Max Verstappen - GP USA 2017 sutton-images.com
Hamilton - Usain Bolt - GP USA 2017 - Rennen
Hamilton - Usain Bolt - Mercedes-AMG GT R - GP USA 2017 - Rennen
Hamilton - Usain Bolt - Mercedes-AMG GT R - GP USA 2017 - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP USA 2017 - Rennen
Sebastian Vettel - Ferrari - GP USA 2017 - Rennen 62 Bilder

Rennanalyse GP USA 2017

Alles zur Verstappen-Strafe und zum Hamilton-Sieg

Lewis Hamilton dominierte den GP USA. Obwohl er den Start gegen Sebastian Vettel verlor. Hamilton ist auf dem Weg zum Titel. Aber nach dem Rennen drehte sich fast alles um die Strafe gegen Max Verstappen. Unsere Analyse.

War die Strafe gegen Verstappen richtig?

Max Verstappen und die Verantwortlichen bei Red Bull waren nach dem Rennen sauer. Die Sportkommissare nahmen dem Niederländer durch eine nachträgliche Zeitstrafe von fünf Sekunden den dritten Rang. Verstappen war vom 16. Startplatz vorgestürmt und hatte in der letzten Runde im rund 250 km/h schnellen Rechtsknick im letzten Streckenteil Kimi Räikkönen überholt. Allerdings mit allen vier Rädern neben der Strecke. Red Bull war über die Strafe außer sich. „Es ist unglaublich, wie man ein so tolles Rennen derartig zerstören kann. Die Strafe kam völlig unerwartet wie aus der Pistole geschossen. So schnell haben die Rennkommissare noch nie entschieden“, wetterte Helmut Marko. Selbst Niki Lauda sprang zur Seite: „Die dümmste Entscheidung, die ich je gesehen habe. Das war ein ganz normales Überholmanöver.“

Der Bestrafe verstand die Welt nicht mehr. „Für was bekomme ich eine Strafe? Jeder verlässt doch die Strecke, fährt wie in Kurve 19 weit über die Randsteine oder schneidet die Kerbs um 5 bis 10 Zentimeter.“ In einer ersten Reaktion bezeichnete der 20-Jährige einen der Kommissare als Idiot. Gemeint war Garry Connelly, der schon in Mexiko 2016 im fünfköpfigen Schiedsrichter-Ausschuss gesessen hatte, als man Verstappen nachträglich für Abkürzen der Strecke zurückgestuft hatte.

Das Team wirft der FIA und den Schiedsrichtern vor, in ihren Entscheidungen nicht immer nach demselben Muster zu handeln. Sondern ähnliche Fälle unterschiedlich zu beurteilen. Teamchef Christian Horner führte an, dass sich Valtteri Bottas gegen Daniel Ricciardo außerhalb der Strecke verteidigt habe. „Wir könnten Videomaterial von einigen anderen Zweikämpfen vorführen, die gemäß der Verstappen-Strafe dann auch nicht korrekt abgelaufen sind“, führte Marko aus. Trockener Konter von den Regelhütern: Nur Verstappen habe einen kürzeren Weg zurückgelegt und sich damit einen Vorteil verschafft.

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Die Strafe ist ein Witz. Wir wollen harten Rennsport sehen, keinen Kindergeburtstag
Eine völlig richtige Strafe. Wenn keine Streckenbegrenzungen gelten, fährt jeder, wo er will

Die Stewards studierten das Überholmanöver aus unterschiedlichen Perspektiven. Auch aus solchen, die im TV nicht zu sehen waren. Doch schon in den TV-Aufnahmen ist zu erkennen, dass Verstappen mit dem kompletten Auto über dem Randstein fährt und damit über einen Meter neben der weißen Streckenmarkierung. Bei Red Bull regte man sich auch darüber auf, dass das Regelbuch keinen Protest erlaubt. „Das Urteil wurde gefällt, bevor die Piloten überhaupt angehört wurden“, ärgerte sich Marko. Immerhin tröstete die Mannschaft aus Milton Keynes ein wenig die starke Aufholjagd ihres Schützlings. „Das Auto war super. Die Strategie war super. Und Verstappen war super super“, lobte Red Bulls Motorsportkoordinator Marko. Verstappen-Teamkollege Daniel Ricciardo scheiterte bereits im ersten Renndrittel. Red Bull schob es auf einen defekten Motor.

Wieso war Hamilton so stark?

Austin und Lewis Hamilton: Das passt wie ein maßgeschneiderter Anzug. Sechs Mal trat die Formel 1 auf dem Circuit of the Americas an. Fünf Mal gewann der 32-Jährige Engländer. Selbst ein mäßiger Start hielt Hamilton nicht vom Triumph ab. Auf den ersten 363 Metern schob sich Sebastian Vettel neben ihn und bremste sich innen vorbei.

Start - GP USA 2017 - Rennen
Wilhelm
Nur am Start hatte Hamilton gegenüber Vettel das Nachsehen.

Nach sechs Runden stellte Hamilton die alte Rangfolge wieder her. Auf der über ein Kilometer langen Gegengerade klappte er den Heckflügel runter, saugte sich im Windschatten an, zog links neben Vettel und manövrierte ihn aus. „Ich wundere mich, dass er so wenig Gegenwehr gezeigt hat. Ich hätte mehr gegen gehalten“, sagte der Sieger. Sein Rivale zuckte mit den Schultern. „Vielleicht hätte ich mehr machen können. Aber was hätte es genutzt? Mercedes war einfach schneller.“

Das Streckenlayout schmeckte dem Mercedes W08. Dazu passten die äußeren Gegebenheiten. Ein Schauer hatte am Sonntagmorgen den Grip von der Strecke gespült. Auf einer grünen Piste ist Mercedes für gewöhnlich eine Macht. „Wieder fällt für sie Ostern und Weihnachten zusammen. Wie in Singapur“, unkte Marko. Das Asphaltband blieb eher auf der kühlen Seite. Es war um die 35 Grad warm. Diese Faktoren und ein Hamilton am Lenkrad machten den Unterschied. „Wir haben die Balance des Autos perfekt getroffen“, erzählte Hamilton. Eine kleine Korrektur des Frontflügels vor dem Start entfaltete ihre Wirkung.

Mercedes rief seinen Starfahrer nur einmal in die Box. Für einen Tausch von Ultrasoft- auf Softreifen in der 19. Runde. Vettel war drei Runden eher in die Boxenstraße abgebogen, und hatte ebenfalls die härteste Mischung für Austin aufgefasst. Beinahe hätte er Hamilton durch diesen Zug überholt, obwohl sein Rückstand schon bei über fünf Sekunden gelegen war. Die Mercedes-Strategen hatten den Effekt frischer Reifen etwas unterschätzt. „Wir müssen in Zukunft einen stärkeren Puffer lassen“, fordert Teamchef Toto Wolff.

In der 23. Runde holte sich Hamilton mit einem Manöver gegen Verstappen die Spitze zurück. Und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab. Von Vettels zweitem Stopp ließ man sich nicht beeindrucken. Die Strategen wollten mit nur einem Wechsel über die Runden kommen. „Bis 25 Umläufe vor Schluss waren wir nicht sicher, was die bessere Strategie ist“, berichtete Wolff. Während Hamilton den Sieg einheimste, wurde Valtteri Bottas nur Fünfter. „Er ist am Anfang gut gefahren gegen Ricciardo. Sein Problem ist es aber, die Balance zwischen voller Performance und Reifenmanagement zu finden.“ Bottas Reifen knickten gegen Rennende ein. Der Finne musste einen zweiten Reifenwechsel einlegen.

Warum war Räikkönen schneller als Vettel?

Nach dem Start hatte alles noch gut ausgesehen. Doch schon nach wenigen Runden war Vettel klar, dass er Hamilton nicht halten kann. Der WM-Führende blieb in den Turbulenzen einfach zu spielerisch am Ferrari dran. Vettel kämpfte mit ungewöhnlich hohem Reifenabbau und mit Blasenbildung auf dem linken Vorderrad. Damit war Vettel nicht allein. Reifenausrüster Pirelli entdeckte Blasen auch an anderen Autos. Doch auch mit den Softreifen konnte der Heppenheimer die Pace nicht mitgehen. Und er fühlte, dass er nicht bis zum Rennende auf diesem Satz durchhalten würde. Womöglich rächte es sich, dass Vettel vor dem Rennen keinen echten Dauerlauf abgespult hatte. Was auf ein Chassis-Problem zurückzuführen war. Ferrari hatte es nach dem zweiten Freien Training getauscht. Nach dem zweiten Platz hakt Vettel die WM ab. „Wir brauchen die Schuld bei niemand anderem suchen. Uns fehlt einfach noch ein bisschen.“

Kimi Räikkönen - Ferrari - GP USA 2017 - Rennen
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Kimi Räikkönen war am Rennsonntag der schnellere der beiden Ferraris.

Räikkönen hingegen kam prächtig mit seinem Auto zurecht. Das Handling war ganz nach den Vorstellungen des Finnen, der zeitweise Hamiltons Rundenzeiten erreichte. Jedoch musste der Brite an der Spitze nicht alles abrufen. In der Schlussphase musste der Weltmeister von 2007 Sprit sparen. Und Vettel vorbeilassen. Ferrari bat ihn darum. Vettel wiederum gab Räikkönen im letzten Umlauf Windschatten, um vor Verstappen bleiben zu können. „Clever und legitim“, meinte Red Bulls Helmut Marko. Verstappen griff aber auf den letzten Metern an. Räikkönen lupfte im schnellen Rechtsknick, weil er dort eine Attacke nicht erwartete. „Ich habe mehr nach vorn als zurückgeschaut und ihn nur ihm Augenwinkel im Spiegel gesehen. Ich war ziemlich angepisst, als er an mir vorbei war. Zum Glück bekam ich den dritten Platz später zurück.“

War Force Indias Strategie falsch?

Force India hält an seiner Herangehensweise fest. Das Team bestimmt, wann unter den Teamkollegen überholt wird und wann nicht. Wie in Japan hoffte Sergio Perez über Funk, seine Mannschaft zu einem Platztausch mit Esteban Ocon zu bewegen. Die Bitte wurde abgelehnt. „Esteban hat seine Reifen gemanagt. Für uns macht es keinen Unterschied, welcher Pilot vorne liegt. Hauptsache wir holen das maximal mögliche Ergebnis“, erklärte Teamchef Robert Fernley. Perez überstrapazierte seine Reifen hinter dem Schwesterauto. Er bezahlte, indem Carlos Sainz im Renault ihn für den siebten Platz überholte. „Sainz wäre so oder so an uns vorbeigekommen. Er war schneller. Wir haben ihn überhaupt nur durch unseren früheren Stopp überholt“, so Fernley.

GP USA 2017: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit / Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:33.50,993 Std.
2. Sebastian Vettel Ferrari + 0:10.143 Min.
3. Kimi Räikkönen Ferrari + 0:15.779
4. Max Verstappen Red Bull + 0:16.768
5. Valtteri Bottas Mercedes + 0:34.967
6. Esteban Ocon Force India + 1:30.980
7. Carlos Sainz Renault + 1:32.944
8. Sergio Perez Force India + 1 Runde
9. Felipe Massa Williams + 1 Runde
10. Daniil Kvyat Toro Rosso + 1 Runde
11. Lance Stroll Williams + 1 Runde
12. Stoffel Vandoorne McLaren + 1 Runde
13. Brendon Hartley Toro Rosso + 1 Runde
14. Romain Grosjean Haas + 1 Runde
15. Marcus Ericsson Sauber + 1 Runde
16. Kevin Magnussen Haas + 1 Runde
17. Fernando Alonso McLaren Ausfall
18. Daniel Ricciardo Red Bull Ausfall
19. Pascal Wehrlein Sauber Ausfall
20. Nico Hülkenberg Renault Ausfall
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