Risikofaktor

Der Fluch der Radkappen

Foto: Honda 13 Bilder

Ferrari hatte als erstes Team beim GP England 2007 die Idee mit den verkleideten Vorderradfelgen. McLaren folgte, mittlerweile auch Renault, Honda und Red Bull. Dem aerodynamischen Nutzen stehen allerdings auch Risiken gegenüber.

Die Radabdeckungen sind Teil der Radmutter und drehen sich deshalb nicht mit. Das erlaubt es, die heiße Abluft von den Bremsen gezielt nach außen zu leiten. Die Platzierung der Öffnung ist eine Wissenschaft für sich. Ferrari hat das Loch in die linke untere Ecke gelegt. Bei Honda ist es im zweiten Anlauf am unteren rechten Rand. McLaren lässt die Luft mit einem Schnorchel nach vorne austreten. Williams und Toyota brachen Versuche mit verkleideten Rädern wieder ab.

BMW konnte nur auf bestimmten Strecken Vorteile erkennen. "Die Ergebnisse waren nie konstant. Bei eingeschlagenen Rädern kam es zu Verschiebungen der aerodynamischen Balance, weil die Luft dann in einem anderen Winkel austritt", erklärt Technikchef Willy Rampf. Die Turbulenzen rund um die Vorderräder sind extrem kritisch. Weil hinter dem Rad eine Unterdruckzone liegt, möchte die Luft gerne dort nach innen Richtung Chassis abbiegen. Das wollen die Aerodynamiker aber verhindern.

Exakte Abstimmung

Ziel ist es, die Luft in Bodennähe austreten zu lassen, um dort den Luftstrom so zu beschleunigen, dass er auch andere Strömungen in dem Bereich mitreißt. McLaren-Direktor Martin Whitmarsh erklärt die Problematik: "Alles muss exakt aufeinander abgestimmt sein, damit es funktioniert: Frontflügel-Endplatten, Bremstrommeln, Radträger, Leitbleche."

Der Trick mit der Felgenverkleidung bringt einen aerodynamischen Vorteil, doch die Teams bezahlen dafür hin und wieder mit schlechten Boxenstopps. Die Radkappen machen den Reifenwechsel zu einer Geschicklichkeitsübung, weil die Radmutter für den Mechaniker nicht sichtbar tief im Inneren der Abdeckung liegt und er leicht den Schlagschrauber verkanten kann. Red Bull macht eine einfache Rechnung auf: Die Radkappen bringen über eine Renndistanz sechs Sekunden. Da kann man sich unter dem Strich einen Patzer beim Boxenstopp leisten.

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