Rosberg

"Es kann wieder passieren"

Foto: Wolfgang Wilhelm 47 Bilder

Der Boxencrash von Montreal wirkt immer noch nach, auch wenn Lewis Hamilton und Nico Rosberg den Blick nach vorne richten. Hamilton hat sich für die Problembewältigung eine schöne Formel ausgedacht: "Ich war zur falschen Zeit am falschen Platz."

Nico Rosberg sieht die Panne von Montreal differenzierter. "Das war echt ärgerlich. Ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass die Ampel auf Rot steht. Das war mir noch nie in meiner Karriere passiert. Ich kann nur das Positive sehen: Ich habe wieder etwas gelernt."

Als die Sprache darauf kommt, dass Teammanager Tim Newton über Funk vor der roten Ampel warnte, wird Rosberg kleinlaut. "Ich bin enttäuscht, dass mein Team diese Geschichte kommuniziert hat. Sie haben etwas am Funk gesagt, aber nicht, dass ich anhalten soll." Die Wahrheit kann man sich ausmalen. Der Teammanager sagte dem Fahrer, dass die Ampel rot zeigt, aber er sagte nicht explizit, dass er anhalten soll.

Wieso aber kann es überhaupt passieren, dass einem Fahrer von der Klasse Rosbergs so ein Lapsus unterläuft? "Wisst Ihr, was man alles im Cockpit zu tun hat nach so einem Boxenstopp?", kommt die Gegenfrage. "Du musst jede Menge Knöpfe drücken, hast die Ingenieure im Ohr, die dir die neue Strategie erklären, dann hatte ich noch ein Getriebeproblem beim Losfahren und musste nach den Gängen suchen, und dann kommt von links noch der Alonso aus seiner Box. In dem Augenblick habe ich nur noch das blinkende Rücklicht von Hamiltons McLaren gesehen und nichts mehr drum herum. Als er plötzlich stoppte, war es zu spät für mich. Ich konnte die parkenden Autos an der Boxenausfahrt nicht erkennen. Sie waren durch den McLaren verdeckt."

Appell an das Team

Rosberg erklärt auch, warum ein Formel 1-Auto aus 80 km/h nicht einfach so anhalten kann, wo doch auf der Strecke 80 Meter ausreichen von 300 auf 100 km/h herunterzubremsen. "Bei 80 km/h fehlt jeglicher Abtrieb. Die Rillenreifen haben kaum Grip. Da ist die Bremswirkung von 80 km/h auf null nicht mehr so toll."

Rosberg will nicht ausschließen, dass ihm das gleiche in Zukunft noch einmal passieren könnte. Dazu ist man im Cockpit einfach zu angespannt. Er bat deshalb sein Team, ihm bei ähnlichen Situationen deutlicher zu warnen. "Wenn du so eine Situation nicht erwartest, kann es einfach passieren. Man darf auch Lewis deshalb nicht einen zu großen Vorwurf machen. Er war einfach zu dicht an Räikkönen und Kubica dran."

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