Ricciardo analysiert Bottas-Duell

"Ich hätte einen Angriff gestartet"

Daniel Ricciardo - GP China 2018 Foto: sutton-images.com 121 Bilder

Daniel Ricciardo musste sich das spannende Finale des Bahrain Grand Prix am Fernseher anschauen. Warum Valtteri Bottas in der Schlussrunde keinen Angriff auf Sebastian Vettel gestartet hat, kann der Australier nicht nachvollziehen.

Das Rennen von Bahrain steuerte 57 Runden lang auf seinen Höhepunkt zu. Nach unterschiedlichen Taktikspielchen an den Kommandoständen von Mercedes und Ferrari ging es am Ende im Mann-gegen-Mann-Duell um den Sieg. Valtteri Bottas holte in der Schlussphase in Riesenschritten auf Sebastian Vettel auf. Als das Pärchen in die Schlussrunde einbog, hing der Silberpfeil seinem Kontrahenten direkt im Heck.

Daniel Ricciardo hatte seinen Rennoverall da schon längst ausgezogen. Der Australier war nach nur zwei Runden mit einem Batterie-Defekt gestrandet. Das Rennen schaute er sich zunächst noch ein wenig an der Strecke an. Dann fuhr er zurück ins Hotel, wo er den Fernseher aber gleich wieder einschaltete.

Ricciardo feuert Bottas an

Daniel Ricciardo - Formel 1 - GP Bahrain 2018 Foto: sutton-images.com
Ricciardo hatte nach seinem Ausfall genügend Zeit, das Rennen von außen anzuschauen.

„Ich habe noch die letzten drei, vier Runden gesehen“, berichtete der Australier vier Tage später in China. „Mit war es egal, ob Seb oder Valtteri gewinnt. Aber wenn ich mir ein Rennen anschaue, dann hoffe ich einfach, dass etwas Aufregendes passiert. In diesem Fall habe ich zu Valtteri gerufen: Go, go, go… starte einen Angriff! Das wollen die Fans doch auch sehen. Aber der Angriff blieb aus.“

Ricciardo konnte nicht nachvollziehen, warum der Finne nicht attackierte. „Ich hätte es in Kurve 1 probiert. Vielleicht hat Valtteri gedacht, dass er den Angriff besser in Kurve 4 startet. Aber ich glaube, man muss die erste Gelegenheit beim Schopf packen. Selbst wenn er sich verbremst und neben die Strecke rutscht, wird er immer noch sicher Zweiter.“

Nach dem Rennen musste Bottas von einigen Experten Kritik dafür einstecken, dass er zu zurückhaltend gefahren sei. Auch Ricciardo hätte anders gehandelt: „Ich hätte mich sicher nicht zufrieden gegeben. Vor allem, wenn der Sieg in Reichweite liegt. Das geht einfach nicht. So etwas steckt nicht in mir drin.“

Bottas würde wieder so handeln

Bottas & Vettel - GP Bahrain 2018 Foto: sutton-images.com
Zum direkten Duell zwischen Bottas und Vettel kam es nur bei der Champagner-Dusche.

Bottas selbst zeigte sich von der Kritik nicht großartig berührt. „Es ist für mich nicht schwer, damit umzugehen. Kommentare von außen kümmern mich einfach nicht. Ich habe das alles analysiert. Wenn ich noch einmal in der gleichen Situation wäre, würde ich nichts anders machen. Deshalb kann ich gut amit leben. Von mir aus können die Leute immer sagen, was sie wollen.“

Einen Ruf als guter Überholer hat sich Bottas noch nicht eingefahren. Bei Ricciardo sieht das ganz anders aus. Der Red Bull-Pilot gilt als einer der angriffslustigsten Fahrer im Feld. Dieses Image hat sich der Mann aus Perth hart erarbeitet. „Ich war schon im Go-Kart ein guter bzw. ein aggressiver Überholer. Aber in den ersten Jahren bei Toro Rosso hat mir ein wenig das Selbstvertrauen gefehlt. Da war ich einfach noch zu überwältigt davon, überhaupt in der Formel 1 zu sein.“

„Den Wechsel zu Red Bull habe ich dann als Chance gesehen. Auch um mir einen gewissen Ruf zu verschaffen. Ich wusste, dass ich in den ersten Rennen nicht einfach von allen anderen geschluckt werden darf. Sonst hätten die gesagt, dass man es mit mir einfach machen kann.“

Ricciardo verschafft sich Respekt

Bewusst habe Ricciardo aber nicht die Ellenbogen ausgefahren. „Am Ende kam es ganz natürlich. Ich wusste ja, dass ich es kann. In Kanada bei meinem ersten Sieg war mir zum Beispiel klar, dass ich Perez überholen muss. Dann könnte es mit dem Sieg klappen. Ich hatte vorher schon einige Podiumsplätze gesammelt. Und da wollte ich mich einfach nicht mit Rang 2 zufrieden geben. Das hat mich noch entschlossener gemacht.“

Auch wenn er selbst für sich versucht einen entsprechenden Ruf zu bekommen, ist es für Ricciardo nach eigener Aussage egal, wer im anderen Auto sitzt. „Da ändert sich an meiner Herangehensweise nichts. Egal ob es ein aggressiverer Fahrer ist oder nicht – wenn ich eine Lücke sehe, dann attackiere ich. Wenn der andere dann plötzlich reinhält, dann ist es halt so. Ich starte lieber einen Angriff es, als mich einfach anzustellen und zu grübeln.“

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