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Red Bull - Formel 1 - Technik - GP Australien 2017
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Formel 1-Pläne von Ross Brawn

„Force India muss Rennen gewinnen können“

Ross Brawn hat im Rahmen des Rennwochenendes von Melbourne über seine Pläne für die Formel 1 gesprochen. Der ehemalige Mercedes-Teamchef erklärt, wie in der Königsklasse wieder mehr Teams um Siege kämpfen sollen.

Eigentlich hatte Ross Brawn schon mit der Formel 1 abgeschlossen. Seine Entscheidung war gefallen, dass er nie wieder für einen Rennstall arbeiten will. Doch dann kam das Angebot der neuen Rechteinhaber von Liberty Media. Für Brawn wurde eine ganz neue Position geschaffen. Der Ingenieur kümmert sich ab sofort für die F1-Muttergesellschaft um die sportlichen Belange der Königsklasse.

In Melbourne hat der Brite nun erstmals Details über seine Arbeit und seine Zukunftsvision für die Formel 1 verraten. Viel Konkretes war dabei noch nicht zu hören. Aber es wurde klar, in welche Richtung die Reise gehen soll: „Ich möchte mit den Teams und der FIA zusammenarbeiten, um die Formel 1 nach vorne zu bringen und tollen Rennsport zu garantieren. Und mit tollem Rennsport meine ich enge Kämpfe, gesunde Teams und eine echte Vergleichbarkeit der Leistungen der Fahrer.“

Brawn will mit neuer Motorenformel starten

Diese Ziele seien nicht über Nacht zu erreichen, stellte Brawn klar. Das ehemalige "Ferrari-Superhirn" will sich Zeit lassen, bevor große Veränderungen angekündigt werden. Brawn sucht den Konsens mit den Teams. Alle Konsequenzen müssen berücksichtigt werden. Alle Beteiligten sollen mit ins Boot genommen werden. Bei den Fans bittet der neue starke Mann der Königsklasse deshalb um Geduld.

„Wir müssen die Situation mit der FIA und den Teams vernünftig analysieren, um die richtigen Lösungen zu finden. Wenn wir jetzt etwas schnell einführen, besteht die Gefahr, dass einige benachteiligt werden, was die Struktur ihrer Teams und ihre Investitionen betrifft“, so Brawn.

Bis 2020 gilt das aktuelle Concorde Agreement. Vorher sind keine Veränderungen bei der Geldverteilung der Teams möglich. Und auch die aktuelle Motorenformel ist noch bis 2020 festgeschrieben. Den Antrieb der F1-Autos hat Brawn aber schon als wichtigen Ansatzpunkt für Veränderungen ausgemacht.

„Die aktuellen Motoren stellen eine großartige Ingenieursleistung dar. Aber sie sind sehr teuer und sehr kompliziert. Wir müssen erst einmal die neue Antriebsformel definieren, dann können wir über die ganzen anderen Bausteine drumherum diskutieren, zum Beispiel eine standardisierte Kraftübertragung.“

Kommt der Budget-Deckel?

Brawn will die Formel 1 für die Teams günstiger machen. Die Ausgaben müssen gesenkt werden. Auf der anderen Seite will er die Ressourcen beschränken. Ein Budgetdeckel scheint unvermeidlich. „Wir brauchen so viele Teams wie möglich, die konkurrenzfähig sind. Der Abstand zwischen dem vorderen und dem hinteren Teil der Startaufstellung muss reduziert werden.“

„An einem guten Tag und mit einem guten Fahrer sollte auch ein Team wie Force India in der Lage sein, ein Rennen zu gewinnen. Das ist momentan ziemlich unwahrscheinlich. Das bedeutet, dass wir die Ressourcen der Teams begrenzen müssen. Alle müssen mit den gleichen Voraussetzungen starten um die gleichen Möglichkeiten zu haben, ein Rennen zu gewinnen.“

Kuchen muss größer werden

Neben der Budget-Beschränkung steht auch eine gerechtere Geldverteilung auf der Liste von Brawn. Die kleinen Teams sollen einen größeren Anteil bekommen, die großen einen kleineren. Doch machen Ferrari, Mercedes und Red Bull bei diesem Plan mit? Brawn appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der großen Rennställe.

„Wir müssen diese Teams vom großen Bild in der Formel 1 überzeugen. Es gibt Beispiele aus anderen Serien, wo einige Teams zum Allgemeinwohl Zugeständnisse gemacht haben. Und am Ende hat sich der Sport so entwickelt, dass alle Teams auch kommerziell davon profitiert haben. Wir müssen über diese Hürde kommen, dass alle daran glauben, dass wir den Sport als Ganzes viel größer machen können. Die Größe des Stücks vom Kuchen ist weniger wichtig als die Größe des gesamten Kuchens.“

Experten-Team für Überholproblem

Auch in der Frage, wie man wieder mehr Rennaction auf der Strecke garantieren kann, hat der 62-Jährige schon konkrete Vorstellungen. Seit Jahren besteht das Problem, dass sich die Autos nicht nahe genug folgen können. Der Anpressdruck wird durch die gestörte Anströmung so stark reduziert, dass Angreifer keine Chance haben. Die Lösung hieß bisher DRS. Doch für Brawn gibt es auch Alternativen zur künstlichen Überholhilfe.

„Wir können die Aerodynamik nicht einfach abschalten. Ich höre oft den Vorschlag, den Abtrieb zu reduzieren und breite Reifen einzuführen, damit der Grip mechanisch produziert wird. Das könnten wir machen, aber dann wären die Autos ein gutes Stück langsamer als in anderen Monoposto-Serien. Wir sollten also Lösungen finden, wie die Autos trotz Aerodynamik eng miteinander kämpfen können. Da wurde noch nie richtig drüber nachgedacht.“

„Die Frage lautet, ob wir Ideen entwickeln können, bei denen wir die Vorzüge der Aerodynamik nutzen aber gleichzeitig die negativen Konsequenzen reduzieren können. Wir werden hier in der FOM ein Team zusammenstellen, um neue Lösungen zu finden. Es gibt Beispiele für Rennautos mit relativ viel aerodynamischen Abtrieb, bei denen es enge Zweikämpfe gibt, zum Beispiel im Sportwagen-Bereich oder bei den IndyCars.“

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