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Ricciardos Meisterstück in Monte Carlo

Monaco-Sieg trotz MGU-K-Verlust

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Monaco 2018 - Rennen Foto: xpb 61 Bilder

Daniel Ricciardo siegte erstmals in Monaco. Der große Favorit wäre beinahe über die Technik gestolpert. Über 52 Runden fehlten seinem Red Bull mehr als 160 PS. Weil die Elektromaschine MGU-K den Dienst quittierte.

27.05.2018 Andreas Haupt

Es war ein hartes Stück Arbeit. Dabei hatte Daniel Ricciardo vor dem Start in den GP Monaco 2018 gedacht, der größte Teil sei bereits erledigt. Mit der Pole-Position, die er sich am Samstag souverän gesichert hatte, und die auf dem 3,337 Kilometer langen Straßenkurs praktisch die halbe Mitte ist.

Doch statt vorne wegzufahren, das Rennen zu kontrollieren und die Reifen zu managen, quälte sich der Australier über 52 der 78 Runden. Weil die Technik streikte und dem schnellsten Auto im Feld die Flügel stutzte. Es passiert laut Red Bulls Technik-Guru Adrian Newey 52 Runden vor Ende des Rennens. Die Elektromaschine MGU-K verweigerte ihren Dienst. Das ist der Teil des Hybridsystems, der im Schleppbetrieb kinetische Energie rekuperiert. Und beim Beschleunigen zusätzliche 163 PS in das System einspeist. Ohne die MGU-K ist auch die zweite E-Maschine MGU-H kein zusätzlicher Power-Lieferant. „Als ich auf das Gaspedal trat, fühlte es sich plötzlich so an, als ob nur noch die Hälfte der Leistung da ist. Ich drückte verschiedene Knöpfe, doch die Power kam nicht zurück. Ich dachte, das Rennen sei gelaufen“, schilderte der spätere Rennsieger den Moment, nach dem sein Rennen zu einer Zitterpartie werden sollte.

Ricciardo um vier Sekunden langsamer

Bis dahin hatte Ricciardo das Rennen nach seinem Geschmack bestimmt. Am Start wehrte er die Attacke von Sebastian Vettel ab. Danach hielt er seine Hypersoft-Reifen in Schuss und zog kurz vor dem ersten Boxenstopp das Tempo an. Ricciardo schüttelte seinen Verfolger Sebastian Vettel um fast drei Sekunden ab. Da nutzte Ferrari auch der frühere Reifentausch nichts. In der 17. Runde reagierte Red Bull auf Ferraris Undercut und steckte dem Auto mit der Startnummer 3 frische Ultrasoftreifen auf.

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Monaco 2018 - Rennen Foto: xpb
Ricciardo mit Vettel und Hamilton im Schlepptau.

Ricciardo genoss den Extra-Grip der neuen Reifen nur wenige Umläufe. Ohne die Zusatzleistung der Elektromaschine verlor sein RB14 dramatisch an Geschwindigkeit. Red Bull dachte sogar an die Aufgabe. „Die Motoreningenieure warnten, dass der Motor in Mitleidenschaft gezogen werde könnte. Ich entschied, dass wir weiterfahren müssen. In Monaco gibst du nicht einfach auf, wenn die in Führung bist“, sagte Red Bulls Teamchef Christian Horner. Ricciardo gelangen praktisch nur noch Rundenzeiten im hohen 1:19er Bereich. Vor dem Boxenstopp war er über vier Sekunden flotter unterwegs. Seine persönlich schnellste Rennrunde, gefahren im 13. Umlauf, lag bei 1:15.562 Minuten. Vettel rückte heran und klebte dem dunkelblauen Auto von nun an im Heck. Doch Ricciardo verteidigte sich meisterhaft. „Ich kam nie nah genug heran, um wirklich eine Attacke zu fahren. Er hat sich in den drei Kurven vor dem Tunnel immer genug Puffer aufgebaut“, erzählte Vettel.

Bremsen drohten zu überhitzen

Obwohl sich für den Vordermann die Probleme häuften. Ricciardo schaltete maximal in den sechsten Gang hoch. „Wir sagten ihm, dass er in diesen Getriebestufen die meiste Leistung aus dem Motor bekommt“, erzählte Horner. Ohne die unterstützende Hilfe der MGU-K beim Bremsvorgang drohten die hinteren Bremsen zu überhitzen. Horner berichtete, die hinteren Bremsscheiben seien kurz davor gewesen, Feuer zu fangen. „Ich musste die Bremsbalance um sechs oder sieben Prozent nach vorne stellen. Üblicherweise verstellst du sie im Rennen um ein bis zwei Prozent. Ich bin außerdem früh vom Gas gegangen, bevor ich bremste.“ Ricciardo bewerkstelligte die Herkulesaufgabe, die Bremsen und Reifen zu schonen und gleichzeitig Vettel hinter sich zu halten, ohne jeglichen Fehler. „Das Rennen fühlte sich ewig lang an. Jede Runde, in denen sich die Probleme nicht verschlimmerten, waren wie ein kleiner Sieg für mich.“

Die kurze VSC-Phase, ausgelöst durch den Auffahrunfall von Charles Leclerc auf Brendon Hartley, ließ Ricciardo nicht zittern. „Ich sehnte nur noch das Ende herbei“, berichtete der nun siebenmalige Grand Prix-Sieger. „Ein Safety Car hätte gefährlich werden können. Das hätte Sebastians Chance beim Restart werden können. Aber mit einem guten Kurvenausgang in Turn 19 hätte ich ihn wohl weiter hinter mir halten können.“ Als die Rennleitung grünes Licht gab, entwischte Ricciardo seinem Schatten. Vettel brachte im Gegensatz zum 28-Jährigen die Ultrasofts zu langsam auf Temperatur.

Der erste Sieg in Monte Carlo entschädigt für das verlorene Rennen 2016. „Ich musste zwei Jahre auf die Wiedergutmachung warten. Jetzt kann ich dieses Kapitel endlich abhaken.“ Im Ziel merkte man Ricciardo die Strapazen des Rennens an. „Ich konnte das Rennen nicht genießen.“ Der Druck löste sich erst so richtig, als er mit der Red Bull-Mannschaft in den hauseigenen Pool sprang. Der zweite Saisonsieg beschert ihm den dritten WM-Rang. 38 Punkte hinter Lewis Hamilton. „Der Titel ist nicht in meinem Kopf. Dafür ist das Polster von Lewis noch zu groß.“

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