Rosberg

Auf Hamilton-Niveau

Foto: Williams F1 143 Bilder

Mit einer starken Leistung konnte Nico Rosberg in Australien erstmals das Formel 1-Podium besteigen. Für seinen Renningenieur Tony Ross liegt der Wiesbadener fahrerisch auf einem Niveau mit Lewis Hamilton.

Bei Szenekennern gehört Rosberg mittlerweile zu den Top fünf der Weltrangliste. McLaren wollte ihn und blitzte ab. Frank Williams schlug sogar eine 25 Millionen Dollar Offerte aus. Rosberg ist seine Lebensversicherung.

Bezugsperson an der Strecke

Tony Ross kennen nur die Insider. Der 41-jährige Engländer arbeitet seit 1997 bei Williams - erst in der Entwicklungsabteilung, dann im Testteam und seit sechs Jahren als Renningenieur. Er assistierte drei Jahre Juan Pablo Montoya, dann eine Saison lang Nick Heidfeld, bevor ihm 2006 der Rookie Nico Rosberg zugeteilt wurde.

"Nico ist sehr deutsch - und nicht nur, weil es in seinem Pass steht" sagt Ross über seinen Piloten. Soll heißen: disziplinierter, analytischer und weniger emotional als beispielsweise Vollgastier Montoya. Auch hinter dem Lenkrad habe jeder Fahrer seine Handschrift, erzählt Tony Ross: "Montoya konnte und wollte seinen Fahrstil nicht ändern. Nico kann sich dagegen unheimlich gut anpassen. Er hat sich im letzten Jahr extrem schnell auf Einheitsreifen eingestellt."

Renningenieur ist kein Beruf für eine 38-Stunden-Woche. Ross kommt an den vier Tagen eines Grand Prix auf 44 Stunden Streckenpräsenz. Und die Arbeit ist nie wirklich zuende: "Die Auto-Abstimmung optimieren, das Maximum aus meinem Fahrer herausholen, der Fabrik daheim ein Feedback geben und eine Datenbank für Problemlösungen erstellen." An einem GP-Wochenende finden bei Williams elf Briefings statt.

Strecke erlaufen statt erfahren

Den Anfang macht traditionell der Fußmarsch um die Strecke. "Das ist die beste Gelegenheit Nico mal ungestört über die Neuigkeiten aus der Fabrik zu informieren, Probleme aus dem letzten Rennen zu besprechen, ihn auf das Programm vorzubereiten." Rosberg fügt hinzu: "Ich bin abergläubisch. Es bringt Glück, wenn ich die Strecke ablaufe."

Der Youngster erwartet von seinem Ingenieur, dass er ihn blind versteht, "dass er im richtigen Moment die richtigen Fragen stellt und meine Aussagen über das Auto in meine Setup-Wünsche übersetzen kann." Am Funk selbst spricht der Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg nur wenig: "Wer lenkt und redet kann nicht 100 Prozent geben."

Für Tony Ross fährt sein Schützling auf dem Niveau von Lewis Hamilton. "Nico hat 2006 in Bahrain genauso stark wie Lewis ein Jahr später debütiert. Während es bei Hamilton in dem Stil weiterging, wurde Nico vom Auto im Stich gelassen." Mittlerweile ist Rosberg gereift. Und nach dem starken Auftritt in Melbourne ist vom neuen Williams-Teamkapitän 2008 noch viel zu erwarten.

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