Hans Heyer - PC4-Ford V8 ATS Racing Team - GP Deutschland 1977 sutton-images.com
Hans Heyer - PC4-Ford V8 ATS Racing Team - GP Deutschland 1977
Riccardo Paletti - Osealla FA1C
Riccardo Paletti
Masahiro Hasemi - Kojima - GP Japan 1976
Marco Apicella - Jordan 193 - GP Italien 1993 12 Bilder

Rennfahrer mit nur einem Grand Prix

Die Eintagsfliegen der Formel 1

1000. GP

Bei den bislang 997 Grand Prix standen 771 Fahrer am Start. 163 davon sind nur bei einem Grand Prix mitgefahren. Es waren auch ein paar kuriose Fälle darunter.

Sie machen 21 Prozent aller Starter aus, die jemals bei einem Grand Prix angetreten sind. Die Eintagsfliegen, deren Formel 1-Karriere nach einem Rennen schon wieder beendet war. Insgesamt 771 Fahrer haben sich bis heute in die Starterliste eines der 997 Grand Prix seit 1950 eingetragen. Die elf 500 Meilen von Indianapolis zwischen 1950 und 1960 inklusive.

Für 163 Fahrer war schon nach einem Start wieder Schluss. 24 davon traten bei einem der elf Indy-Rennen an, womit 139 „echte“ Einmal-Starter bleiben. An zwei erinnern wir uns noch gut. Es waren ausgerechnet zwei Deutsche. Markus Winkelhock spielte beim GP Europa 2007 am Nürburgring Ersatz für Spyker-Pilot Christijan Albers. André Lotterer war 2014 in Spa auch nur Aushilfspilot. Er vertrat Kamui Kobayashi bei Caterham und kam in seinem einzigen Grand Prix knapp zwei Runden weit. Dann stieg die Elektrik aus.

Vier Fahrer mit Punkten bei einzigem Start

Unter den 163 Piloten mit nur einem Grand Prix sind auch 13 Deutsche. Viele von ihnen fuhren in den 50er Jahren und waren Gaststarter beim GP Deutschland. Nur ein paar Namen: Kurt Adolff, Oswald Karch, Ernst Loof, Helmut Niedermayr oder Josef Peters. Die Veranstalter waren damals froh um jeden Starter auf der langen Nordschleife.

Obwohl die Sternschnuppen der Formel 1 kaum Gelegenheit hatten, sich in Szene zu setzen, gibt es auch unter ihnen einige kuriose Geschichten. Vier von ihnen schafften es bei ihrem ersten und letzten Start in die Punkteränge.

Dorino Serafini - Rennfahrer
Imago
Rennfahrer Dorino Serafini

Dorino Serafini vertrat beim GP Italien 1950 den verletzten Luigi Villoresi bei Ferrari. Der Italiener musste während des Rennens sein Auto an Teamkapitän Alberto Ascari abtreten, der mit seinem Auto mit Motorschaden ausgefallen war. Zusammen mit Ascari kam Serafinis Ferrari auf Platz 2. Die beiden mussten sich die sechs Punkte je zur Hälfte teilen. Oscar Galvez wurde beim GP Argentinien 1953 Fünfter. Der Langstrecken-Pilot war in seiner Heimat eine große Nummer. Später wurde das Autodrom von Buenos Aires nach ihm benannt.

Auch Eric Thompson schlug gleich bei seinem Debüt zu. Der Buchhändler aus Surbiton belegte beim GP England Platz 5 und bekam dafür zwei WM-Punkte. Auch dem Südafrikaner Neville Lederle gelang dieses Kunststück. Er trat beim GP Südafrika 1962 in einem Lotus an und kam als Sechster ins Ziel. Lederle ist aus dem Club der Fahrer, die ihren einzigen Start mit WM-Punkten krönten, der einzige der noch lebt.

Ein Rennen und eine schnellste Runde

Der Japaner Masahiro Hasemi hat es aus einem anderen Grund in die Statistikbücher geschafft. Er pilotierte beim WM-Finale 1976 in Fuji einen Kojima. Die japanische Konstruktion war mit Dunlop-Reifen bestückt. Die hatten besonders weiche Gummimischungen im Angebot. Nachdem Hasemi bei abtrocknender Strecke frische Reifen aufgezogen hatte, gelang ihm die schnellste Runde des Rennens.

Markus Winkelhock ist der einzige Fahrer, der bei seinem einzigen Grand Prix Führungskilometer abgespult hat. Weil er beim GP Europa 2007 auf dem Nürburgring als einziger mit Regenreifen auf einer noch trockenen Strecke gestartet war, nach einer Runde aber als Gewinner dastand, als ein Wolkenbruch über die Eifelpiste fegte. Winkelhock durfte sechs Runden oder 30,9 Kilometer das Feld anführen.

Hans Heyer - PC4-Ford V8 ATS Racing Team - GP Deutschland 1977
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Hans Heyer fuhr, obwohl er nicht hätte starten dürfen.

Einmalig ist auch die Geschichte von Hans Heyer. Der Tourenwagen-Spezialist mit dem Tiroler-Hut saß beim GP Deutschland 1977 im zweiten ATS, verpasste aber die Qualifikation zum Rennen. Obwohl er nur der dritte Nachrücker und nicht startberechtigt war, nahm er sein Schicksal in die eigene Hand und stürmte nach dem Start des Rennens dem Feld aus der Boxengasse hinterher. Es dauerte 10 Runden, bis der Rennleiter erkannte, dass da ein Geisterfahrer im Feld war. Ein defektes Schaltgestänge im ATS kam einer Disqualifikation zuvor.

Die kürzeste GP-Karriere

Für sechs Fahrer war ihr einziger Grand Prix ein kurzes Vergnügen. Er war schon in der ersten Runde zu Ende. Das Indy 500 jetzt mal nicht mitgerechnet. Miguel-Angel Guerra kam beim GP San Marino 1981 nur einen Kilometer weit. Dann wurde sein Minardi im Startgetümmel in der Tamburello-Kurve unsanft in die Mauer bugsiert. Guerra wurde mit einem Knöchelbruch aus dem Wrack geschnitten. Seine Formel-1-Karriere war nach einem Kilometer schon wieder zu Ende

Marco Apicella macht dem Argentinier Guerra Konkurrenz in der Rangliste der geringsten GP-Distanz. Der Jordan-Gaststarter beim GP Italien 1993 schaffte es nur bis in die erste Schikane. Dort war er Opfer einer Startkollision. Die zurückgelegte Distanz betrug ebenfalls nur einen Kilometer. Auch Arthur Owen, Bob Said, Ernst Loof und Massimo Natili stehen mit null Runden in der Statistik. Sie fielen ebenfalls im Verlauf der ersten Runde aus, kamen aber weiter als Guerra und Apicella.

Drei Dramen nach dem Debüt

Besonders tragisch sind die Geschichten von Jerry Unser, Herbert Mackay-Frazer und Riccado Paletti. Unser überlebte bei den 500 Meilen von Indianapolis 1958 einen Flug über die Mauer bei einer Massenkollision in der 3. Kurve. Zurückgelegte Distanz: 2,5 Kilometer. Beim Versuch sich ein Jahr später erneut für das Indy 500 zu qualifizieren, verunglückte der Bruder der späteren Indy-Sieger Bobby und Al Unser tödlich.

Wie Unser hat auch Landsmann Mackay-Fraser nur einen GP-Start in seiner Vita stehen. Eine Woche nach seinem Debüt beim GP Frankreich1957 starb der talentierte Amerikaner bei einem Formel 2-Rennen in Reims. Riccardo Paletti kam beim Boykott-Rennen 1982 in Imola nur acht Runden weit. Sein zweiter GP-Einsatz endete 100 Meter nach dem Start mit einer Katastrophe. Paletti krachte in den Ferrari von Didier Pironi, der beim Start stehengeblieben war. Der 23-jährige Italiener erlag seinen schweren Verletzungen, die er sich bei dem Aufprall zugezogen hatte.

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