Rennen ohne blaue Flaggen?

Das Problem mit den B-Teams

Romain Grosjean - HaasF1 - GP Singapur 2018 Foto: xpb 98 Bilder

Die blauen Flaggen sind ein ständiges Ärgernis. Die Fahrer in den schnellen Autos wünschen sich, dass die Sportkommissare bei Nichtbeachtung härter durchgreifen. Andere beschweren sich, dass blaue Flaggen viel zu früh geschwenkt werden. Doch brauchen wir dieses Relikt überhaupt?

Die Diskussion ist so alt wie der Motorsport. Was tun mit den überrundeten Fahrern? Normalerweise bekommen sie blaue Flaggen vor die Nase gehalten. Und im Digitalzeitalter erhalten sie noch eine Warnung auf ihr Display. Normalerweise wird die blaue Flagge dem Überrundeten gezeigt, wenn der Verfolger auf 1,2 Sekunden aufgeschlossen hat. Das erwies sich in Singapur als eine zu geringe Zeitspanne. In dem Betonkanal bleibt die verwirbelte Luft länger stehen. Der Fahrer spürt schon bei zwei Sekunden Abstand Gripverlust und kann dann nicht mehr aufschließen.

Steiner für Abschaffung blauer Flaggen

Valtteri Bottas beschwerte sich in Singapur, dass Nico Hülkenberg keine blauen Flaggen gezeigt wurden. Das lag daran, dass es dem Finnen nur ein Mal ganz kurz gelang, in den Bereich von 1,2 Sekunden zu kommen. Fernando Alonso hält die starre Regelung auf 1,2 Sekunden für falsch. „Das sollte von Rennstrecke zu Rennstrecke verschieden sein.“ Oft werden die Flaggen auch fehlerhaft geschwenkt. Charles Leclerc erzählt: „Ich bekam blaue Flaggen gezeigt, dabei konnte ich kein Auto im Rückspiegel sehen.“

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HaasF1-Teamchef Guenther Steiner hält das System der blauen Flaggen für kontraproduktiv. „Es wäre für die Rennen besser, wenn wir wie in der IndyCar-Serie komplett auf blaue Flaggen verzichten. Das würde die Rennen viel spannender und unberechenbarer machen. Blaue Flaggen belohnen nur die Fahrer an der Spitze nach dem Motto: Die Reichen werden noch reicher.“ Selbst Valtteri Bottas als einer der Fahrer an der Spitze räumt ein: „Der Nachteil ist für alle Fahrer, die überrunden wollen, gleich groß. Mal verlierst du mehr, mal weniger Zeit. Das gleicht sich aus.“

Ein engeres Feld, kein Problem mit blauen Flaggen

Tatsächlich gibt es eine Rennserie, in der keine Überholflaggen gezeigt werden. In der IndyCar-Serie ist jeder ein Gegner, egal ob er überrundet ist oder nicht. Und es ist nicht zum Schaden der Rennen. „Das ist mir zu künstlich. Warum soll dir ein Fahrer dein Rennen kaputtmachen dürfen, wenn er eine Runde zurückliegt? Das ist ungerecht gegenüber den schnellen Fahrern“, sagt Nico Hülkenberg. Ist es das wirklich? Es ist auch ungerecht, wenn Mercedes, Ferrari und Red Bull drei Mal so viel Geld ausgeben wie der Rest und deshalb Autos bauen können, die zwei Sekunden schneller fahren. „Warum soll man das noch belohnen“, wirft Steiner ein.

Romain Grosjean glaubt, dass sich die Frage nach blauen Flaggen gar nicht stellen würden, wenn das Feld näher zusammenrückt. „Das große Problem ist doch, dass wir sechs Autos haben, die zwei bis drei Sekunden schneller sind als der Rest. Deshalb sieht der Rest von uns nach der halben Renndistanz schon blaue Flaggen.“ Sergey Sirotkin wirft ein: „Für uns überrundete Fahrer ist es genauso schmerzvoll wie für die schnellen Piloten. Okay, wenn ich allein unterwegs bin, kann ich einem schnellen Fahrer ohne Probleme Platz machen. Aber wir kämpfen auch oft um Positionen. Und da ist es nicht so einfach, aus dem Weg zu gehen, so dass es sicher ist.“

Bernie Ecclestone findet, dass es sowieso zu viele Regeln gibt. „Ich würde die blauen Flaggen abschaffen.“ Sauber-Teammanager Beat Zehnder hält nichts von dem Vorschlag. „Die Formel 1 lässt sich nicht mit den IndyCars nicht vergleichen. Bei uns gibt es viel mehr Abhängigkeiten und damit Möglichkeiten ein Rennen zu beeinflussen. Die Mercedes-Kunden würden die Werksautos sicher einfacher vorbeilassen als einen Ferrari. Umgekehrt wäre es genauso. Das würde nach jedem Rennen große Diskussionen geben.“ Alain Prost unterschreibt das: „Es gibt zu viele B- und C-Teams. Die können dem Gegner das Rennen zerstören. Auf Strecken wie Monte Carlo ist das ganz einfach.“ Der vierfache Weltmeister meint: „Es gibt viele Ideen, die Rennen besser zu machen. Der Verzicht auf blaue Flaggen hat da keine Priorität.“

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