Daniel Ricciardo - Renault - Barcelona - F1-Test - 19. Februar 2019 Wilhelm

Schrecksekunde bei 320 km/h

Ricciardo verliert Heckflügel-Flap

Daniel Ricciardo hat die ersten 72 Runden in seinem neuen Renault-Team abgespult. Als Erinnerung bleiben ein Heckflügel-Bruch bei Top-Speed und ein Longrun, der Hoffnung macht.

Daniel Ricciardo verschafft Renault eine volle Bude. Die erste Pressekonferenz des Australiers in seiner neuen Umgebung war so gut besucht, dass Renaults Motorhome aus allen Nähten platzte. Dazu verfolgten auch noch Kameraleute der Streaming-Plattform Netflix den ehemaligen Red Bull-Piloten auch Schritt und Tritt und filmten seinen ersten großen Medienauftritt.

Ricciardo hatte gerade seinen zweiten Arbeitstag bei seinem neuen Rennstall hinter sich. Am Montagnachmittag drehte der siebenfache GP-Sieger 44 Runden, am Dienstagmorgen war schon nach 28 Runden Schluss.

An Ricciardos Renault brach bei Top-Speed auf der Zielgerade der Heckflügel-Flap ab. Renault hatte gerade erst den neuen DRS-Mechanismus installiert, der über Nacht aus Enstone eingetroffen war. Das Auto wurde bei 320 km/h wie von einer Riesenfaust getroffen. „Es fühlte sich an, als wäre ich mit offenem Flügel in die erste Kurve gebogen“, erzählte Ricciardo.

Er schaffte es nach dem Ritt durchs Kiesbett irgendwie der Mauer fernzubleiben und das Auto an die Box zurückzubringen. Danach verschwand der gelbschwarze Renner mit der Nummer 3 für lange Zeit in der Garage. Ricciardo drehte gerade noch eine Installationsrunde vor der Mittagspause. „Jetzt kann Nico am Nachmittag unser Programm fortsetzen.“ Gemeint war Teamkollege Hülkenberg.

Daniel Ricciardo - Renault - Barcelona - F1-Test - 19. Februar 2019
Wilhelm
Ohne Heckflügel-Flap fehlte Ricciardo die Haftung in Kurve 1.

Zu viele schlaue F1-Ingenieure

Dann erzählte Ricciardo vom positiven Teil des Vormittags: „Ich bin einen Longrun über 15 Runden gefahren und ich war sehr zufrieden, wie die Reifen gehalten haben. Zwischendurch war ich auf 1.23er Zeiten gefallen. Zum Schluss habe ich wieder Rundenzeiten von 1.22 Minuten geschafft. Das ist jetzt meine Referenz. Ich bin soweit mit dem Auto zufrieden. Am ersten Tag habe ich ein bisschen mit dem Setup herumgespielt, um es besser kennenzulernen. Am Dienstag habe ich es schon besser gespürt.“

Wo der Renault im Vergleich zur Konkurrenz steht, ist noch schwer zu beurteilen: „Ich bin bis jetzt nicht mit wenig Sprit oder in der höchsten Power-Stufe gefahren.“ Ricciardos Fahreindrücke decken sich mit den Aussagen seiner Kollegen. Die 2019er Autos haben nichts an Speed eingebüßt. „Wenn ich nicht wüsste, dass da jetzt andere Flügel am Auto sind, hätte ich keinen Unterschied zum Vorjahr gespürt.“

Wie sich der Renault R.S.19 im Verkehr benimmt, konnte der Mann aus Perth noch nicht sagen. „Ich war nie dicht genug an einem anderen Auto dran.“ Es überrascht Renaults neuen Hoffnungsträger nicht, dass die Rundenzeiten schon wieder so schnell sind. „Es gibt in der Formel 1 einfach zu viele schlaue Köpfe. Deshalb wird es nie gelingen, die Autos langsamer zu machen.“

Neuer Abschnitt in der Karriere

Bei Renault beginnt für Ricciardo ein neuer Abschnitt in seiner Karriere. Das war auch ein Grund, warum er einen Tapetenwechsel brauchte. „Bei Red Bull ging es fünf Jahre lang immer darum, mehr zu gewinnen. Mit diesem Saisonziel ist das Risiko groß, am Ende enttäuscht sein. Ich fragte mich: Soll ich da noch zwei Jahre dranhängen oder mal was Neues probieren. Bei Renault wollen wir auch gewinnen, wissen aber dass es im Moment eher unwahrscheinlich ist. Dafür ist viel Potenzial vorhanden zu wachsen und besser zu werden.“

Für Renault ist Ricciardo nicht nur ein exzellenter Fahrer, sondern auch eine Datenbank, die man anzapfen kann. Der WM-Sechste des Vorjahres weiß, wie sich ein Siegerauto anfühlt, und wo der Red Bull seine Stärken hatte. „In diesen Punkten kann ich den Ingenieuren nützliche Hinweise geben.“ Zum Beispiel, dass der Red Bull im Scheitelpunkt beim Tritt aufs Gaspedal wie festgeschraubt auf der Straße liegt. In solchen Bereichen muss Renault noch zulegen.

Renault R.S.19: Das neue F1-Auto im Detail

Renault R.S19 - F1-Auto - Saison 2019
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