderia setzt im WM-Kampf alles auf Vettel. Das hat man schon in Monaco gesehen. Damals hatte man Räikkönen unnötig früh reingeholt und Vettel durch einen späteren Stopp zum Sieg geführt. Man kann den Italienern die Entscheidung zugunsten des Deutschen auch nicht verübeln. Vor dem GP Ungarn betrug die Lücke zwischen dem WM-Führenden Vettel und Räikkönen schon 79 Punkte.

Aus eigener Kraft fand der Weltmeister von 2007 keinen Weg vorbei an seinem Teamkollegen. Obwohl der die Randsteine meiden musste. Auch die Klagen am Funk über den Druck von Mercedes bewegten Ferrari nicht dazu, die Plätze zu tauschen. Um auf dem engen Hungaroring überholen zu können, muss man schon um die 1,8 Sekunden schneller sein als der Vordermann. Räikkönen fungierte als Schutzschild gegen die Mercedes und schluckte später seinen Groll herunter. „Ich habe das Rennen gestern in der Qualifikation durch meinen Fehler verloren. Sonst wäre ich auf der Pole gestanden. Meine einzige Chance war der Start. Ich kam zwar in Sebastians Windschatten und bremste später. Trotzdem reichte es nicht. Gegen deinen Teamkollegen riskierst du nicht alles.“

Wie lief die Mercedes-Stallregie ab?

Im Gegensatz zu Ferrari setzte Mercedes eine offene Stallregie ein. In der 46. Runde holte man Lewis Hamilton an Valtteri Bottas vorbei. Unter der Prämisse, dass der WM-Zweite den dritten Platz wieder an den Teamkollegen abtritt, sollte er die Ferrari vor ihm nicht knacken können. Das ist die Regel bei Mercedes. Genauso kam es. Hamilton biss sich an Räikkönen die Zähne aus. „Ich habe mir keine Sorgen gemacht. Mein Auto lag zu gut auf der Straße, als dass er mich hätte überholen können“, stellte Räikkönen fest.

Hamilton trat seine kampffrei gewonnene Position in der letzten Runde in der letzten Kurve an Bottas ab. Dafür musste er sich zurückfallen lassen. Weil Bottas inzwischen einige Sekunden hinter ihm lag. „Ich kämpfte mit dem Überrundungsverkehr, verlor etwas meinen Rhythmus und konnte nicht mehr mithalten“, entschuldigte sich der Finne. „Ich muss Lewis und dem Team danken, dass sie ihr Wort gehalten haben.“

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Ungarn 2017 - Budapest - Rennen
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Hamilton gab auf den letzten Metern den dritten Rang an Bottas zurück.

Ganz einfach fiel den Strategen und der Teamführung die Entscheidung nicht. Einerseits drohte Gefahr von Max Verstappen. „Wir wollten in keinem Fall das Podium und den vierten Platz verlieren. Sonst hätten wir wie die Deppen ausgesehen. Deshalb haben wir den Tausch so spät wie möglich durchgeführt, um Verstappen keine Überholchance zu ermöglichen.“

Andererseits nahm man Hamilton drei wichtige Punkte in der WM. „Wenn wir deswegen die Weltmeisterschaft verlieren, bin ich der erste, der sich ins Knie schießt“, sagte Teamchef Toto Wolff. „Es war wahrscheinlich die schwerste Entscheidung der letzten fünf Jahre. Aber wir müssen unsere Werte hochhalten. Mit diesem Ansatz werden wir langfristig erfolgreicher sein.“ Mit anderen Worten: Mercedes will die Harmonie im Team nicht zerstören. Zumal die WM-Chancen von Bottas immer noch intakt sind. Hamilton drückte sich so aus: „Mein Herz sagt mir, es war der richtige Weg. Ich will die WM auf faire Weise gewinnen.“

Nicht nur die Strategie machte Mercedes Kopfzerbrechen. Sondern auch der Funk, der mal funktionierte und mal nicht. Das Team konnte zwar zu den Fahrern sprechen, im umgekehrten Fall kam es aber immer wieder zu Aussetzern, die erst gegen Ende weniger wurden. Zudem stürzte zeitweiße das Datennetzwerk ab und die Monitore fielen aus. „Es war ein örtliches Problem. Ein Glasfaserkabel hatte einen Knacks“, berichtete Wolff. Die Fabriken in Brixworth und Brackley halfen aus und spielten Informationen und Daten zu.

Hat Verstappen Red Bull den Sieg gekostet?

Christian Horner verneinte diese Frage. „Die Geschwindigkeit dafür war zwar vorhanden. Aus unseren Startpositionen heraus hätten wir aber nur gewonnen, wenn wir nach der ersten Kurve vorne gelegen wären. Weil du hier nicht überholen kannst.“ Stattdessen kollidierten die beiden Red Bull-Fahrer in der zweiten Ecke des Hungaroring. Daniel Ricciardo attackierte auf der Außenseite. Max Verstappen verbremste sich und knallte in die linke Fahrzeugseite von Ricciardos RB13. Dabei demolierte er einen Ölkühler und schlitzte den linken Hinterreifen auf. „Deswegen drehte ich mich in der nächsten Kurve“, entschuldigte der Australier.

Der fünffache GP-Sieger war richtig sauer auf seinen Teamkollegen. Red Bulls Teamchef bewertete die teaminterne Kollision als Rennunfall. „Max hat einen Fehler gemacht, ja. Aber die Zehnsekundenstrafe war übertrieben.“ Verstappen entschuldigte sich nach dem Rennen bei seinem Stallrivalen. „Es ist gut, dass wir es gleich aus der Welt geräumt haben“, befand Ricciardo. „Besser er sagt es ihm in die Augen als das er eine SMS schreibt oder anruft“, freute sich Horner.

Warum gab es Verwirrung um Wehrlein?

Im Fahrerlager geisterten Gerüchte um Pascal Wehrlein. Weil der Sauber-Pilot direkt nach dem Rennen ins Medical Center gebracht wurde. Bei Mercedes rätselte man warum. Sauber-Physiotherapeut Josef Leberer lieferte die Antwort. „Er musste zur Dopingprobe.“ Die Welt-Anti-Doping-Agentur – kurz WADA – griff sich den Sigmaringer sogar bevor er sich gewogen hatte. Auch Sauber wusste für den Moment nicht Bescheid, warum ihr Fahrer nicht auffindbar war.

GP Ungarn 2017: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit / Rückstand
1. Sebastian Vettel Ferrari 1:39.46.713 h
2. Kimi Räikkönen Ferrari + 0.908 s
3. Valtteri Bottas Mercedes + 12.462 s
4. Lewis Hamilton Mercedes + 12.885 s
5. Max Verstappen Red Bull + 13.276 s
6. Fernando Alonso McLaren + 71.223 s
7. Carlos Sainz Jr. Toro Rosso + 1 Runde
8. Sergio Perez Force India + 1 Runde
9. Esteban Ocon Force India + 1 Runde
10. Stoffel Vandoorne McLaren + 1 Runde
11. Daniil Kvyat Toro Rosso + 1 Runde
12. Jolyon Palmer Renault + 1 Runde
13. Kevin Magnussen Haas + 1 Runde
14. Lance Stroll Williams + 1 Runde
15. Pascal Wehrlein Sauber + 2 Runden
16. Marcus Ericsson Sauber + 2 Runden
17. Nico Hülkenberg Renault + 2 Runden
18. Paul di Resta Williams Ausfall
19. Romain Grosjean Haas Ausfall
20. Daniel Ricciardo Red Bull Ausfall
Motorsport Aktuell Valtteri Bottas - Mercedes - GP Ungarn 2017 - Budapest - Rennen Wie viel Stallregie darf sein? Fairplay könnte sich für Mercedes rächen

Ferrari setzt alle Karten auf Sebastian Vettel.

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