George Russell - Williams - GP Steiermark - Spielberg - Formel 1 - 25. Juni 2021 xpb
Max Verstappen - Red Bull - GP Österreich 2021 - Spielberg - Qualifikation
Fans - GP Österreich 2021 - Spielberg - Qualifikation
Fans - GP Österreich 2021 - Spielberg - Qualifikation
Max Verstappen - Red Bull - GP Österreich 2021 - Spielberg - Qualifikation 43 Bilder

Russells Glanzleistung: Auf Mediumreifen ins Q3

Russell auf Mediums ins Q3 Williams-Pilot auf Punktekurs

George Russell war neben Lando Norris der Star der Qualifikation. Der Engländer zog erstmals in einem Williams in den dritten Qualifikationsteil ein. Und das auch noch auf den härteren Reifen. Russell sieht sich in einer guten Ausgangsposition, erstmals auch für seinen Rennstall zu punkten.

Inzwischen ist es George Russell gewohnt, selbst im Williams ins Q2 einzuziehen. In dieser Saison hat er das bis jetzt an jedem Rennwochenende getan. Beim ersten Steiermark-Grand Prix kratzte der 23-jährige Engländer bereits an Q3. Im zweiten Versuch klappte es. Russell boxte sich gegen die Ferrari, Daniel Ricciardo und Fernando Alonso durch, die eigentlich in schnelleren Autos sitzen.

Es brauchte auch ein wenig Glück. Der Williams-Pilot eroberte einen Top-10-Platz für das zweite Österreich-Rennen, weil Alonso von Vettel in seiner schnellsten Runde aufgehalten wurde. Sonst hätte der Spanier den Youngster rausgekickt. So vollbrachte Russell die nächste Heldentat im Williams. Er schaffte das Kunststück, sich wie die beiden Red Bull, Mercedes und Lando Norris sogar auf den Mediumreifen zu qualifizieren.

George Russell - Williams - GP Österreich 2021 - Spielberg - Qualifikation
xpb
George Russell schaffte zum zweiten Mal in seiner Laufbahn den Einzug ins Q3 - einmal mit Williams, einmal mit Mercedes.

Russell weiter ungeschlagen bei Williams

Williams bejubelte sein bestes Qualifikationsergebnis seit einer Ewigkeit. Mit dem Traditionsrennstall geht es langsam wieder aufwärts. Eine Trendwende zum Guten scheint eingeleitet. "Das Auto ist besser. Die Kommunikation im Team ist besser. Die Abläufe sind besser. Wir sehen, dass unser Team Fortschritte macht. Dass es so schnell geht, hätten wir nicht gedacht", berichtete ein glücklicher Teamchef. Jost Capito steht beim Rennstall seit Februar in der Verantwortung. "Und dann haben wir mit George einen Fahrer, der es einfach immer auf den Punkt bringt."

So langsam wird die Serie unheimlich. In seinem 45. Qualifying in einem Williams schlug Russell seinen Teamkollegen zum 45. Mal. Ja, die Gegner hießen Robert Kubica und Nicholas Latifi. Trotzdem: Bisher hat sich der Engländer keinen Ausrutscher geleistet. Nur einmal hat er einen Vergleich verloren – als Aushilfsfahrer im Mercedes von Lewis Hamilton in Sakhir im Vorjahr. Damals unterlag er knapp gegen Valtteri Bottas, zeigte in dem für ihn unbekannten Auto aber dennoch eine Glanzleistung. Beinahe hätte Russell damals seinen ersten Grand Prix gewonnen.

Es mussten sich schon alle Umstände gegen ihn verschwören, dass es mit dem Sieg nicht klappte, sondern nur mit drei WM-Punkten. Am Rennsonntag von Spielberg will Russell endlich auch für Williams punkten. Das blieb ihm bislang verwehrt. Der Start auf den Mediumreifen bringt ihn in eine gute Ausgangssituation. "Alpha Tauri startet vor uns auf dem Soft. Aston Martin hinter uns ebenfalls. Wir denken, dass dieser Reifen ein Desaster sein wird. Auf dem Medium sind wir besser aufgestellt. Der Reifen hält länger und gibt uns mehr Flexibilität in der Strategie."

In der Quali fast zu schnell

Beinahe wäre Russell zu schnell gefahren. Beinahe wäre deshalb die Taktik nicht aufgegangen. Seinen ersten Run in Q2 schloss er auf den Softreifen mit einer Rundenzeit von 1:04.650 Minuten ab. Team und Fahrer befürchteten, diese Rundenzeit auf dem etwas härteren Mediumreifen nicht mehr unterbieten zu können. Dann hätte Russell auf dem ungeliebten Softreifen starten müssen.

Doch der Formel 2-Meister von 2018 steigerte sich auf den Mediums um eine Zehntelsekunde auf eine Rundenzeit von 1:04.553 Minuten. Eine Sternstunde. "Diese Runde zählt zu den fünf besten meiner Formel 1-Laufbahn", bilanzierte Russell. "Sie fühlt sich an wie eine Pole Position. Dass wir uns auf weichen Reifen mal für Q3 qualifizieren könnten, hatte ich erwartet. Aber dass es auf dem Medium klappt, ist ein Riesending." Russell hatte keine Unterstützung, sondern verdiente sich den Einzug selbst. "Es gab keinen Windschatten."

Jetzt braucht es einen sauberen Start, eine gute erste Runde und ein diesmal zuverlässiges Auto, damit Williams endlich wieder Zählbares mitnimmt. Das gelang dem Team zuletzt vor zwei Jahren beim GP Deutschland. In der Vorwoche hatte ein Defekt am pneumatischen Ventilsystem des Motors den FW43B mit der Startnummer 63 zur Aufgabe gezwungen.

George Russell - Williams - GP Österreich 2021 - Spielberg - Qualifikation
xpb
Williams hat sein Auto in den letzten Wochen verbessert.

Williams wird besser

Der Red Bull Ring schmeckt dem Auto. Bei einem Volllastanteil von fast 80 Prozent hilft der Mercedes-V6-Turbo. Das Team hat auch Fortschritte beim Verständnis mit dem Auto gemacht. "Ab Frankreich sind wir in eine etwas andere Richtung gegangen. Das zahlt sich bisher aus", sagt Russell. Williams hat die Fahrbarkeit und die Balance verbessert. Die Aerodynamik ist nicht mehr so spitz. Kleinere Updates schafften mehr Stabilität. Der Teamchef hat noch eine weitere Erklärung. "Hier ist es windstill. Das hilft unserem Auto."

Die Stimmen werden lauter, die Russell in einem Mercedes fordern. Der Pilot selbst übt sich in Zurückhaltung. "Ich übe keinen Druck aus." Dann streut er Lewis Hamilton Komplimente. "Er ist einer der besten der Geschichte. Ich bin froh, dass er seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat. In der Formel 1 willst du gegen die Besten fahren. Wenn Lewis nicht da wäre, wäre das ein großer Verlust."