Rennanalyse GP USA

Das unlösbare Problem

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Der große Preis der USA war in dem Moment nicht mehr zu retten, als Ralf Schumacher am Freitag in die Begrenzung flog. Die FIA wollte die Regeln nicht aufweichen, die betroffenen Teams nutzen die Gelegenheit, um Stimmung und Politik zu machen.

Schnell waren manche mit Schuldzuweisungen bei der Hand. Da die Sportbehörde FIA sowohl das Nachnominieren von Michelin-Reifen, als auch den Bau einer Schikane verbot, landete der schwarze Peter schnell bei Max Mosley und seinen Mannen. Da Ferrari sich an der Petition zum Schikanen-Aufbau nicht beteiligen wollte, wurden die Roten gleich mit an den Pranger gestellt.

Warum die anderen Bridgestone-Teams Jordan und Minardi zunächst gemeinsame Sache mit den Michelin-Teams machten, bleibt ein Rätsel. Mancher im Fahrerlager vermutete: „Die wurden auf Linie gebracht.“

Bernie Ecclestone: Fahren und disqualifizieren

Bernie Ecclestone hatte – wie gewohnt – das Geschäftliche im Sinn. So ließ der alle Teams zur Startaufstellung rollen, um seinen Vertrag mit Veranstalter Tony George zu erfüllen. Dass tatsächlich 20 Autos losfahren müssen, wenn die rote Ampel ausgeht, steht nirgendwo geschrieben. Um die um ihre Rennen betrogenen Fans zu beschwichtigen, hatte Ecclestone den Vorschlag, die Michelin-Teams sollten eben mit den nicht genehmigten Reifen antreten, die Michelin in der Nacht zum Sonntag nach Amerika fliegen ließ. Anschließend könne man die betroffenen 14 Autos disqualifizieren.

Die Michelin-Teams wurden nicht müde zu erklären: „Wir wollen ja fahren, aber man lässt uns nicht.“ Keiner der Verantwortlichen wollte gegen den Rat von Michelin seine Autos auf die Strecke schicken.

Die besagten Gummis, von denen Michelin 200 Stück in der Spezifikation des Spanien-GP anlieferte waren eine Sackgasse. Hätte die FIA erlaubt, diese Reifen zu benutzen, hätte Michelin-Rennchef Pierre Dupasquier dennoch keine Startfreigabe erteilt. Die Mischung der Barcelona-Pneus war zwar härter, aber die Konstruktion die gleiche wie der der Indy-Pneus. Für mehr als zehn Runden wollte Michelin auch für diese Gummis keinen Freibrief ausstellen.

Flavio Briatore pokerte: Er schlug vor, man solle Reifenwechsel erlauben und allen Michelin-Fahrern eine 30 Sekunden-Strafe aufbrummen. Kleines Problem: Eine solche Regel gibt es nicht. McLaren-Chef Ron Dennis machte in letzter Minute einen Vorstoß, indem er anbot, die Michelin-Teams sollten einfach keine Punkte erhalten. Da spielte Jean Todt nicht mit. Die Ferrari-Lesart der Affäre hieß: „Wir haben nichts falsch gemacht. Warum sollen wir einen Nachteil haben.“ „Es gab Rennen, wo wir wegen der Reifen nicht sehr gut ausgesehen haben. Da gab es auch keine Sonderregeln“, sagte Michael Schumacher.

Ron Dennis: „Keine Einigkeit“

„Wir müssen leider erkennen, dass es unmöglich ist, in der Formel 1 Einigkeit herzustellen“, sagte Ron Dennis, und schob damit Ferrari die Schuld in die Schuhe. Doch selbst eine einstimmige Entscheidung wäre sinnlos gewesen, denn die Entscheidungsgewalt lag nicht bei den Rennställen sondern bei der FIA.

Tony George wollte in der Nacht zum Sonntag die besagte Schikane errichten lassen, um sein Rennen zu retten, ihn pfiffen die FIA-Kommissare zurück. Es gibt ein Abnahmeprotokoll, dass die Strecke in Indy sicherheitstechnisch unbedenklich ist, doch dieses gilt ohne Schikane.

Die FIA-Oberen wollten um jeden Preis einen Präzedenzfall vermeiden. Was wäre, wenn bei einem der nächsten Rennen ein anderes technisches Problem auftritt, und der nächste eine Extrawurst gebraten haben möchte? Ausgerechnet die Teams, die der Sporthoheit allzu gerne Willkür und schwammige Regelauslegung vorwerfen, die bei Änderungen des technischen Reglements mindestens zwei Jahre Vorlauf verlangen und mehr Stabilität fordern, erwarteten nun von Mosleys Behörde eine spontane Spezial-Lösung des Problems. Die mochte die FIA nicht liefern.

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