Max Verstappen - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2021 Motorsport Images
Max Verstappen - Red Bull - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
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Baku-Chaos: Kritik an FIA-Rennleiter Masi

Safety-Car-Signal und Flaggen-Verstöße Kritik an FIA-Rennleiter Masi

GP Aserbaidschan

Hat FIA-Rennleiter Michael Masi nach dem Verstappen-Crash in Baku falsch reagiert? Viele Fahrer beklagten sich, dass das Safety-Car-Signal viel zu spät erfolgte. Bei McLaren ärgerte man sich zudem, dass die Piloten, die zu schnell an den gelben Flaggen vorbeigerast waren, nicht bestraft wurden.

Die Gerade auf dem Baku City Circuit ist die längste Vollgas-Passage im ganzen Formel-1-Kalender. Als Max Verstappen auf Höhe der Boxeneinfahrt in Runde 45 der linke Hinterreifen platzte, wies die Telemetrie seines Red Bulls ein Tempo von mehr als 300 km/h aus. Der Holländer hatte Glück, dass der Einschlag in die Bande für ihn verhältnismäßig glimpflich ausging.

Nicht so glimpflich kam sein Auto davon. Vor allem die Frontpartie wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Der RB16B verteilte jede Menge Trümmerteile quer über die Strecke, bevor er schließlich auf der rechten Seite der Startaufstellung zum Stehen kam. Die Streckenposten schwenkten sofort doppelt gelbe Flaggen. Das Signal bedeutet für alle anderen, dass sie bereit sein müssen, rechtzeitig vor einem Hindernis zu stoppen.

Tsunoda gibt weiter Vollgas

Über Funk wurden die meisten Piloten direkt gewarnt, dass sie sich auf der Zielgerade eher links halten sollten, um den Trümmerteilen auszuweichen. Was die Verlangsamung des Tempos anging, so waren auf den Video-Aufnahmen der Onboard-Kameras der einzelnen Autos allerdings sehr unterschiedliche Verhaltensweisen zu erkennen.

Max Verstappen - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2021
Motorsport Images
Die anderen Piloten rasten zum Teil mit mehr als 300 km/h an der Unfallstelle vorbei.

Komplett vom Gas gingen zum Beispiel Mick Schumacher und Nicholas Latifi. Aber auch Lando Norris, Carlos Sainz und Valtteri Bottas reduzierten ihr Tempo so deutlich, dass sie die Unfallstelle gefahrlos passieren konnten. Einige Fahrer, wie zum Beispiel Sebastian Vettel und Fernando Alonso, lupften beim Gelb-Signal nur kurz den Gasfuß, wodurch sich ihre Geschwindigkeit kaum verringerte.

Andere Piloten wiederum, zum Beispiel Yuki Tsunoda oder Kimi Räikkönen, blieben auf der kompletten Zielgerade voll auf dem Stempel. Akustisch konnte man bei ihnen überhaupt keine Veränderung der Motordrehzahlen wahrnehmen. Beide nutzten sogar noch den Windschatten des Vordermanns aus und rasten mit weit mehr als 300 km/h vorbei am havarierten Red Bull, aus dem Max Verstappen gerade ausgestiegen war.

Safety-Car-Signal 87 Sekunden nach Crash

Nach dem Passieren der Unfallstelle wunderten sich mehrere Piloten, warum die Rennleitung nicht direkt nach dem Einschlag das Safety-Car-Signal aktivierte. Pierre Gasly, Charles Leclerc, Carlos Sainz, Fernando Alonso, George Russell und Nicholas Latifi meldeten sich sofort per Funk bei ihren Kommandoständen, um auf die hohe Gefahr aufmerksam zu machen und eine Neutralisierung zu fordern.

Safety-Car - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2021
xpb
Es dauerte fast anderthalb Minuten, bis Rennleiter Michael Masi endlich das Safety-Car-Signal aktivierte.

Die deutlichsten Worte wählte dabei Leclerc: "Das ist doch ein Witz", schimpfte der Monegasse. "Bringt endlich das verdammte Safety-Car. Worauf warten wir denn noch?" Am Ende brauchte FIA-Rennleiter Michael Masi fast anderthalb Minuten, bis er Bernd Mayländer mit seinem roten Mercedes endlich auf die Bahn schickte und damit das Tempo auf der gesamten Strecke verlangsamen ließ.

Nachdem sich Red Bull mit dem Vorschlag des Rennabbruchs bei der Rennleitung gemeldet hatte, ließ Masi dann schließlich auch die roten Flaggen schwenken. Alle Autos wurden in die Boxengasse gerufen, bis die Strecke von allen Trümmerteilen befreit war. Bei dem Stopp durften alle Teams auch frische Reifen aufziehen, was die Gefahr von weiteren gefährlichen Plattfüßen minimierte.

McLaren-Hinweis ohne Folgen

McLaren nutzte die Pause zudem, um die Rennleitung darauf aufmerksam zu machen, dass Yuki Tsunoda die gelben Flaggen an der Unfallstelle nicht respektiert hatte. Der Japaner lag zu diesem Zeitpunk vor Lando Norris, der also von einer möglichen Strafe profitiert hätte. Der Brite selbst war wie schon erwähnt in dem Gefahrenbereich deutlich vom Gas gegangen.

Max Verstappen - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2021
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Eine Untersuchung gegen die Fahrer, die das Tempo an der Unfallstelle nicht verlangsamten, wurde nicht eingeleitet.

Doch Masi wies den Hinweis des McLaren-Kommandostands ab: "Wenn es nach mir geht, müsste das ganze Feld für zu schnelles Fahren bei doppelt-gelben Flaggen bestraft werden", so der Rennleiter. McLaren entgegnete, dass der Regelverstoß bei Tsunoda besonders offensichtlich gewesen sei. Doch das traf beim Australier nicht auf Verständnis: "Alle waren offensichtlich", keilte Masi zurück.

Nach dem Rennen erklärte der FIA-Schiedsrichter, dass er sich die Piloten beim nächsten Briefing vor dem GP Frankreich noch einmal vornehmen wolle, um mit ihnen die richtige Verhaltensweise in solchen Situationen zu diskutieren. Doch bei McLaren wollte man sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben.

Seidl widerspricht Rennleiter Masi

Laut Teamchef Andreas Seidl sei es völlig klar gewesen, wie sich die Fahrer hätten verhalten müssen: "Aus meiner Sicht sind da Dinge passiert, die ganz klar nicht okay waren." Der Bayer gab außerdem noch einmal zu bedenken, dass Norris einen Tag zuvor im Qualifying eine Strafe kassierte, bei der die Sachlage deutlich strittiger war. Da zeigten die FIA-Kommissare allerdings kein Pardon.

"Wir können nicht mehr machen, als solche Verstöße zu melden", gab Seidl verärgert zu Protokoll. "Wenn der Rennleiter meint, dass keine Untersuchung nötig ist, weil es alle machen – wobei ich übrigens ganz klar anderer Meinung bin – dann muss man Michael Masi noch einmal Fragen, was er da genau vorhat."

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