Ricciardo über Baku

"Kurven wollen Abtrieb, Geraden sagen nein"

Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 16. Juni 2016 Foto: sutton-images.com 127 Bilder

Die beiden Red Bull-Fahrer freuen sich auf die Formel 1-Premiere in Baku. Auch wenn die Strecke dem Auto wegen der langen Geraden nicht so gut liegen dürfte. Daniel Ricciardo gefällt besonders die Boxeneinfahrt gut.

Für Daniel Ricciardo gab es zuletzt viel Frust. In Barcelona verhinderte die Strategie einen möglichen Sieg, in Monaco verpatzte Red Bull einen Boxenstopp und in Kanada musste der Australier nach einem heftigen Verbremser einen Reifenwechsel extra einlegen. „Sonst hätte es vielleicht fürs Podium reichen können“, blickt der 26-Jährige zurück.

Doch in Baku soll die Pechsträhne ein Ende finden. Ricciardo freut sich schon auf die ersten Runden. „Die Strecke gefällt mir sehr gut. Die enge Stelle bei Kurve 8 wird bestimmt interessant. Ich hätte es noch besser gefunden, wenn die Curbs nicht so weit in die Kurve reinstehen würden, dann könnte man dort noch schneller fahren.“

Ein Problem für den Red Bull sind allerdings die langen Geraden. Ab Kurve 16 geht es fast 2 Kilometer Vollgas geradeaus. Nur ein paar leichte Biegungen sorgen für etwas Arbeit im Cockpit. Ricciardo denkt aber, dass die komplette Passage ohne Bremsen geht: „Im Rennen sollte es kein Problem sein. Mein Ingenieur hat mir aber gesagt, ich soll den Gasfuß bitte nicht in der ersten Installationsrunde stehen lassen.“

Kann Red Bull die Geraden kompensieren?

Teamberater Helmut Marko hatte prognostiziert, dass der Red Bull auf der Geraden durch fehlende Leistung 1,2 Sekunden verlieren könnte. Ricciardo nahm es mit einem Schmunzeln: „Ich hoffe nicht, dass es so viel ist. Aber selbst wenn es nur eine Sekunde ist, wird es schwer, das im kurvigen Teil wieder aufzuholen. Mercedes und Ferrari haben ja auch gute Autos. Ich befürchte, unsere Siegchancen sind hier nicht ganz so gut wie auf den letzten Strecken.“

Wie viel Abtrieb die Strecke genau verlangt, lässt sich noch nicht sagen. Bei Red Bull wird man beide Autos mit unterschiedlichen Heckflügeln ins Freie Training schicken. Maximaler Anpressdruck ist aber sicher nicht gefragt, weil man sonst zu viel Zeit auf den Geraden verliert. Riccardo nimmt es locker: „Die Kurven wollen Abtrieb, aber die Geraden sagen nein.“

Eine Stelle hat es Ricciardo ganz besonders angetan – der Boxeneingang. Von der langen Geraden biegt die Strecke hier links ab. Mit mehr als 300 km/h muss man in eine enge Schikane einbremsen, bevor der Speed-Limiter aktiviert wird. „Da kann man viel Zeit gewinnen oder verlieren – ich schätze mal eine halbe Sekunde ist da drin. Das kann eine entscheidende Rolle spielen, wenn man ein anderes Auto über die Strategie überholen will. Das finde ich richtig gut.“

Verstappen mit Beinahe-Crash im Simulator

Auch Teamkollege Max Verstappen gefällt die Strecke. Er hatte sich am Donnerstagnachmittag aber noch kein genaues Bild gemacht: „Ich war noch nicht draußen. Ich kenne den Kurs nur aus dem Simulator. Da sah es ganz gut aus“, so der Holländer. Dass die Mauern oft nahe an der Ideallinie stehen, hat er bereits gemerkt: „Ich habe im Simulator ein paar Mal die Bande geküsst. Aber im Simulator ist man sowieso in jeder Kurve nah an einem Crash dran.“

Wichtig ist für Verstappen vor allem, dass er im Qualifying gut aussieht. Bisher hat er alle Duelle gegen Ricciardo verloren. Für den Youngster spielt dabei die mangelnde Erfahrung die Hauptrolle: „Im Rennen habe ich ein gutes Setup gefunden. Aber im Qualifying weiß ich immer noch nicht, wie das Auto unter gewissen Bedingungen reagiert. Da hat Daniel mehr Erfahrung. Aber ich lerne immer dazu.“

In Montreal kam es zu Beginn des Rennens zu einer heiklen Szene. Ricciardo fuhr hinter Verstappen und wollte vorbei: „Ich habe über Funk Bescheid gesagt, dass ich bei freier Fahrt schneller könnte“, erinnert sich Ricciardo. „Der Plan war dann, dass wir die Positionen tauschen. Oder dass er mir das Leben bei einem Angriff zumindest nicht schwer macht. Doch dann kam das virtuelle Safety-Car dazwischen. Danach habe ich in der dreckigen Luft zu viel Abtrieb verloren und kam deshalb nicht mehr nah genug ran.“

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