Rundenzeit-Analyse

Mercedes spielt mit den Gegnern

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2015 Foto: Wilhelm 17 Bilder

Mercedes-Siege sind Routine geworden. So wie Ferrari-Erfolge zu Michael Schumachers Zeiten. Das Resultat zeigt aber nicht immer das wahre Bild. Die Überlegenheit ist viel größer, als es der Vorsprung im Ziel vermuten lässt. Schlechte Aussichten für 2016.

Beim GP Russland hatte Lewis Hamilton im Ziel einen Vorsprung von 5,9 Sekunden auf Sebastian Vettel. Ferrari freute sich, dass man in der zweiten Rennhälfte dem Spitzenreiter immer näher kam und schloss daraus, dass die generelle Richtung stimmt. Ferrari holt auf. Doch das könnte ein Trugschluss sein. Hamilton ging nach dem Boxenstopp nur vom Gas, weil er technische Probleme hatte. Aber auch ohne das Problem, hätte er freiwillig Tempo reduziert.

Mercedes will keine schlafenden Hunde wecken. Die Gegner müssen bei Laune gehalten werden. Sonst werden sie aufmüpfig und mischen sich am Ende unter jene, die neue Regeln fordern. Und auch die Fans sind sauer, wenn Mercedes zu deutlich vor dem Feld herfährt. Das wäre kontraproduktiv.

Hamiltons Problem konnte während der Fahrt nicht eindeutig identifiziert werden. "Hin und wieder ist im Heck der Abtrieb abgerissen." Es passierte hauptsächlich beim Überrunden im Verkehr. "Der Effekt wirkte sich so aus, als hätte er mit offenem DRS gebremst", erklärte ein Ingenieur. Man vermutete Gummipartikel im Spalt zwischen den Hauptblatt und dem Flap des Heckflügels.

Rundenzeiten-Analyse zeigt wahre Mercedes-Stärke

Nach Nico Rosbergs Ausfall wollte Mercedes nichts mehr riskieren. Hamilton wurde angewiesen langsamer zu fahren und beim Überrunden auf DRS komplett zu verzichten. So schrumpfte sein Vorsprung auf Vettel innerhalb von 20 Runden von 13,2 auf 5,9 Sekunden. Vettel drehte auch die schnellste Runde. Eine halbe Sekunde besser als Hamilton.

Doch das als Maßstab zu nehmen, wäre Schönfärberei. Das wahre Bild zeigte sich zwischen den Runden 17 und 31. Da baute Hamilton seinen Vorsprung auf Vettel von 4,8 auf 15,4 Sekunden auf. Der Engländer absolvierte 15 Runden mit 1.41er Zeiten am Stück. Valtteri Bottas und Sebastian Vettel kamen nie unter 1.42,1 Minuten (siehe Tabelle). Teilweise umrundete der Mercedes-Pilot den Kurs um bis zu 1,2 Sekunden schneller als seine Verfolger.

Ob Hamilton in dieser Phase alles zeigte, muss bezweifelt werden. Was möglich ist, wenn er wirklich mal Gas gibt, demonstrierte er in Suzuka. Da lag seine schnellste Rennrunde um 1,761 Sekunden unter dem Bestwert der Konkurrenz.

Auch in Japan ließ Hamilton in der zweiten Rennhälfte die Zügel schleifen. Mercedes spielt mit der Konkurrenz. Deshalb blickte man in Singapur auch nicht in unglückliche Gesichter. Ferrari war happy. Das ist politisch wichtig. Inzwischen kennen alle im Team die Fehler, die mit der Abstimmung und den Abläufen gemacht wurden. Man kann in Brackley und Brixworth mit der Niederlage gut leben.

Neuer Mercedes-Motor mit deutlich mehr Drehmoment

Der Vorsprung der Mercedes-Autos ist seit dem Einsatz der neuen Motorspezifikation noch größer geworden. Mercedes behauptet zwar, dass die modifizierte Antriebseinheit ein Testträger für 2016 ist und auf der Rennstrecke höchstens zwei Zehntel bringt, doch das nimmt dem Klassenbesten keiner ab.

GPS-Messungen der internen Konkurrenz haben ergeben, dass der neue Motor dramatisch mehr Drehmoment entfesselt. Die Kunden können das an den Beschleunigungswerten leicht feststellen. Sie kannten die Differenz zum Werksteam vorher, und sie kennen den Ist-Zustand.

Das sind schlechte Aussichten für 2016. Selbst Ferrari wird sich schwer tun, den Rückstand aufzuholen. Auf eine Runde im Training ist das vielleicht noch möglich, doch wenn es im Rennen auf den Spritverbrauch und die zuverlässige Abgabe der elektrischen Energie ankommt, dann geht die Schere auf.

Mercedes war in Sochi das einzige Team, das zuverlässig über die gesamte Runde boosten konnte. Die letzte Lücke, die Motorenchef Andy Cowell und seine Männer diesbezüglich noch schließen müssen, ist Spa. "Da reichte es ganz knapp nicht", gibt Cowell zu. In Spa war aber auch noch die alte Spezifikation im Einsatz.

Rundenzeit-Analyse GP Russland

Runde Hamilton Vettel Differenz
17 1.41,709 1.44,432 2,723 s
18 1.41,499 1.42,641 1,142 s
19 1.41,751 1.42,352 0,601 s
20 1.41,820 1.42,189 0,369 s
21 1.41,336 1.42,199 0,863 s
22 1.41,586 1.42,099 0,513 s
23 1.41,713 1.42,437 0,724 s
24 1.41,444 1.42,572 1,128 s
25 1.41,980 1.42,715 0,735 s
26 1.41,469 1.43,149 0,680 s
27 1.41,516 1.42,326 0,810 s
28 1.41,361 1.42,283 0,922 s
29 1.41,463 1.42,510 1,047 s
30 1.41,372 1.42,618 1,246 s
31 1.41,657 BOX
Neues Heft
Top Aktuell Robert Kubica - Formel 1 - 2018 Williams bestätigt Vertrag für 2019 Kubica-Comeback perfekt!
Beliebte Artikel Renault V6-Turbomotor, Formel 1, 06/2013 Was macht Renault? Noch 12 Token ungenutzt Mercedes - GP Russland 2015 Power Ranking GP Russland Mercedes stärker als es aussah
Anzeige
Sportwagen McLaren 720S Spider McLaren 720S Spider Supersportwagen als Cabrio Speed Buster BMW M5 BMW 5er-Tuning Bis zu 800 PS im M5 sind möglich
Allrad Ford Bronco Neuer Ford Bronco 2020 Bald Serie, aber nicht mehr Kult Subaru Crosstrek Hybrid (USA) Subaru Crosstrek Hybrid (2019) XV für die USA als Hybrid
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu