Red Bulls Wunderheilung

Daniel Ricciardo top, Sebastian Vettel flop

Sebastian Vettel Red Bull GP Australien 2014 Foto: xpb 26 Bilder

Ein Red Bull in der ersten Startreihe ist eigentlich ein Routinefall. Diesmal war es eine Sensation. Dem Titelverteidiger ist eine Wunderheilung gelungen. Profitiert hat aber nur Daniel Ricciardo davon. In Sebastian Vettels Auto spielte die Motor-Software verrückt. Im Regen ein unüberwindbares Handicap.

Zwei Wochen vor dem Saisonstart sah die Red Bull-Welt grau in grau aus. So wie das Wetter beim Abschlusstraining zum GP Australien. Die Autos kamen bei den Testfahrten nicht auf Touren. Wenig Kilometer, wenig Daten, dafür jede Menge Probleme. "Wir hatten keine Ahnung, wo wir standen", gibt Sebastian Vettel zu. Jetzt weiß er es. "Wir haben ein schnelles Auto."

Red Bull hat die Kurve gekriegt. Weil man Motorpartner Renault bei der Software auf die Sprünge half. Kugelsicher ist Renault aber noch nicht. Nach einem guten Freitag, ging es am Samstagmorgen erst einmal wieder rückwärts. Motorenchef Rob White bedauerte: "Bei unserer steilen Lernkurve kann das vorkommen." Die neu aufgespielte Motorsoftware spielte verrückt. Der Motor fiel in alte Unarten zurück. Beide Fahrer klagten über schlechtes Ansprechverhalten. Die volle Power konnte nur zeitweise abgerufen werden.

Auf dem Zielstrich um 6,1 km/h langsamer

Der Versuch das zu korrigieren war nur im Auto von Daniel Ricciardo von Erfolg gekrönt. Bei Vettel multiplizierten sich die Probleme. Im Regen ist ein Motor mit Leistungslöchern die Höchststrafe. "Eigentlich sollten wir die gleichen Kennfelder haben, doch bei mir hat das nicht so funktioniert wie bei Daniel. Woher das rührt, müssen wir noch herausfinden", erklärte Vettel.

Die Speedmessung auf dem Zielstrich zeigte Vettels Problem in nackten Zahlen. Er kam wegen seines störrischen Motors langsamer aus der Zielkurve und wurde 300 Meter später mit 286,6 km/h gemessen. Ricciardo war an gleicher Stelle 292,7 km/h schnell. Teamchef Christian Horner forderte: "Wir müssen den Fehler finden. So kann Seb das Rennen nicht bestreiten. Sein Auto war unfahrbar." So gesehen ist der Weltmeister mit dem 12. Startplatz nach der Strafversetzung von Valtteri Bottas noch gut bedient.

Vettel nach Räikkönen-Crash freigesprochen

Am Abend musste Vettel noch kurz um seine Startposition zittern. Es gab eine Untersuchung gegen ihn, weil er nach Kimi Räikkönens Unfall unter gelber Flagge zu schnell gewesen sein soll. Das Missverständnis klärte sich schnell auf. Dazu Horner: "Seb war in den Runden vorher so langsam, dass er seine schnellste Sektorzeit fuhr, obwohl er an der Stelle vom Gas ging."

Daniel Ricciardo schwebte zu der Zeit im siebten Himmel. Der Australier stellte sein Auto beim Debüt für sein neues Team vor seinem Heimpublikum auf Startplatz 2. "Das Ergebnis ist gut für das Selbstvertrauen", grinste der frühere Toro Rosso-Pilot. "Aber ich muss jetzt Ruhe bewahren. Es gibt keinen Grund zum Feiern. Das war nur ein Training. Und der Regen hat das wahre Kräfteverhältnis vielleicht ein bisschen verschoben."

Ein Ritterschlag vom Doktor

Der Sunnyboy aus Perth bekam von Teamberater Helmut Marko ein dickes Lob. Es hörte sich an wie ein Ritterschlag. "Wir wussten von früher, dass Daniel ein sehr guter Regenpilot ist. Er hat die ganze Qualifikation keinen Fehler gemacht. Eine super Leistung unter dem Druck, der auf ihm gelastet hat." In seiner ersten Freude glaubte Marko, sein Fahrer habe die Pole Position geholt. "Was, der Hamilton hat ihn noch überholt?" Sei‘s drum. Red Bull ist nach der Testpleite zurück im Geschäft. "Einer meiner Freunde hat 500 Pfund auf einen Podiumsplatz von Ricciardo gesetzt. Bei einer Quote von 1 zu 25. Er könnte morgen gut Geld verdienen", erzählte Horner.

Ricciardos Resultat Erleichterung für Vettel

Marko resümierte: "Nach dem, was wir bei den Testfahrten erlebt haben, müssen wir hochzufrieden sein. Da lagen wir zwei Schritte hinter Mercedes zurück. Jetzt sind es nur noch zwei Zehntel." Vettel freute sich mit seinem neuen Teamkollegen: "Daniel hat gezeigt, dass die Richtung stimmt. Wir stehen nicht mehr vor dem großen Fragezeichen, das wir nach den Testfahrten hatten. So gesehen ist sein Ergebnis eine große Erleichterung."

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