Rubens Barrichello übt Kritik

"Schluss mit den Experimenten“

Rubens Barrichello - GP Deutschland - Nürburgring - 22. Juli 2011 Foto: xpb 21 Bilder

Rubens Barrichello hat die Nase voll. Ein paar Rennen lang spielte er das Versuchskaninchen für technische Entwicklungen und fiel deshalb hinter Teamkollege Pastor Maldonado zurück. Jetzt konzentriert er sich wieder auf sich selbst. Es geht um seinen Platz in der Formel 1.

Rubens Barrichello liegt im Trainingsduell mit 5:6 gegen Teamkollege Pastor Maldonado zurück. Das ist eine Überraschung, denn im Vorjahr gewann der Brasilianer den Vergleich mit Nico Hülkenberg. Und der Deutsche ist wesentlich höher einzustufen als Maldonado. Der Grund für Barrichellos Durchhänger liegt darin, dass der GP-Veteran bislang den Testdummy für Williams spielte. Sämtliche Neuentwicklungen kamen zuerst bei ihm ans Auto. Manchmal blieben sie auch dort, obwohl das Freitagstraining schlechtere Ergebnisse lieferte. Barrichello wollte im Renntrim zusätzliche Daten sammeln.

Damit ist jetzt Schluss. Am Hungaroring kehrte Barrichello zu dem alten Unterboden zurück, bei dem der Auspuff nach innen bläst. Der produziert zwar weniger Abtrieb, doch der ist dafür konstant. "Und das ist auf einer Strecke wie dem Hungaroring entscheidend. Da brauchst du Vertrauen ins Auto."

Maldonado hatte schon am Nürburgring auf die Version des Testwinters gesetzt. "Ich wollte nicht noch einmal nur Testfahrer sein", wiegelte Barrichello die Bitten seines Teams ab. Der dienstälteste Formel 1-Pilot muss auf die Rundenzeit schauen. Und sein Abschneiden im Vergleich zu Maldonado. Prompt war in Ungarn die alte Hackordnung wieder hergestellt. Mit gleicher Konfiguration nahm Barrichello seinem Stallrivalen 0,7 Sekunden pro Runde ab. Im Training und im Rennen.

Vertragsverlängerung nicht gesichert

Sein Vertrag für 2012 ist immer noch nicht verlängert. Aus dem Mund von Frank Williams und Adam Parr hört man plötzlich, dass die Personalie Barrichello nicht in Stein gemeißelt ist. Am Hungaroring wurde bekannt, dass sich Williams wieder für Nico Hülkenberg interessiert. Auch Adrian Sutil wäre eine Variante zu Barrichello.

Der elffache GP-Sieger verweist auf seine immense Erfahrung. Und den Speed, den er immer noch hat. Barrichello bewegte sich beim GP Ungarn lange in den Punkterängen, bis das alte Problem wieder auftrat. "Unser Auto kocht die Hinterreifen. Die Fahrbarkeit des Motors ist schlecht, was bei rutschigen Bedingungen besonders kritisch ist. Egal, was wir machen, wir kriegen das Reifenproblem nicht weg. Wir bringen zu viele neue Teile ans Auto und verwirren uns nur selbst. Da passt das vordere Ende nicht mehr zum hinteren."

Barrichello zählte zu den zehn Fahrern, die bei dem kurzen Regenschauer in den Runden 47 bis 52 auf Intermediates gewechselt haben. Das stellte sich im Rückblick als Fehler heraus. Barrichello verteidigt seine Entscheidung: "Vor mir hat sich Hamilton gedreht. Es war sauglatt. Mit unserem Auto ist es kein Spaß bei diesen Bedingungen mit Slicks weiterzufahren. Es ist dafür viel zu hart abgestimmt. Ich stand vor der Wahl: Entweder fliegst du wie Hamilton ab, oder der Reifenwechsel zahlt sich aus und du wirst Fünfter. Wir müssen zocken. Aus eigener Kraft kommen wir nicht in die Punkte. Dazu ist unser Auto zu langsam."

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